Südkorea-Robotik, Milliarden

Südkorea-Robotik: Börse gewinnt 68 Milliarden Euro seit Januar

28.05.2026 - 16:18:54 | boerse-global.de

Südkoreanische Zulieferer für humanoide Roboter verzeichnen einen Kurssprung von 68 Milliarden Euro. Hyundai, Samsung und LG treiben die Entwicklung massiv voran.

Südkorea-Robotik: Börse gewinnt 68 Milliarden Euro seit Januar - Foto: über boerse-global.de
Südkorea-Robotik: Börse gewinnt 68 Milliarden Euro seit Januar - Foto: über boerse-global.de

Seit Jahresbeginn sind die Unternehmen der Branche um umgerechnet rund 68 Milliarden Euro an der Börse wertvoller geworden. Treiber ist eine strategische Neuausrichtung: Immer mehr Auto- und IT-Zulieferer steigen in die Robotik ein und bescheren dem Leitindex KOSPI Rekordstände.

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Vom Autozulieferer zum Roboterbauer

Lange waren sie auf traditionelle Komponenten spezialisiert. Jetzt setzen südkoreanische Hersteller massiv auf Hightech-Robotik. LG Energy Solution arbeitet an Spezialbatterien für humanoide Roboter – Abnehmer sollen unter anderem Tesla und chinesische Firmen sein. Samsung hat sich zum größten Aktionär von Rainbow Robotics hochgekauft. Und Hyundai Motor kooperiert mit Toyota über deren jeweilige Tochterfirmen, um gemeinsam Plattformen für humanoid Roboter zu entwickeln.

Die Folge: Der KOSPI schloss am 27. Mai auf einem Rekordhoch von 8.228,70 Punkten. Analysten von Nomura und JPMorgan prognostizieren, dass der Index die Marke von 10.000 Punkten erreichen könnte – getrieben von den starken Fundamentaldaten in den Bereichen KI und Robotik. Am heutigen Donnerstag legten Roboter- und Batterieaktien weiter zu. LG Energy Solution gewann mehr als neun Prozent, obwohl die südkoreanische Zentralbank den Leitzins unverändert bei 2,5 Prozent ließ.

Hyundais Atlas-Offensive: 25.000 Roboter für die Fabriken

Hyundai Motor Group treibt die Integration humanoider Automatisierung in seine weltweite Produktion massiv voran. Der Konzern plant, 25.000 Atlas-Roboter einzusetzen – beginnend 2028 im Metaplant America-Werk im US-Bundesstaat Georgia, gefolgt von Kia-Fertigungslinien. Bis 2028 will Hyundai in den USA eine jährliche Produktionskapazität von 30.000 Atlas-Einheiten aufbauen. Um die Marke bekannt zu machen, sollen der Atlas und der Roboterhund Spot während der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika präsentiert werden.

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Eine Schlüsselrolle spielt Hyundai Mobis. Die Tochter ist exklusiver Lieferant der Aktuatoren für den Atlas-Roboter – jener Komponenten, die für die Bewegung der Maschinen unverzichtbar sind. Branchendaten zufolge machen Aktuatoren zwischen 40 und 60 Prozent der gesamten Herstellungskosten humanoider Roboter aus. Die Aktie von Hyundai Mobis hat sich binnen eines Jahres fast verdreifacht und notiert bei umgerechnet rund 700.000 Won (etwa 460 Euro). Analysten erwarten, dass der Roboterbereich des Unternehmens bis 2031 einen Umsatz von umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro erzielen könnte – und bis 2040 sogar rund 6,2 Milliarden Euro.

Aktuatoren und neuronale Netze: Neue Chancen für Zulieferer

Der Bedarf an Spezialkomponenten eröffnet auch anderen südkoreanischen Firmen neue Geschäftsfelder. Während Hyundai Mobis in den USA ein eigenes Werk mit einer Kapazität von 350.000 Aktuatoren pro Jahr baut, sichern sich andere Unternehmen internationale Aufträge. So hat etwa Schaeffler Anfang des Jahres einen Vertrag über die Lieferung von mehr als einer Million Aktuatoren an ein britisches Unternehmen bis 2031 unterzeichnet.

Auch Flexible Leiterplatten (FPCBs) gewinnen strategische Bedeutung. Analysten von iM Securities bezeichnen sie als die „neuronalen Netze" humanoider Roboter. Südkoreanische Hersteller wie BH profitieren davon, dass sie als Nicht-China-Alternativen in der globalen Lieferkette zunehmend gefragt sind – ein trend, der durch die anhaltenden Handelskonflikte noch verstärkt wird.

Staat investiert 50 Milliarden Won in Pflegeroboter

Die südkoreanische Regierung treibt die Kommerzialisierung der Robotik ebenfalls voran. Am heutigen Donnerstag kündigte sie ein Investitionsprogramm von umgerechnet rund 33,5 Millionen Euro über die nächsten fünf Jahre an. Ziel ist die Entwicklung KI-gesteuerter humanoider Roboter für den Gesundheitssektor. Unter der Führung von LG Electronics und WIRobotics sollen die Roboter, die mit Festkörperbatterien ausgestattet sind, in Pflegeheimen und Krankenhäusern getestet werden.

Doch nicht nur die Pflegebranche setzt auf Automatisierung. Auch in der Lebensmittelindustrie hält die Robotik Einzug. Am Mittwoch besichtigte das Industrieministerium eine KI-gesteuerte Produktionslinie in der Bäckerei Sungsimdang, in der Roboter die Herstellung von Gebäck automatisieren. Ähnliche Systeme werden bei anderen regionalen Lebensmittelherstellern eingeführt, darunter die Brauerei Andong Hoegok Brewery.

Branchenexperten prognostizieren auf dem Seoul Forum 2026 eine großflächige Expansionsphase für Industrieroboter bis 2029. Sie warnen jedoch: Südkoreanische Firmen müssten weiter an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten – chinesische Hersteller halten derzeit einen Marktanteil von 78 Prozent bei humanoiden Robotern.

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