Stressbedingte, Krankschreibungen

Stressbedingte Krankschreibungen: 119 Tage je 100 Versicherte 2025

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 12:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Belastungen verursachen 2025 bei der KKH so viele Fehltage wie nie zuvor. Experten fordern klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit.

Stressbedingte Krankschreibungen erreichen 2025 neuen Höchststand
Erschöpfte Person am Schreibtisch in einem modernen Büro bei nächtlicher Beleuchtung durch einen Laptopbildschirm. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl stressbedingter Krankschreibungen steigt rasant. 2025 verzeichnete die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) einen neuen Höchststand: Rund 119 Krankentage je 100 Versicherte entfielen auf Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 112 Tagen – 2017 waren es lediglich 66.

Belastungsreaktionen sind die häufigste psychische Diagnose

Die Fallzahlen bei der KKH stiegen von 19.658 (2017) auf 33.425 (2025). Damit sind Belastungsreaktionen inzwischen die häufigste psychische Einzeldiagnose und der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen insgesamt. Andere Kassen bestätigen den Trend: Die DAK meldete für 2024 sogar 342 Fehltage je 100 Beschäftigte aufgrund psychischer Erkrankungen.

Seit 2017 sind die Ausfallzeiten durch Stressdiagnosen um rund 80 Prozent gestiegen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht.

Digitale Erreichbarkeit als Stress-Treiber

Mediziner und Arbeitsmarktforscher sehen die Ursachen in der modernen Arbeitsweise. Hohes Arbeitspensum, Überstunden, Existenzängste und Konflikte im Job strapazieren die emotionale Belastbarkeit. Besonders das mobile Arbeiten mit Laptop und Smartphone verwischt die Grenze zwischen Beruf und Freizeit – die sogenannte Arbeitszeitfragmentierung.

Eine Eurofound-Studie vom Juni 2026 zeigt die Dimension auf europäischer Ebene: Etwa jeder fünfte Beschäftigte in der EU wird mehrmals pro Monat nach Feierabend kontaktiert. Die Folgen sind messbar: 59 Prozent der regelmäßig kontaktierten Mitarbeiter fühlen sich gestresst – bei nie kontaktierten sind es nur 17 Prozent.

Anzeige

Die Zahl stressbedingter Krankschreibungen steigt rasant – 2025 verzeichnete die KKH rund 119 Krankentage je 100 Versicherte. Für HR-Verantwortliche wird es teuer: psychische Fehltage kosten Zeit und Geld. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie mit festen Arbeitszeiten und klaren digitalen Grenzen die Belastung in Ihrem Team senken. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern

Unbezahlte Überstunden und hohe Kosten

Das Problem hat auch eine ökonomische Seite. In Großbritannien leisteten Beschäftigte schätzungsweise 3,5 Millionen unbezahlte Überstunden – ein Gegenwert von rund 28,5 Milliarden Pfund. Die Schweiz meldet ähnliche Erschöpfungszustände: 30,3 Prozent der Erwerbstätigen gelten dort als emotional erschöpft, was Kosten von rund 6,5 Milliarden Franken verursacht.

Mehrere europäische Länder – darunter Frankreich, Italien, Belgien, Spanien und Portugal – haben deshalb bereits ein gesetzliches Recht auf Abschalten eingeführt. In Deutschland bleibt die Debatte kontrovers.

Vier-Tage-Woche als Lösung?

Die Diskussion um Arbeitszeitmodelle wie die Vier-Tage-Woche spaltet die Experten. Eine Stress-Expertin warnt: Eine Reduzierung der Arbeitstage führe nicht zwangsläufig zu weniger Burnout. Oft werde versucht, 100 Prozent der Leistung in 80 Prozent der Zeit zu erbringen – das erhöhe den Druck eher noch.

Anzeige

Mehrere europäische Länder haben bereits ein Recht auf Abschalten eingeführt – in Deutschland bleibt die Debatte kontrovers. Doch Sie können jetzt handeln: Dieser Report liefert konkrete Maßnahmen gegen die Arbeitszeitfragmentierung, die nachweislich Stress verursacht. Leitfaden gegen Arbeitszeitfragmentierung sichern

Bemerkenswert: Die vertragliche Wochenarbeitszeit in Deutschland sank seit 1991 von 38,4 auf 34,3 Stunden. Die psychisch bedingten Fehltage stiegen dennoch in den letzten zehn Jahren um 52 Prozent.

Fachleute raten zu festen Arbeitszeiten, konsequentem Abschalten digitaler Geräte und klaren Strukturen im Alltag. Auch die Erzdiözese Freiburg wies Anfang August auf die zunehmende Erschöpfung in weiten Teilen der Gesellschaft hin. Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell die Arbeitswelt reagiert.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69912879 |