Südkorea, Milliarden

Südkorea investiert 700 Milliarden Euro in Roboter-Industrie

29.06.2026 - 04:18:23 | boerse-global.de

Südkorea investiert 700 Milliarden Euro in die Robotik, um bis 2035 weltweit führend zu sein. Samsung und Hyundai treiben die Entwicklung voran.

Südkoreas Milliardenplan für humanoide Roboter bis 2035
Südkorea - Metallene Hand eines humanoiden Roboters greift nach einer Platine in einer Hightech-Fabrik, Symbol für die Roboter-Lieferkette. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Südkorea will bis 2035 zur globalen Spitze bei humanoiden Robotern aufschließen – mit einem Investitionsprogramm von umgerechnet rund 700 Milliarden Euro.

Präsident Lee Jae-myung präsentierte am Montag gemeinsam mit den führenden Technologiekonzernen des Landes eine ehrgeizige Strategie. Im Zentrum stehen riesige Fertigungscluster für Halbleiter, „Physical AI" und Rechenzentren. Das Ziel: Die Abhängigkeit von ausländischen Technologien reduzieren und eine Schlüsselrolle im Milliardenmarkt der humanoiden Robotik einnehmen.

Samsung und Hyundai an der Spitze

Der Elektronikriese Samsung will im kommenden Jahrzehnt rund 1.000 Billionen Won in ein modernes Fertigungsökosystem stecken. Geplant ist unter anderem ein Halbleiter-Cluster in der Region Honam mit bis zu fünf neuen Fabriken.

Hyundai Motor Group treibt derweil die Übernahme von Boston Dynamics voran – der koreanische Autobauer kauft die verbliebenen Anteile von SoftBank zurück. Parallel investiert Hyundai 9 Billionen Won in einen Roboter-Cluster in Saemangeum. Ab 2028 sollen 25.000 „Atlas"-Roboter in den eigenen Fabriken arbeiten. Die humanoiden Maschinen, deren Kamerasysteme von LG Innotek stammen, sollen unter 320.000 Dollar kosten.

Goldman Sachs rechnet damit, dass Südkorea bis 2035 rund 30 Prozent der weltweiten Komponenten für humanoide Roboter liefern könnte. Besonders gefragt sind sogenannte Aktuatoren – sie machen etwa die Hälfte der Materialkosten eines Roboters aus. Hier sehen Analysten einen natürlichen Vorteil für koreanische Zulieferer, die ihr Know-how aus der Automobilbranche einbringen können.

China beschleunigt die Kommerzialisierung

Während Südkorea auf langfristige Infrastruktur setzt, drückt China beim Tempo aufs Gaspedal. Morgan Stanley hat seine Prognose für die Auslieferungen chinesischer Roboter im Jahr 2026 auf 50.000 Einheiten verdoppelt. Der Markt in China soll 2026 bereits zwei Milliarden Dollar erreichen und bis 2030 auf 15 Milliarden Dollar anwachsen – bei jährlich 446.000 ausgelieferten Einheiten.

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Besonders stark sind chinesische Hersteller bei Spezialmotoren. Leadshine lieferte 2025 über 120.000 bürstenlose Torque-Motoren aus – ein Anstieg um das Zwanzigfache im Vergleich zum Vorjahr. Auch Step Electronics legte 2025 mit einem Umsatzplus von knapp 250 Prozent massiv zu. Die Regierung in Peking fördert die Branche mit Subventionen und günstigen Krediten, um die Produktion von „Embodied AI" voranzutreiben.

Übernahmen und neue Fabriken weltweit

Der Wettlauf um die Vorherrschaft treibt auch die Konsolidierung voran: Mobileye übernimmt Mentee Robotics für 900 Millionen Dollar. Das Start-up war im März 2025 noch mit 162 Millionen Dollar bewertet worden – ein klares Zeichen für die Dynamik des Marktes. Mentee soll als eigenständige Einheit weiterarbeiten und innerhalb von zwei Jahren Roboter für Logistik und Fabriken auf den Markt bringen.

International wächst die Produktionskapazität: Der südkoreanische Hersteller ROBOTIS baut derzeit eine 100-Millionen-Dollar-Fabrik für humanoide Roboter in Usbekistan. Das Werk in der Industriezone Yangi Avlod soll nach seiner Fertigstellung mehr als 2.000 Fachkräfte beschäftigen.

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Erste Pilotprojekte in Sicht

Mehrere Unternehmen nähern sich der Marktreife. Tesla arbeitet an der Optimus-Gen-2-Version, die bis Ende 2026 serienreif sein soll. Die Kosten pro Roboter werden auf 20.000 bis 30.000 Dollar geschätzt – ein Bruchteil dessen, was Konkurrenzmodelle kosten. Erste Pilotversuche in Teslas eigenen Fertigungslinien sollen innerhalb von 18 Monaten beginnen.

In Indien stellte Astro Robotics in Bangalore den Prototypen „Astro-Beta 2.0" vor. Noch in diesem Quartal sollen Tests in der Textil- und Automobilindustrie starten. Und das südkoreanische Wissenschaftsministerium finanziert ein Fünf-Jahres-Projekt mit 50 Milliarden Won: Das KIST will KI-Roboter in Krankenhäusern und Pflegeheimen testen – ausgestattet mit Festkörperbatterien von LG Energy Solution.

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