Swift-Blockchain: Grenzüberschreitende Zahlungen in Sekunden
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das internationale Banken-Netzwerk Swift hat im Juli 2026 einen Blockchain-Ledger in Betrieb genommen und damit einen wichtigen Schritt zur Modernisierung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs vollzogen.
Im Rahmen dieses Starts führten die Finanzinstitute HSBC und Standard Chartered die erste grenzüberschreitende Live-Transaktion über die neue Infrastruktur durch. Die Abwicklung der Transaktion erfolgte laut Projektbeteiligten innerhalb weniger Sekunden.
Effizienzsteigerung im institutionellen Netzwerk
Die Einführung der Blockchain-Technologie zielt darauf ab, die bestehenden Prozesse im globalen Finanzwesen grundlegend zu beschleunigen. Bisher beanspruchten grenzüberschreitende Zahlungen im Swift-Netzwerk in der Regel zwischen einem und fünf Tagen. Zudem wurden die Kosten für diese Transaktionen bisher auf 1 bis 4 Prozent des Volumens beziffert.
Swift nimmt im Weltfinanzsystem eine zentrale Rolle ein und verarbeitet täglich etwa 53 Millionen Nachrichten für 11.500 Institutionen in über 200 Ländern. Das jährliche Transaktionsvolumen des Netzwerks bewegt sich zwischen 1,2 und 1,5 Billiarden US-Dollar, wobei pro Tag etwa 5 Billionen US-Dollar geroutet werden.
Trotz dieser Dominanz wiesen Beobachter darauf hin, dass die G20-Ziele für die Verbesserung des Zahlungsverkehrs bis 2027 nach Einschätzung des Financial Stability Board (FSB) voraussichtlich verfehlt werden könnten.
Wachsender Markt für Tokenisierung und Stablecoins
Die Initiative von Swift erfolgt vor dem Hintergrund massiver Wachstumsprognosen für digitale Assets. Analysten von BNY prognostizieren für den Markt für Stablecoins und tokenisiertes Bargeld ein Volumen von 3,7 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2030. Citi rechnet zudem mit tokenisierten Wertpapieren im Umfang von 5,5 Billionen US-Dollar.
Auch andere Marktakteure bauen ihre Kapazitäten in diesem Bereich zügig aus. OpenPayd ist seit dem 25. August 2026 im Circle Payments Network live und ermöglicht nahezu sofortige Fiat-Zahlungen über eine Stablecoin-Abwicklung, unter anderem für Korridore zwischen Euro und brasilianischem Real. OpenPayd bedient über 1.200 Unternehmen mit einem Jahresvolumen von 280 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig verzeichnet die Stablecoin-Infrastruktur insgesamt ein hohes Niveau. Das Gesamtangebot an Stablecoins überstieg Ende August die Marke von 304 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 183,3 Milliarden US-Dollar auf USDT und rund 73,9 Milliarden US-Dollar auf USDC. Visa verzeichnete bereits im März 2026 eine annualisierte Run-Rate von etwa 7 Milliarden US-Dollar bei der Abwicklung von Stablecoins.
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Strategische Partnerschaften und Zentralbank-Initiativen
Neben Swift treiben auch Kreditkartenanbieter und Zentralbanken die Integration der Blockchain-Technologie voran. Visa unterzeichnete am 28. August 2026 im kalifornischen San Francisco eine strategische Partnerschaft mit dem südkoreanischen Unternehmen Dunamu, um Stablecoin-Zahlungen und KI-gestützten Handel zu explorieren. Kurz zuvor ging der Zahlungsdienstleister eine ähnliche Kooperation mit der Shinhan Financial Group ein.
Western Union hat unterdessen den USDPT-Stablecoin auf der Solana-Blockchain gestartet und plant für das Jahr 2026 die Einführung eines Verbraucherprodukts in mehr als 40 Ländern. Solana selbst verarbeitete bereits im Februar 2026 ein bereinigtes Stablecoin-Volumen von 650 Milliarden US-Dollar.
Auch vonseiten der Währungshüter nimmt der Druck zur Modernisierung zu. Die EZB-Direktorin Isabel Schnabel erklärte am 28. August 2026, dass Zentralbankgeld auf der Blockchain nicht länger optional sei.
Die Europäische Zentralbank plant für den 21. September 2026 den Start des Projekts Pontes, das Smart Contracts nutzt und langfristig einen 24/7-Betrieb ermöglichen soll. Bereits in Testphasen im Jahr 2024 wurden hierüber 1,6 Milliarden Euro mit 64 Teilnehmern abgewickelt.
Demgegenüber äußerte sich BIS-Generaldirektor Agustín Carstens am 28. August kritisch gegenüber Stablecoins, da diese Anforderungen an Interoperabilität und Integrität nicht vollständig erfüllten. Er empfahl stattdessen den Fokus auf tokenisierte Einlagen.
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Regulatorischer Rahmen im Wandel
Die technische Entwicklung wird von neuen rechtlichen Vorgaben begleitet. In den USA wurde bereits im Juli 2025 der GENIUS Act erlassen, dessen Durchsetzung für den 18. Januar 2027 vorgesehen ist.
Berichten zufolge haben jedoch mehrere Behörden die Fristen zur Ausarbeitung der entsprechenden Regelsätze verpasst. In Südkorea wird das Rahmenwerk für Stablecoins derzeit noch als unvollständig bewertet, was Unternehmen wie Dunamu bei der Auswahl konkreter Blockchains und Modelle zur Evaluierung veranlasst.
