Süßstoffe, Gehirnabbau

Süßstoffe: 62% schnellerer Gehirnabbau in Langzeitstudie

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viele „Zero“-Lebensmittel enthalten erhebliche Zuckermengen, da der Begriff rechtlich nicht definiert ist. Verbraucherschützer fordern strengere Kennzeichnungsregeln und warnen vor Süßstoffrisiken.

Zero-Produkte: Versteckter Zucker trotz Werbeversprechen – Verbraucherschützer fordern klare Regeln
Nahaufnahme von Lebensmittelverpackungen mit Zero-Kennzeichnung im Supermarktregal. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

„Zero“ klingt nach null Zucker, null Reue. Doch viele Produkte mit dem Werbeversprechen enthalten ordentlich Zucker – und das ist völlig legal.

Der Begriff ist rechtlich nicht definiert. Hersteller verzichten oft nur auf zugesetzten Kristallzucker, während natürlicher Zucker aus Früchten oder Milch im Produkt bleibt. Verbraucherschützer sprechen von systematischer Täuschung.

Wenn „Zero“ nicht null bedeutet

Die Verbraucherzentralen kritisieren: „Zero“ wird häufig synonym zu „ohne Zuckerzusatz“ verwendet – ein Unterschied, den viele Konsumenten nicht kennen. Marktanalysen zeigen deutliche Lücken zwischen Werbung und Wirklichkeit.

Konkrete Beispiele gibt es genug: Die „Milram Buttermilch Zero“ bringt es in der 750-Milliliter-Packung auf 30 Gramm Zucker. Die „Exquisa Zero Quark-Joghurt-Creme Mango“ landet bei 4 Prozent, „Heinz Ketchup Zero“ sogar bei 4,4 Prozent. Noch extremer wird es beim „Almighurt Zero Himbeerjoghurt“ mit 5,7 Gramm pro 100 Gramm – die „Zentis Triple Zero Erdbeere“ erreicht sogar 7,9 Prozent. Und der Snack „Neoh Crisp n Cream“ enthält trotz „Zero“-Label 4,7 Prozent Zucker.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt maximal 50 Gramm freien Zucker pro Tag. Verbraucherschützer fordern deshalb klare Regeln: „Zuckerfrei“ soll nur erlaubt sein, wenn der Gehalt unter 0,5 Gramm pro 100 Gramm liegt.

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Süßstoffe als fragwürdiger Ersatz

Damit der Geschmack trotzdem stimmt, setzen Hersteller auf künstliche Süßstoffe. Ernährungsmediziner wie Matthias Riedl warnen: Sucralose kann das Hungergefühl fördern, Xylit und Erythrit stehen im Verdacht, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erhöhen.

Eine Langzeitstudie im Fachmagazin Neurology sorgt zusätzlich für Aufsehen. Forscher begleiteten 12.772 Erwachsene acht Jahre lang und beobachteten bei hohem Süßstoffkonsum einen 62 Prozent schnelleren kognitiven Abbau – das entspricht einer zusätzlichen Alterung von 1,6 Jahren. Einzige Ausnahme: Tagatose zeigte diesen Effekt nicht.

Foodwatch fordert daher Werbeschranken für ungesunde Lebensmittel und eine Zuckersteuer nach britischem Vorbild. Dort führte die Abgabe zu einer Reduktion des Zuckergehalts in Limonaden um rund 30 Prozent. Der symbolträchtige „Kinder-Überzuckerungstag“ am 12. August – der Tag, an dem Kinder ihr Jahreslimit erreicht haben – verdeutlicht die Dringlichkeit.

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Neue Technik gegen Etikettenschwindel

Forscher der TU Berlin und der Universität Halle-Wittenberg arbeiten unter der Leitung von Sascha Rohn an einem Verfahren, das zugesetzten Zucker in Fruchtsäften und Honig per Massenspektrometrie nachweist. Der Deutsche Fruchtsaftverband unterstützt das Projekt – ein Praxiseinsatz soll in den kommenden Monaten starten.

Auch international wächst der Druck: Indiens Behörde FSSAI lehnte die Verlängerung einer Frist ab, nach der „Energy Drink“-Kennzeichnungen entfernt werden müssen. Thailand plant verstärkte Kontrollen und Beratungen, um die Genauigkeit von Protein- und Inhaltsstoffangaben sicherzustellen.

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