Süßstoffe: Aspartam und Acesulfam erhöhen Diabetes-Risiko um 69%
10.06.2026 - 13:50:23 | boerse-global.de
Während die Industrie sie als kalorienarme Alternative bewirbt, zeigen Langzeitstudien komplexe Auswirkungen auf Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Gehirn.
Die 10 Zuckerfallen im Supermarkt, die fast jeder über 55 täglich übersieht – Ernährungsexperten aus Bad Godesberg enthüllen, welche vermeintlich gesunden Lebensmittel Ihren Blutzucker in die Höhe treiben. Gratis-Ratgeber: Gesund genießen ohne Zucker-Verzicht
Gewichtsreduktion: Kurzfristige Vorteile, langfristige Fragezeichen
Eine US-Studie mit über 143.000 Erwachsenen zwischen 24 und 32 Jahren brachte Entwarnung: Light-Getränke führten nicht direkt zu Gewichtszunahme. Wer zuckerhaltige Getränke durch kalorienreduzierte Alternativen ersetzte, nahm über vier Jahre sogar 1,39 Kilogramm weniger zu. Ein Umbrella-Review aus dem Jahr 2025 bestätigte positive Effekte – allerdings nur bei tatsächlichem Kalorienersatz.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht das anders. Bereits 2023 riet sie von Zuckerersatzstoffen zur langfristigen Gewichtskontrolle ab. Ein dauerhafter Nutzen für die Fettreduktion sei nicht eindeutig belegt.
Herz und Stoffwechsel: Erythrit und Co. im Visier
Besonders Erythrit geriet ins Kreuzfeuer der Forschung. Der Zuckeraustauschstoff mit geringem Brennwert (etwa 20 Kilokalorien pro 100 Gramm) zeigte in einer Studie von 2023: Hohe Blutspiegel waren mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden. Eine abschließende Klärung der Kausalität steht noch aus.
Noch deutlichere Ergebnisse lieferte die NutriNet-Santé-Kohorte. Über neun Jahre beobachteten Forscher mehr als 105.000 Teilnehmer. Personen mit hohem Konsum von Aspartam oder Acesulfam-K wiesen ein um bis zu 69 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes auf. Die WHO hielt im Juli 2023 zwar an der Unbedenklichkeit innerhalb der zulässigen Tagesdosis fest – stufte Aspartam jedoch gleichzeitig als möglicherweise krebserregend ein.
Warum chemische Zusatzstoffe im Essen für Diabetiker besonders gefährlich sind – Diabetes-Experte Dr. Limpinsel enthüllt, welche Lebensmittel Sie unbedingt meiden sollten. Kostenlosen PDF-Ratgeber mit den 6 Goldenen Regeln anfordern
Gehirn und Darm: Neue Risikofelder entdeckt
Eine brasilianische Studie aus dem Jahr 2025 mit über 12.000 Probanden brachte regelmäßigen Konsum künstlicher Süßstoffe wie Aspartam, Sucralose und Saccharin mit schnellerem kognitivem Abbau bei Menschen unter 60 Jahren in Verbindung. Die kausalen Zusammenhänge sind noch nicht abschließend geklärt.
Im Darmbereich lieferte eine internationale Untersuchung aus dem Jahr 2026 Hinweise: Bei Patienten mit Morbus Crohn förderte Saccharin das Wachstum bestimmter Bakterien (Fusobacterium nucleatum). Tierversuche deuten zudem darauf hin, dass durch Sucralose oder Stevia veränderte Stoffwechselprozesse epigenetisch bis in die Enkelgeneration wirken könnten.
Markt und Regulierung: Zuckerabgabe in der Diskussion
Die Abgabe von Zuckerersatzstoffen findet vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Ernährungskultur statt. In Deutschland diskutiert die Politik im Rahmen einer geplanten Gesundheitsreform über eine Zuckerabgabe auf Softdrinks. Unionspolitiker wie Jens Spahn verteidigen die Abgabe als Instrument gegen stark gesüßte Getränke. Innerhalb der CDU gibt es jedoch Widerstand gegen die Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken. Die SPD unterstützt das Vorhaben – die Einnahmen sollen die gesetzliche Krankenversicherung entlasten.
Parallel wächst der Markt für hochverarbeitete Lebensmittel mit Ersatzstoffen. Laut Marktforschern gaben deutsche Verbraucher 2023 jährlich mehr als eine Milliarde Euro für High-Protein-Produkte aus. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Bremen im Juni 2026 zeigte: Viele dieser Produkte enthalten trotz niedriger Zuckerwerte eine Vielzahl von Zusatzstoffen – Verdickungsmittel, Aromen und Süßungsmittel. Und sie sind deutlich teurer als herkömmliche Lebensmittel.
Experte Dr. Hans Braun warnt: Die Normalbevölkerung ist meist ausreichend mit Proteinen versorgt. Der Mehrwert solcher angereicherten Produkte bleibe kritisch zu hinterfragen.
