Sturzprävention: Deutschland und Österreich starten Welle neuer Programme
26.05.2026 - 20:18:13 | boerse-global.de
Die Initiativen verbinden gezielte Bewegung, soziale Teilhabe und moderne Technik – mit einem klaren Ziel: ältere Menschen länger fit und selbstständig halten.
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Bewegung als Schlüssel gegen Stürze und Demenz
In Dresden bietet die AWO-Beratungsstelle für Senioren ab heute ein spezielles Bewegungsprogramm an. Die Übungen kosten 4 Euro pro Einheit und finden bis zum 23. Juni immer dienstags statt. Im Fokus steht die Kräftigung der Muskulatur, die für die Stabilität im Alltag unerlässlich ist.
Der Seniorenbeirat in Ketsch startete bereits am Montag eine neue Rollator-Gruppe. Das Konzept: Gemeinsame Spaziergänge und gesellige Treffen. „Wir wollen die Hemmschwelle senken", erklären die Organisatoren. Wer mit Gehhilfe unterwegs ist, soll sich nicht verstecken müssen – sondern im Gegenteil neue soziale Kontakte knüpfen.
In Remseck beginnt im Dezember ein neuer Zyklus des Kurses „Sicher durchs Alter". Die Übungen in der Regental-Sporthalle in Aldingen kosten für Mitglieder 50 Euro, für Gäste 100 Euro. Der Fokus liegt auf Balance und Sturztechniken.
Bewegung schützt das Gehirn
Der Zusammenhang zwischen Sturzprävention und geistiger Fitness ist medizinisch belegt. Der Arzt Dietrich Grönemeyer verweist auf Erkenntnisse der Lancet-Kommission: Demnach ist jeder zweite Demenzfall potenziell vermeidbar – durch die Bekämpfung von 14 Risikofaktoren.
Zu den Hauptauslösern zählen Bewegungsmangel, Übergewicht und Diabetes, aber auch Sinneseinschränkungen wie Hörverlust und Sehschwäche. Regelmäßiger Sport, gesunde Ernährung und Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Brillen wirken demnach vorbeugend. Wer Koordination und Gleichgewicht trainiert, senkt nicht nur das Sturzrisiko – sondern stimuliert auch die kognitiven Funktionen.
Der Mülheimer Sportbund (MSB) bringt in diesem Jahr ein spezielles Programm auf den Weg: „Sport & Demenz trotz(t) Demenz". Alle zwei Wochen wechseln sich die Standorte Hildegardis- und Christophorus-Viertel ab. Geschulte Trainer passen die Übungen an die Bedürfnisse von Demenzkranken an – Bewegung als Mittel zur Lebensqualität.
Selbst Sitzgymnastik kann helfen. Experten empfehlen Übungen mit Musik, Handtüchern oder Bällen. Sogar „Rollator-Tanzen" gehört zum Repertoire, um auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu erreichen.
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Digitale Helfer für mehr Sicherheit
Die Volkshochschule Bochum startet am 28. Mai einen kostenlosen Smartphone-Kurs für Senioren. Fünf Termine lang lernen die Teilnehmer, wie sie mobile Technik nutzen – für Gesundheitsdienste und soziale Kontakte.
Das Projekt „hOma" bietet eine technische Lösung für mehr Sicherheit zu Hause. Mit einem Raspberry Pi und der Plattform Home Assistant lässt sich eine Zentrale für etwa 20 bis 30 Euro bauen. Das System warnt visuell, wenn jemand klingelt, das Telefon klingelt oder der Herd noch an ist. Weniger Stress bedeutet weniger Sturzrisiko.
In Rosbach vor der Höhe fährt der Bürgerbus jeden Dienstag zur örtlichen Kantine. Seit April 2025 wurde das Angebot deutlich ausgebaut. Bürgermeister Steffen Maar sieht darin eine wichtige Säule der Seniorenarbeit: günstige Mahlzeiten und regelmäßige soziale Kontakte.
Bayern setzt auf Präventions-Masterplan
Die strategische Bedeutung dieser Programme stand im Mittelpunkt einer regionalen Präventionskonferenz am Montag in Mitwitz (Bayern). Vorgestellt wurde der „Masterplan Prävention Bayern" – ein ehrgeiziges Rahmenwerk, das chronische Krankheiten reduzieren und die psychische Gesundheit fördern soll. Workshops und Gemeinschaftsinitiativen sind die zentralen Bausteine.
Ein Blick nach Österreich zeigt, was möglich ist. Im Burgenland haben seit 2022 über 4.800 Menschen an den „Gesundheitstagen" teilgenommen. Das spezielle Programm „Gesundheitstage 70 PLUS" startete 2024. Allein im vergangenen Jahr nahmen 1.762 Senioren teil – gegen einen Eigenbeitrag von 200 Euro für umfassende Checks und Beratungen.
Medikamente als zusätzlicher Schutz
Eine Metastudie vom Januar 2025 liefert weitere Erkenntnisse: Statine senken das Demenzrisiko um 14 Prozent, das Alzheimer-Risiko sogar um 28 Prozent – besonders bei LDL-Cholesterinwerten unter 70 mg/dL. Die stärkste Wirkung zeigte Rosuvastatin. Wer die Medikamente länger als drei Jahre einnimmt, reduziert das Demenzrisiko demnach um bis zu 63 Prozent. Die Forscher betonen jedoch: Statine können bestehende Demenz nicht heilen.
Ausblick: Yoga und Schulungen für Angehörige
Die Integration von Bewegung, sozialer Unterstützung und medizinischer Begleitung wird sich weiter etablieren. Ab dem 2. Juni startet in Groß-Gerau ein Hatha-Yoga-Kurs für Senioren über 60. Die Alzheimer- und Demenzgesellschaft Rüsselsheim bietet am 13. und 27. Juni Schulungen für Angehörige an – mit praktischen Tipps, rechtlichen Fragen und Informationen zu Versicherungen.
Die Programme in Mülheim und der bayerische Masterplan zeigen den Trend: weg von zentralen Einrichtungen, hin zu lokalen, niedrigschwelligen Angeboten. Mit Bewegung, Technik und Gemeinschaft entsteht ein Netz, das Senioren hilft, möglichst lange aktiv und unabhängig zu bleiben.
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