Stürze, DGOU

Stürze ab 80: DGOU nennt fünf Maßnahmen gegen schwere Verletzungen

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
DGOU empfiehlt Training, sichere Wohnräume und umsichtiges Gehen, um Stürzen im Alter vorzubeugen.
Ein regennasser Gehweg im Herbst mit herabgefallenem Laub und einem metallenen Handlauf bei einsetzender Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Für Menschen ab 80 Jahren stellen Stürze aus niedriger Höhe die häufigste Ursache für schwere Verletzungen dar. Sie fordern in dieser Altersgruppe mehr schwerwiegende Unfallfolgen als der Straßenverkehr.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) verstärken die Bedingungen im Herbst das Unfallrisiko deutlich: Zunehmende Dunkelheit, häufiger Regen und rutschiges Laub auf Gehwegen schaffen Gefahrenquellen im Alltag.

Besondere Risiken und typische Verletzungsmuster

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, deren Muskelkraft, Reaktionsvermögen und Gleichgewichtssinn nachlassen, sowie Personen mit einer vorliegenden Osteoporose. Bei Stürzen mit geringer Krafteinwirkung – sogenannten Niedrigenergietraumata – betreffen die typischen Verletzungen vor allem den hüftnahen Oberschenkel, das Becken, den Oberarm, die Wirbelsäule sowie den Kopf.

Neben den Witterungsbedingungen tragen auch gesundheitliche Faktoren zum Risiko bei. Fachleute zählen hierzu Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, orthostatische Hypotonie, Herzklappenkrankheiten sowie chronische Leiden wie COPD oder Anämie.

Zudem können Nervenschädigungen wie eine Polyneuropathie, Sehstörungen, Fehl- oder Mangelernährung sowie Probleme im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt das Gleichgewicht stören. Auch die Nebenwirkungen oder fehlerhafte Dosierungen von Medikamenten gelten als häufige Auslöser für Stürze.

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Fünf Kernmaßnahmen zur Sturzvermeidung

Um das Unfallrisiko zu senken, empfiehlt die DGOU fünf zentrale Maßnahmen:

  1. Gezieltes Training: Regelmäßige Übungen stärken die Muskelkraft, die Koordination und das Gleichgewicht.
  2. Beleuchtung und Halt: Treppenaufgänge, Flure und Eingangsbereiche sollten gut ausgeleuchtet sein; Handläufe bieten zusätzlichen Halt.
  3. Geeignetes Schuhwerk: Rutschhemmende Sohlen verringern das Ausgleiten auf glatten Flächen.
  4. Medizinische Kontrolle: Die regelmäßige Überprüfung der Sehkraft und des aktuellen Medikamentenplans hilft, körperliche Ursachen frühzeitig zu minimieren.
  5. Vorausschauendes Gehen: Bei Dunkelheit, Nässe oder liegendem Laub sollte mehr Gehzeit eingeplant und bei Bedarf eine Gehhilfe genutzt werden.

Anpassungen im Wohnumfeld und Unterstützung durch Kassen

Zahlreiche Stürze ereignen sich im unmittelbaren häuslichen Umfeld. Lose Teppiche, frei liegende Kabel, im Weg stehende Schuhe sowie eine unzureichende Beleuchtung auf dem nächtlichen Weg zur Toilette stellen erhebliche Gefahren dar.

Bereits einfache Anpassungen können die Sicherheit verbessern. Feste Haltegriffe in Dusche und neben der Toilette, Badewannenlifte, Anziehhilfen oder Greifzangen erleichtern die Alltagsbewegungen.

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Für eine fachgerechte Installation bieten Pflegekassen unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Unterstützung für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Liegt ein anerkannter Pflegegrad vor, unterstützt der Medizinische Dienst (MDK) bei der Begutachtung der häuslichen Gegebenheiten und der Planung notwendiger Umbauten.

Eigenverantwortung im öffentlichen Raum

Außerhalb der eigenen vier Wände müssen sich Fußgänger darauf einstellen, dass Gehwege im Herbst nicht durchgängig frei von Laub sind. Gerichte wie das Oberlandesgericht Hamm und das Landgericht München I stellten in Urteilen klar, dass Kommunen und Verkehrsbetreiber keine Pflicht zur lückenlosen und ständigen Beseitigung von Herbstlaub trifft.

Reinigungspflichten richten sich nach dem tatsächlichen Anfall und erfordern keine permanente Beseitigung. Kommt es zu einem Sturz, tragen Betroffene die Beweislast für Pflichtverletzungen der Verantwortlichen, zudem droht bei erkennbaren Witterungsrisiken die Anrechnung eines erheblichen Mitverschuldens. Entsprechend wichtig bleibt die eigene Vorsicht im öffentlichen Raum.

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