Süßstoffe und Darmbakterien: Cambridge findet Effekte bei 26 von 39 Stoffen
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 00:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deZuckerersatzstoffe stehen seit Jahren im Fokus ernährungswissenschaftlicher Debatten. Während sie eine zuckerfreie Alternative zur Kalorienreduktion bieten, rücken ihre potenziellen Auswirkungen auf das menschliche Mikrobiom zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Eine Laborstudie der University of Cambridge liefert detaillierte Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Süßstoffen und typischen Darmbakterien.
Laborbefunde zeigen Hemmung nützlicher Bakterienarten
Im Juni 2026 veröffentlichte ein Forschungsteam der MRC Toxicology Unit an der University of Cambridge eine systematische Untersuchung in der Fachzeitschrift Molecular Systems Biology. Unter der Leitung von Prof. Kiran Patil und der Erstautorin Dr. Sonja Blasche untersuchten die Forschenden 39 verschiedene Süßstoffe im Hinblick auf deren Einfluss auf 25 ausgewählte Arten von Darmbakterien.
Dabei zeigte sich, dass etwa drei Viertel der getesteten Stoffe – konkret 26 von 39 – das Wachstumsverhalten von mindestens einer untersuchten Bakterienart messbar veränderten. Bei den beobachteten Effekten handelte es sich den Ergebnissen zufolge überwiegend um eine Hemmung von nützlichen Bakterienarten, was die biologische Aktivität der Substanzen im mikrobiellen Umfeld unterstreicht.
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Einordnung durch frühere Humanstudien
Die Laborergebnisse aus Cambridge knüpfen an frühere wissenschaftliche Arbeiten an, die bereits Effekte von Süßungsmitteln auf die mikrobielle Zusammensetzung im Menschen festgestellt hatten. Eine im Fachjournal Cell erschienene Humanstudie des Weizmann-Instituts aus dem Jahr 2022 untersuchte 120 Erwachsene über einen Zeitraum von zwei Wochen.
Die Wissenschaftler wiesen damals nach, dass die Gabe von Saccharin, Sucralose, Aspartam und Stevia zu Veränderungen des Mikrobioms führte. Die neuen Cambridge-Daten ergänzen diesen Befund um konkrete Interaktionsmuster einzelner Substanzen mit isolierten Bakterienstämmen.
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Sicherheitsbewertung und regulatorischer Status in der Europäischen Union
Trotz der im Labor beobachteten Effekte betonen Ernährungsbehörden weiterhin die geltenden Sicherheitsstandards. Das niederländische Voedingscentrum erklärt hierzu, dass alle in der Europäischen Union zugelassenen Süßstoffe vor ihrem Markteintritt ausführlich auf gesundheitliche Sicherheit geprüft worden seien.
Zudem gelten klare gesetzliche Bestimmungen für die jeweiligen Inhaltsstoffe: In den Niederlanden wie auch im gesamten EU-Raum entspricht Stevia den zugelassenen Steviolglycosiden mit der Kennnummer E 960. Andere Stoffe wie Isosteviol stehen hingegen nicht auf der Liste der zulässigen Süßungsmittel.
Während toxikologische Gutachten die Unbedenklichkeit bezüglich akuter Risiken absichern, fokussieren aktuelle Forschungen weiterhin darauf, welche langfristigen Folgen mikrobielle Verschiebungen im Verdauungstrakt für den Stoffwechsel haben können.
