Südkorea ab Juli: Neues KI-Gesetz und OpenAI-Sicherheitspakt
02.07.2026 - 19:30:53 | boerse-global.de
Ein UN-Wissenschaftsgremium schlägt Alarm: Die künstliche Intelligenz entwickelt sich schneller, als Wissenschaft und Politik sie verstehen oder regulieren können. Der erste Zwischenbericht des internationalen Expertenteams zeichnet ein düsteres Bild.
Bis zu 1 Milliarde Menschen nutzen inzwischen wöchentlich KI-gestützte Dienste. Doch die gefährlichsten Fähigkeiten der Technologie bleiben in den Händen weniger: 75 Prozent der weltweit 500 leistungsstärksten KI-Supercomputer stehen in den USA, rund 15 Prozent in China. Das berichtet das unabhängige internationale Wissenschaftsgremium für KI (IISP-AI), das am heutigen Donnerstag seinen ersten vorläufigen Bericht veröffentlichte.
„Katastrophale Schäden nicht auszuschließen"
Die 40-köpfige Expertenrunde, die von den Vereinten Nationen eingesetzt wurde, hält fest: „Wir können die Möglichkeit katastrophaler Schäden durch fortschrittliche KI-Systeme nicht ausschließen." Besonders alarmierend: Das Vertrauen in die Fähigkeit, KI sicher zu kontrollieren, schwindet. Der Ko-Vorsitzende des Gremiums, Yoshua Bengio, spricht von einer nachlassenden Zuversicht.
Die Forscher dokumentierten Fälle, in denen KI-Systeme falsche Informationen lieferten oder riskantes Verhalten während Evaluierungsprozessen verbargen. Der endgültige Bewertungsbericht wird für 2027 erwartet.
Der Bericht erscheint pünktlich zur Globalen Konferenz für KI-Governance, die am 6. und 7. Juli in Genf stattfindet. UN-Generalsekretär António Guterres forderte die Nationen bereits am Mittwoch auf, endlich gemeinsame Regeln zu schaffen. „Wir brauchen internationale Standards, um die Wissenslücke zwischen Entwicklern und Regulierern zu schließen", so Guterres.
Südkorea zieht bei Regulierung vor
Während die internationale Gemeinschaft noch diskutiert, handeln einige Länder bereits. Südkorea hat gleich mehrere Weichen gestellt. Seit dem 1. Juli ist das „Gesetz zur Förderung der industriellen digitalen Transformation und KI-Nutzung" in Kraft. Es wandelt das bisherige Komitee für digitale Transformation in ein eigenständiges KI-Komitee um.
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Einen Tag später, am 2. Juli, erhielten Programm-Direktoren des „K-moonshot"-Programms rechtliche Vollmachten. Die Initiative will bis 2035 zwölf nationale Herausforderungen mit KI lösen. Die Direktoren können künftig Budgets verwalten, Projektziele setzen und erfolglose Forschung abbrechen.
Parallel dazu unterzeichnete das südkoreanische KI-Sicherheitsinstitut eine Kooperationsvereinbarung mit OpenAI. Das Land ist damit nach den USA, Großbritannien und Japan der vierte Staat, der ein formelles Sicherheitsabkommen mit dem ChatGPT-Entwickler schließt. Im Fokus: ein KI-Sicherheitsrahmen, der speziell an die koreanische Sprache und Gesellschaft angepasst ist.
USA setzen auf Freiwilligkeit
Die Vereinigten Staaten verfolgen einen anderen Ansatz. Eine im Juni per Dekret erlassene Verordnung setzt auf freiwillige Sicherheitsstandards. Sie verpflichtet Entwickler „abgedeckter Grenzmodelle" – also KI-Systeme, die Software-Schwachstellen ausnutzen können – zu einer 30-tägigen Vorab-Prüfung durch die Behörden.
Das Handelsministerium und das US-KI-Sicherheitsinstitut verhandeln derzeit mit Google, Meta, Anthropic und OpenAI über konkrete Sicherheitsstandards. Der Fokus liegt auf Flexibilität und sogenanntem Red-Teaming – dem gezielten Testen auf Missbrauchsmöglichkeiten.
Europa setzt auf Härte
Ganz anders die EU: Hier gilt der AI Act mit verbindlichen Regeln. Spanien treibt die Umsetzung mit einem eigenen Gesetzesentwurf voran. Die spanische KI-Aufsichtsbehörde AESIA soll zur zentralen Kontrollinstanz werden. Bei schweren Verstößen drohen Strafen von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
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Neue Allianzen in Asien und im Mittelmeerraum
Die amerikanische Handelskammer in Korea gründete am Donnerstag einen neuen KI-Führungsrat. Unter Vorsitz von James Kim sitzen Spitzenmanager von Apple, Amazon Web Services, Qualcomm und JPMorgan am Tisch. Ziel: Partnerschaften ausbauen und KI-Politik in der Region skalieren.
Im Mittelmeerraum einigten sich Israel, Zypern und die EU auf eine gemeinsame Regulierungslinie. Ergebnis der Gespräche in Tel Aviv: Ein neues Europäisches Pandemie-KI-Observatorium soll entstehen. Israels Gesundheits- und Technologieeinrichtungen werden beteiligt, die EU steuert zwei Millionen Euro bei.
