SUSE, Openchip

SUSE und Openchip: Europäischer Technologie-Stack ab 2027

27.06.2026 - 05:16:23 | boerse-global.de

SUSE und Openchip bündeln Kräfte für einen unabhängigen, europäischen Technologie-Stack mit RISC-V und Open Source.

SUSE und Openchip: Europas souveräner Tech-Stack entsteht
SUSE - Nahaufnahme eines Hightech-Mikrochips mit leuchtend blauen und grünen Schaltkreisen, dezent mit einer Europakarte integriert. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die deutsche SUSE und das spanische Start-up Openchip haben am 25. Juni eine Absichtserklärung unterzeichnet, um den ersten unternehmensgerechten, souveränen Technologie-Stack Europas zu entwickeln. Ziel ist eine sichere und unabhängige Alternative für kritische Infrastrukturen und datensensible Bereiche.

RISC-V trifft auf Open Source

Im Kern der Zusammenarbeit steht die Zertifizierung von Openchips RISC-V-Beschleunigern und Hochleistungsrechnern für SUSE's zentrale Softwareprodukte. Dazu gehören SUSE Linux Enterprise Server, OpenSUSE Tumbleweed und Rancher Prime. Die technische Abstimmung soll native RISC-V-Unterstützung für das RVA23-Profil ermöglichen. Das bedeutet: Unternehmens-Kubernetes- und Linux-Umgebungen laufen künftig effizient auf europäisch entwickelter Hardware.

Openchip wurde 2021 als Ausgründung des Barcelona Supercomputing Center gegründet. Das Unternehmen hat beachtliche finanzielle Rückendeckung: 111 Millionen Euro aus dem EU-Programm Next Generation Fund sowie Unterstützung aus dem 240 Millionen Euro schweren DARE-Projekt. Zwar hat Openchip noch keinen kommerciellen Chip auf den Markt gebracht, doch der erste Produktlaunch ist für Anfang 2027 geplant.

„Die Zusammenarbeit hilft europäischen Industrien, strenge Datenvorschriften einzuhalten“, betont Andreas Prins von SUSE. Robin Giller von Openchip ergänzt: „Wir schaffen eine vollständig integrierte europäische Lösung – vom Silizium bis zur Anwendungebeene.“ Die Partner versprechen eine vorhersagbare und konforme Infrastruktur für Unternehmen.

Souveräne KI-Infrastruktur als Kernziel

Ein Hauptziel der Allianz ist der Aufbau einer souveränen Plattform für maschinelles Lernen und Inferenz. Ermöglicht wird dies durch die SUSE AI Factory, optimiert für Openchips RISC-V-Beschleuniger. Europäische Organisationen sollen einen KI-Stack erhalten, der Datenhoheit wahrt und regionale Sicherheitsstandards erfüllt.

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Dieser Vorstoß passt in eine Reihe europäischer KI-Initiativen. Erst kürzlich kündigte das italienische Unternehmen Domyn – früher bekannt als iGenius – an, innerhalb des nächsten Jahres ein vollständig quelloffenes KI-Modell mit über 400 Milliarden Parametern zu veröffentlichen. Das Soofi-Projekt, das im November 2025 startete und 20 Millionen Euro vom deutschen Staat erhielt, testet derzeit sein 30-Milliarden-Parameter-Sprachmodell.

Europäisches Halbleiter-Ökosystem wächst

Die Vereinbarung ist Teil eines größeren Vorhabens zur Stärkung der europäischen Halbleiter-Lieferkette. Am 26. Juni meldeten GlobalFoundries und Qualinx die Fertigstellung des ersten vollständig europäischen Halbleiter-Fertigungsablaufs in Dresden. Das Projekt, gefördert mit 495 Millionen Euro aus dem European Chips Act, produzierte erfolgreich einen Chip für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung – komplett innerhalb der EU.

Auch die Investitionen in souveräne KI-Infrastruktur nehmen Fahrt auf. Solstice und TensorX gaben am 25. Juni eine Partnerschaft zur Finanzierung von bis zu einer Milliarde Euro für KI-Hardware und Rechenzentren bekannt. Die Initiative zielt darauf ab, die wachsende Nachfrage nach souveränen KI-Diensten zu decken – mit NVIDIA-GPUs in europäischen Rechenzentren unter strikter Null-Datenaufbewahrung.

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Strategie zwischen Autonomie und Allianzen

Der Drang nach technologischer Unabhängigkeit kommt nicht von ungefähr. Die Europäische Kommission präsentierte im Juni 2026 ein umfassendes Europäisches Technologie-Souveränitätspaket. Es enthält den Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz, das die Rechenzentrumskapazität in den nächsten Jahren verdreifachen soll, sowie einen aktualisierten Chips Act 2.0 und eine eigene Open-Source-Strategie.

Doch die Souveränitätsbemühungen bewegen sich in einem komplexen geopolitischen Umfeld. Am 25. Juni unterzeichnete die EU die Pax-Silica-Initiative der USA zur Koordinierung der KI-Chip-Lieferkette und Exportkontrollen. Mehrere EU-Mitgliedsstaaten sind dem Pakt beigetreten – doch intern gibt es Kritik. Einige regionale Führungskräfte sehen in solchen Allianzen eine Herausforderung für das Ziel vollständiger europäischer Technologieautonomie.

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