Süßungsmittel und Gehirn: Hoher Konsum ging mit 62 Prozent schnellerem Abbau einher
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 16:25 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer regelmäßige Konsum von kalorienarmen Süßungsmitteln steht im Verdacht, geistige Fähigkeiten langfristig zu beeinträchtigen. Eine in der medizinischen Fachzeitschrift Neurology der American Academy of Neurology veröffentlichte Untersuchung weist darauf hin, dass die Aufnahme entsprechender Ersatzstoffe mit einem beschleunigten Rückgang der Gedächtnis- und Denkfähigkeit bei Erwachsenen einhergeht.
Wie Fachmedien Ende Oktober 2026 berichteten, betrifft dieser Trend unterschiedliche Substanzklassen, wobei die Intensität des Abbaus mit der täglichen Verzehrmenge zunimmt.
Langzeitdaten aus groß angelegter Kohorte
Grundlage der Untersuchung bilden Daten von 12.772 Erwachsenen aus Brasilien mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren. Die Forschenden begleiteten die Teilnehmenden über einen Zeitraum von rund acht Jahren, um Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit im Verlauf der Zeit detailliert zu dokumentieren.
Dabei bildete die Analyse unterschiedliche Konsumstufen ab. Die Gruppe mit dem höchsten Verbrauch nahm im Durchschnitt 191 mg Süßungsmittel pro Tag zu sich, während die Teilnehmer in der niedrigsten Kategorie auf durchschnittlich 20 mg pro Tag kamen. Zur besseren Einordnung verweisen Fachberichte darauf, dass eine Menge von 191 mg Aspartam in etwa dem Gehalt einer Dose Diätlimonade entspricht.
Deutliche Unterschiede bei kognitiver Alterung
Im Vergleich der Verbrauchergruppen zeigten sich messbare Differenzen im geistigen Abbau. In der Gruppe mit dem höchsten Konsum fiel der Rückgang von Gedächtnis und Denkvermögen um 62 Prozent schneller aus. Dies entspricht nach Berechnungen der Studienautoren einem rechnerischen Alterungsprozess von rund 1,6 zusätzlichen Jahren kognitiver Alterung.
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In der mittleren Konsumgruppe, die im Schnitt etwa 80 mg pro Tag zu sich nahm, lag das Tempo des kognitiven Abbaus um 35 Prozent höher, was etwa 1,3 zusätzlichen Jahren entsprach.
Besonders ausgeprägt zeigte sich dieser Zusammenhang bei Personen unter 60 Jahren sowie bei Menschen mit bestehender Diabeteserkrankung.
Nahezu alle untersuchten Stoffe betroffen
Insgesamt flossen sieben spezifische Süßungsmittel in die Analyse ein. Bei sechs dieser Substanzen stellten die Forschenden eine Assoziation mit einem beschleunigten Nachlassen der Denkleistung fest:
- Aspartam
- Saccharin
- Acesulfam-K
- Erythrit
- Xylitol
- Sorbitol
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Den höchsten durchschnittlichen Tageskonsum verzeichneten die Forschenden beim Zuckeraustauschstoff Sorbitol, der im Mittel bei 64 mg pro Tag lag. Lediglich bei dem Stoff Tagatose konnte kein Zusammenhang mit einem schnelleren geistigen Verfall festgestellt werden.
Methodische Grenzen der Beobachtung
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonen die Autoren methodische Einschränkungen. Bei den Ergebnissen handelt es sich um eine reine Assoziation und nicht um einen Nachweis von Ursache und Wirkung.
Da die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmenden über Fragebögen erfasst wurden, können Ungenauigkeiten bei den Selbstauskünften nicht ausgeschlossen werden. Weitere Forschungsarbeiten sind erforderlich, um die biologischen Mechanismen hinter den beobachteten Effekten genauer zu klären.
