Stürze, Risikofaktoren

Stürze im hohen Alter: Zwei Risikofaktoren erhöhen Männergefahr um 134 Prozent

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 22:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine UC-Irvine-Studie verknüpft langsames Gehen und kognitive Einschränkungen bei Hochbetagten unterschiedlich stark mit Stürzen.

Sturzrisiko im hohen Alter: Gangtempo und Kognition wirken je nach Geschlecht unterschiedlich
Ein heller, minimalistischer Flur in einer Senioreneinrichtung mit einem barrierefreien Handlauf an der Wand. Illustration mit AI erstellt.

Stürze im hohen Alter stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und führen oft zu einem Verlust an Selbstständigkeit. Eine im September 2026 im Fachjournal GeroScience veröffentlichte Untersuchung der University of California, Irvine (UC Irvine) liefert neue Einblicke in die Zusammenhänge zwischen physischen sowie mentalen Fähigkeiten und der Sturzgefahr bei sehr alten Menschen.

Die Forscher analysierten dafür Daten aus der sogenannten „90+ Study“, um das Zusammenspiel von Ganggeschwindigkeit und kognitiven Einschränkungen zu untersuchen.

Deutliche Geschlechterunterschiede bei den Risikofaktoren

Die Auswertung der UC Irvine stützt sich auf 1.099 Teilnehmende mit einem Durchschnittsalter von 93,2 Jahren, darunter 749 Frauen und 350 Männer. Die Probanden wurden in halbjährlichen Abständen untersucht.

Als langsamer Gang galt in der Analyse eine Geschwindigkeit von unter 0,56 Metern pro Sekunde bei Frauen beziehungsweise unter 0,69 Metern pro Sekunde bei Männern (DOI: 10.1007/s11357-026-02516-0).

Dabei traten markante Unterschiede zwischen den Geschlechtern zutage. Bei den untersuchten Frauen erhöhte ein verlangsamtes Gangtempo das Sturzrisiko allein um 33 Prozent. Lag zusätzlich eine kognitive Beeinträchtigung vor, stieg das Risiko um 35 Prozent. Eine kognitive Beeinträchtigung allein wies bei den teilnehmenden Frauen hingegen keinen statistisch signifikanten Einfluss auf das Sturzgeschehen auf.

Bei den männlichen Probanden stellten die Wissenschaftler stärkere Effekte fest. Ein langsamer Gang allein war bei den Männern mit einem um 70 Prozent höheren Sturzrisiko verbunden. Eine alleinige kognitive Beeinträchtigung steigerte die Wahrscheinlichkeit um 75 Prozent. Kamen beide Faktoren zusammen, erhöhte sich das Sturzrisiko bei den Männern um 134 Prozent im Vergleich zu Altersgenossen ohne entsprechende Defizite.

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Medikamente und Gebrechlichkeit als zusätzliche Faktoren

Die Resultate ergänzen Erkenntnisse weiterer wissenschaftlicher Erhebungen zur Sturzgefahr im Alter. So zeigte die Längsschnittstudie „Gesundheit 65+“ im Bundesgesundheitsblatt (DOI: 10.1007/s00103-026-04290-y), die auf einer Befragung von Juni 2021 bis April 2023 mit 3.694 älteren Menschen – darunter 1.742 Personen ab 80 Jahren – basiert, dass in Deutschland fast jeder zweite Mensch ab 80 mindestens einmal im Jahr stürzt.

Die Publikation verdeutlichte zudem, dass eine häufige Verordnung sogenannter FRID-Medikamente (Fall-Risk-Increasing Drugs) mit einer erhöhten Sturzgefahr bei Hochbetagten einhergeht. Diese Arzneien können demnach eine krankheitsbedingte Gebrechlichkeit weiter verstärken.

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Relevanz für Prävention und Diagnostik

Die Messung des Gangtempos erweist sich vor dem Hintergrund der Studienergebnisse als praxisnaher Indikator zur frühzeitigen Identifikation gefährdeter Personen. Da Einschränkungen im Bewegungsablauf und kognitive Einbußen bei hochbetagten Männern und Frauen ungleiche Auswirkungen zeigen, gewinnen differenzierte Vorsorgestrategien in der geriatrischen Praxis zunehmend an Bedeutung.

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