Studium ohne Abitur: Über 10.270 Berufstätige eingeschrieben
11.06.2026 - 19:20:04 | boerse-global.de
Immer mehr Menschen in Deutschland und Österreich beginnen ein Studium ohne allgemeine Hochschulreife. Aktuelle Zahlen und neue Programme zeigen: Der Trend zu flexiblen Bildungswegen nimmt massiv Fahrt auf.
Über 10.000 Studierende ohne Abitur
Die Entwicklung ist deutlich: 2024 waren bundesweit über 10.270 beruflich Qualifizierte ohne Abitur eingeschrieben. An der AKAD University zeigt sich eine nahezu ausgeglichene Geschlechterverteilung – Frauenanteil: 52,9 Prozent. Die beliebtesten Fächer? Sozialwesen liegt mit 30,4 Prozent vorn, gefolgt von den Wirtschaftswissenschaften mit 25,9 Prozent.
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Die Voraussetzungen für diesen Quereinstieg sind klar definiert: eine abgeschlossene, mindestens zweijährige Berufsausbildung plus drei Jahre Berufserfahrung. Alternativ bieten viele Hochschulen ein Probestudium an, um die akademische Eignung festzustellen.
Neue Angebote für Gesundheits- und Sozialberufe
Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich der Medizinalfachberufe. Die DIPLOMA Hochschule bietet Bachelorstudiengänge wie Physician Assistant an – gezielt für Pflegefachkräfte. Die Studiengänge dauern fünf bis sechs Semester, Start ist jeweils im April und Oktober. Die Seminare laufen überwiegend digital.
An der Fachhochschule Potsdam startete im Juni 2026 ein neues Angebot in der Kindheitspädagogik. Erstmals in Brandenburg gibt es dort ein duales Modell: Die Studierenden sind fest in einer Kita angestellt und erhalten eine monatliche Vergütung. Auch die Psychologie hat ihr Angebot erweitert: Die SRH Fernhochschule führt mittlerweile 14 verschiedene Studiengänge – von Wirtschafts- über Gesundheits- bis hin zur klinischen Psychologie.
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Demografischer Wandel zwingt Hochschulen zum Umdenken
In Nordrhein-Westfalen sorgt der Wechsel von G8 zu G9 für ein Problem: 2026 fehlt ein regulärer Abiturjahrgang. Die Hochschulen reagieren. Die Universität Paderborn wirbt verstärkt mit dem Projekt „Studieren vor dem Abi“. Schüler können bereits ab der neunten Klasse am regulären Lehrbetrieb teilnehmen. Die Bewerbungsphase für das Wintersemester 2026/27 startete bereits im Juni.
Parallel rücken Teilqualifikationen (TQ) in den Fokus. Die Industrie- und Handelskammern in NRW teilen Berufe in einzelne Bausteine. Für Elektroniker in der Energie- und Gebäudetechnik wurde im Juni 2026 ein TQ-Set mit sieben Modulen veröffentlicht. Wer alle abschließt, kann zur Externenprüfung vor der Kammer antreten.
Reformen in Hessen und Österreich
Auch die Politik zieht nach. In Hessen beschloss der Landtag im Juni 2026 eine Schulgesetz-Reform. Kernstück: eine neue „Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung“ ab dem Schuljahr 2027/2028. Jährlich sollen so über 12.000 Schüler eine intensivere Berufsorientierung erhalten.
Österreich geht einen anderen Weg: Zum 8. Juni 2026 ersetzte die neue Weiterbildungszeit die bisherige Bildungskarenz. Die Hürden sind höher: zwölf Monate Vollbeschäftigung und mindestens 20 Wochenstunden Weiterbildung sind Pflicht. Das BFI Tirol bietet dafür verkürzte Wege zur Matura an – drei Fächer in zehn Monaten, in einer Tagesvariante.
Die Universität Oldenburg startet im Oktober 2026 ein berufsbegleitendes Format für digitale Infrastruktur. Der Zeitaufwand: fünf bis acht Stunden pro Woche. Die Botschaft ist klar: Bildungsbiografien werden flexibler – und das über den gesamten Berufsverlauf hinweg.
