Suizidprävention: RISE-Programm senkt Rückfallquoten nach Krisen
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Verbesserung der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung nach suizidalen Krisen steht im Zentrum aktueller medizinischer Forschungsvorhaben.
Ein zentrales Element dieser Bestrebungen ist das Behandlungsprogramm RISE (Relapse Prevention Intervention after Suicidal Event), an dem sich nun auch die Universitätsmedizin Halle beteiligt. Das Projekt verfolgt das Ziel, die Rückfallquote bei Menschen nach einem Suizidversuch signifikant zu senken und die Lücken in der Nachsorge zu schließen.
Struktur und Methodik der RISE-Untersuchung
Die kontrollierte klinische Studie steht unter der Federführung des Universitätsklinikums Jena. Insgesamt sind sechs Kliniken aus fünf Bundesländern an dem Forschungsprojekt beteiligt. Im Rahmen der Untersuchung werden circa 350 Patientinnen und Patienten begleitet. Der Versuchsaufbau sieht vor, dass eine Hälfte der Probanden die herkömmliche Standardbehandlung erhält, während die andere Hälfte zusätzlich das RISE-Programm durchläuft.
Das spezifische Behandlungsprogramm umfasst fünf therapeutische Sitzungen, die innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen stattfinden. Im Anschluss an diese intensive Phase werden die Teilnehmenden bis zu ein Jahr lang wissenschaftlich begleitet. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben durch den Gemeinsamen Bundesausschuss, der Fördermittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro bereitstellt.
Hintergrund für das Engagement der Universitätsmedizin Halle ist unter anderem die regionale Situation in Sachsen-Anhalt, wo die Suizidrate über dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Bundesweit gehen Fachleute auf Basis von Studien davon aus, dass es jährlich zu mehreren hunderttausend Suizidversuchen kommt.
Internationale Ansätze und technologische Entwicklungen
Auch über Deutschland hinaus ist die Optimierung der Suizidprävention ein zentrales Thema der Gesundheitspolitik. In der Schweiz zeigt eine Auswertung der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen nach einem Suizidversuch bislang keine fachliche Betreuung erhält.
Die RISE-Studie testet ein 5-Sitzungen-Programm, das Betroffene nach einem Suizidversuch strukturiert auffängt — doch die Lücke zwischen Klinikentlassung und ambulanter Weiterbetreuung bleibt in vielen Häusern offen. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen das Sitzungsprotokoll, den 12-Monats-Begleitplan und eine Checkliste, mit der Sie Nachsorge-Lücken in Ihrer Klinik systematisch schließen. Nachsorge-Leitfaden jetzt anfordern
Um dem entgegenzuwirken, wurden zwischen 2021 und 2025 verschiedene Projekte wie SERO, ASSIP flex sowie AdoASSIP umgesetzt. Eine Evaluation durch das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut sowie die Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg bescheinigte diesen Maßnahmen eine entsprechende Wirksamkeit.
Für das Jahr 2026 ist in der Schweiz zudem die Entstehung des nationalen Projekts SuiT (Swiss Suicide Prevention Toolbox) geplant. Kernstück dieser Plattform ist ein KI-basierter Chatbot, der als niedrigschwelliges Hilfsangebot fungieren soll.
Diese Maßnahmen sind Teil eines nationalen Aktionsplans, der bereits 2016 lanciert wurde. Das erklärte Ziel ist es, die Zahl der Suizide bis zum Jahr 2030 deutlich zu senken. Statistische Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) verdeutlichten zuletzt die Relevanz: Im Jahr 2024 starben in der Schweiz 996 Menschen durch Suizid, wobei Männer etwa dreimal häufiger betroffen waren als Frauen.
Herausforderungen und Defizite in der stationären Versorgung
Während in Deutschland und der Schweiz verstärkt auf strukturierte Programme und digitale Unterstützung gesetzt wird, weisen Berichte aus anderen europäischen Ländern auf systemische Lücken hin. In Ungarn wurde in Krankenhäusern wie dem Szent János, Szent Imre oder dem Péterfy-Klinikum das Fehlen verpflichtender Verfahren für die Betreuung von Überlebenden nach Suizidversuchen festgestellt.
In Sachsen-Anhalt liegt die Suizidrate über dem Bundesdurchschnitt, und in vielen Kliniken fehlt ein verpflichtendes Verfahren für die Betreuung von Überlebenden eines Suizidversuchs. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie mit dem 5-Sitzungen-Protokoll und dem 12-Monats-Begleitplan aus der RISE-Studie eine verbindliche Nachsorge-Struktur aufbauen — bevor die nächste Krise unaufgefangen bleibt. Leitfaden zur Nachsorge-Struktur sichern
Die Dringlichkeit verbesserter Präventionsmaßnahmen zeigt sich dort besonders in der Statistik zur Jugendsuizidalität. Im Jahr 2025 starben in Ungarn 121 junge Menschen im Alter von 12 bis 29 Jahren durch Suizid.
Insbesondere in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen wurde ein Anstieg der Rate um 20 Prozent verzeichnet. Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit von Interventionsprogrammen wie RISE, die darauf abzielen, Betroffene unmittelbar nach einem krisenhaften Ereignis therapeutisch aufzufangen.
