Süßstoff-Werbung, Südkorea

Süßstoff-Werbung in Südkorea: Blutzucker-Versprechen ab 2028 untersagt

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 07:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Südkorea schränkt ab 2028 gesundheitsbezogene Süßstoffwerbung ein; Studien liefern unterschiedliche Befunde zu Gewicht und Stoffwechsel.
Ein minimalistisches Labor mit Glasbechern, die klare Flüssigkeiten und weißes kristallines Pulver enthalten. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte über den gesundheitlichen Nutzen und mögliche Risiken von Zuckeralternativen gewinnt international an Schärfe. Am 23. Oktober 2026 veröffentlichte das südkoreanische Ministerium für Lebensmittel- und Plattformsicherheit (MFDS) eine Teilnovelle der Kennzeichnungsvorschriften für verarbeitete Lebensmittel.

Demnach dürfen Produkte, die Süßstoffe wie Sucralose, Aspartam, Acesulfam-K oder Erythrit enthalten, künftig nicht mehr mit der Aussage beworben werden, sie würden den Blutzuckeranstieg nach den Mahlzeiten unterdrücken. Die Neuregelung tritt am 1. Januar 2028 in Kraft.

Strengere Kriterien für gesundheitsbezogene Werbung

Hintergrund der behördlichen Entscheidung in Südkorea war die verbreitete Werbepraxis bei Erfrischungsgetränken, Gummibärchen und Energieriegeln. Verbraucherschutzorganisationen und eine parlamentarische Anhörung hatten zuvor davor gewarnt, dass Konsumenten – insbesondere Personen mit Diabetes – solche Werbeversprechen als therapeutische Wirkung missverstehen könnten.

Das MFDS verwies zudem auf Hinweise der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie medizinischer Fachkreise bezüglich möglicher langfristiger Auswirkungen künstlicher Süßstoffe auf das Darmmikrobiom und die Insulinresistenz.

Der Verkauf der Süßungsmittel selbst bleibt in Südkorea weiterhin uneingeschränkt zulässig; die Vorschrift beschränkt ausschließlich das gesundheitsbezogene Marketing.

Als Voraussetzung für die Angabe gilt nach wie vor die Einhaltung fester Grenzwerte: weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm bei festen Nahrungsmitteln beziehungsweise unter 2,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter bei Getränken. Erzeugnisse mit von Natur aus geringem Zuckergehalt ohne zugesetzte Süßstoffe, wie ungesüßtes Sprudelwasser, dürfen entsprechende Hinweise weiterhin führen.

Geteilte Befunde zu Gewichtsreduktion und Sättigung

Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit von Süßungsmitteln zeichnen ein vielschichtiges Bild. Eine im Fachjournal Nutrients publizierte Analyse dreier klinischer Studien (SWEET, SWITCH und Sweet Tooth) unter Leitung von Forschern der Universität Leeds und der Universität Ljubljana an hunderten Erwachsenen fand keine Belege dafür, dass kalorienarme Süßstoffe Heißhunger auf Süßes fördern.

Anzeige

Wer sich kritisch mit Süßungsmitteln und deren Einfluss auf den Stoffwechsel auseinandersetzt, sollte auch seine persönlichen Blutwerte im Blick behalten. Dieser kostenlose 25-seitige Report hilft Ihnen dabei, wichtige Laborwerte selbst zu verstehen und mögliche Mängel frühzeitig zu erkennen. Laborwerte-Selbstcheck kostenlos anfordern

In der einjährigen SWEET-Untersuchung mit 341 Erwachsenen hielt die Süßstoffgruppe eine um 1,6 Kilogramm höhere Gewichtsabnahme aufrecht. Nüchternblutzucker, Insulinwerte und der Langzeitblutzuckerwert HbA1c zeigten keine relevanten Risikounterschiede zur Kontrollgruppe.

Auch die zweijährige SWITCH-Studie der Universität Liverpool an 493 übergewichtigen oder fettleibigen Erwachsenen, veröffentlicht im British Journal of Nutrition, widerlegte die Annahme einer appetitsteigernden Wirkung.

Anzeige

Um den Blutzucker stabil zu halten, sind oft versteckte Fallen in der täglichen Ernährung entscheidender als die Wahl des Süßstoffs. Ein Experte deckt in diesem Gratis-Leitfaden auf, welche 16 Alltagsprodukte Ihre Werte heimlich beeinflussen können. 16 gefährlichste Blutzuckerfallen hier entdecken

Bei 220 nachverfolgten Teilnehmern verzeichnete die Gruppe mit künstlich gesüßten Getränken ein Minus von 4,8 Kilogramm, während die Wassergruppe 3,7 Kilogramm verlor – ein statistisch nicht signifikanter Unterschied.

Finanziert wurde die Bereitstellung der Getränke von der American Beverage Association, wobei die Forscher betonten, dass der Verband keinen Einfluss auf Studiendesign, Datenerhebung oder Auswertung hatte.

Demgegenüber steht eine im CMAJ veröffentlichte Analyse der Universität Manitoba von 30 Studien mit 400.000 Teilnehmenden, darunter sieben randomisierte Studien.

Das Team um Studienleiterin Meghan Azad stellte keinen gesicherten Beleg dafür fest, dass Süßstoffe bei der Gewichtsabnahme helfen, und verwies stattdessen auf Hinweise bezüglich negativer Einflüsse auf den Stoffwechsel, die Darmflora und das Herz-Kreislauf-System. Rund 40 Prozent der Erwachsenen konsumieren Süßstoffe wie Aspartam, Sucralose oder Stevia.

Offene Fragen zu Mikrobiom und Langzeitfolgen

Tierexperimentelle Daten der Chungnam National University in Südkorea verdeutlichten zuletzt komplexe Wechselwirkungen: Bei jungen Mäusen führte eine tägliche Dosis von 5 Milligramm Sucralose pro Kilogramm Körpergewicht über 14 Wochen zu Verschiebungen im Darmmikrobiom, einer veränderten Aktivität entzündungsrelevanter Gene in der Leber sowie Anzeichen von Nervengewebsentzündungen im Gehirn. Die Autoren stuften direkte Rückschlüsse auf den Menschen jedoch als verfrüht ein.

Ernährungsmediziner und Fachgesellschaften raten daher zur Differenzierung. Die WHO empfiehlt kalorienarme Süßstoffe nicht als langfristige Strategie zur Gewichtskontrolle. Während Diätgetränke von kardiologischen Verbänden mitunter als Übergangshilfe für Personen mit sehr hohem Konsum zuckerhaltiger Limonaden eingestuft werden, gilt ungesüßtes Wasser medizinisch weiterhin als erste Wahl zur Flüssigkeitsversorgung.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70418019 |