Stress-Forschung: Kontrollverlust macht krank, nicht Stadtleben
30.05.2026 - 19:18:10 | boerse-global.de
Kommunen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen entwickeln immer spezifischere Lösungen.
Kreisverwaltung Mainz-Bingen startet Resilienz-Programm
Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen hat Ende Mai ihr Programm „Im Gleichgewicht bleiben“ vorgestellt. Workshops zu Resilienz und psychischem Wohlbefinden richten sich an Beschäftigte und Führungskräfte. Das Gesundheitsmanagement des Kreises wird seit 2020 kontinuierlich ausgebaut – 2025 nutzten rund 500 Mitarbeitende die Angebote.
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Butzbach setzt auf Kneipp und Gesundheitsroute
Die Stadt Butzbach verfolgt einen gesundheitstouristischen Ansatz. Ein Teilprojekt ist eine Gesundheitsroute mit 15 Stationen und einer beglebietenden App. Die Gesamtkosten: 140.000 Euro, davon 63.700 Euro EU-Förderung. Landrat Jan Weckler übergab den Bewilligungsbescheid Ende Mai.
Die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald plant für Mitte Juni ein Web-Seminar für Führungskräfte. Thema: Stress im handwerklichen Umfeld.
Was wirklich krank macht: Kontrollverlust statt Stadtleben
Der Stressforscher Professor Adli erklärte Ende Mai in einem Fachgespräch: Nicht die Dichte oder Reize des Stadtlebens machen krank. Entscheidend ist das Gefühl eines dauerhaften und unvorhersehbaren Kontrollverlusts. Stress wird dann gesundheitsschädlich, wenn er als unkontrollierbar empfunden wird.
Eine Langzeitstudie im Journal of Affective Disorders wertete Daten von über 460.000 Personen über 13 Jahre aus. Ergebnis: Moderater Kaffeekonsum von zwei bis drei Tassen täglich könnte das Risiko für Stress- und Stimmungserkrankungen senken. Ab fünf Tassen ist kein zusätzlicher Vorteil messbar.
Neue Beratungsstellen für Kinder und Jugendliche
In Zittau wurde im April eine Beratungsstelle für die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen eröffnet. Das Sozialministerium fördert das Projekt 2026 mit 265.000 Euro. Ziel: Frühzeitig auf Auffälligkeiten reagieren, bevor stationäre Behandlung nötig wird.
Daniel Illy, Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Asklepios Klinikum Brandenburg an der Havel, bezeichnete Safe-Space-Apotheken Ende Mai als wichtige Übergangslösung bei fehlenden Therapieplätzen.
Digital ergänzt der HOLi Social Health Hub das Angebot mit Online-Workshops zu Emotionsregulation oder Bewegung ohne Leistungsdruck. Finanziert wurde das Angebot unter anderem durch ein Crowdfunding im Februar 2024 – mit 32.000 Euro.
Arbeitszeitwunsch: Mehr als die Hälfte will kürzer arbeiten
Der DGB-Index Gute Arbeit aus einer Befragung von 2025 unter fast 7.000 Beschäftigten zeigt: 53 Prozent wünschen sich kürzere Arbeitszeiten. Besonders Väter (63 Prozent) und Mütter (43 Prozent) äußerten diesen Wunsch. Ein Drittel der Befragten mit Betreuungspflichten berichtet über regelmäßige Vereinbarkeitsprobleme.
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Der IW-Arbeitsklima-Index von Ende Mai 2026 zeigt eine geteilte Wahrnehmung: 70 Prozent der Beschäftigten bewerten ihre Arbeitsplatzmerkmale positiv. Doch die Unterschiede zwischen stabilen und krisenbehafteten Unternehmen sind deutlich.
Ein oft unterschätzter Faktor für Mitarbeiterbindung: die Wechseljahre. Zum Frauengesundheitstag Ende Mai machten Experten darauf aufmerksam, dass jede zehnte Frau ihren Job wegen Wechseljahresbeschwerden kündigt. Das Thema bleibt am Arbeitsplatz weiterhin tabuisiert.
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