Stottern, Schlaganfall

Stottern nach Schlaganfall: Jennifer Springer berichtet von ihrem Alltag

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Stottern betrifft rund ein Prozent der Bevölkerung; Therapie und Selbsthilfe können Symptome lindern und den Umgang erleichtern.
Symbolbild: Parkbank unter einem blühenden Baum Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Welttags des Stotterns thematisieren Medienberichte die Lebensrealität betroffener Personen und beleuchten dabei auch weniger bekannte Formen wie das erworbene Stottern nach Schlaganfällen im Alter. Der seit 1998 begangene Aktionstag verfolgt das Ziel, gesellschaftliche Vorurteile und bestehende Tabus rund um Redeflussstörungen abzubauen.

Verbreitung und biologische Ursachen von Redeflussstörungen

Nach Angaben der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. stottert rund 1 Prozent der Weltbevölkerung, was in Deutschland mehr als 800.000 Menschen betrifft. Der Stottertherapeut Ronny Boey schätzt die weltweite Zahl auf 60 Millionen Betroffene.

In der Schweiz leben nach Erhebungen der Vereinigung für Stotternde und Angehörige (Versta) fast 92.000 Betroffene, was ebenfalls rund 1 Prozent der Bevölkerung entspricht. Ein Luzerner Logopäde weist darauf hin, dass rund 5 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens vorübergehend stottern, die Symptome jedoch bei etwa 1 Prozent der Erwachsenen fortbestehen.

Meist setzt die Störung im Alter von drei bis sechs Jahren ein. Joachim Haas, Leiter der Stotterer-Selbsthilfegruppe Gießen, verweist darauf, dass 80 Prozent der betroffenen Kinder die Symptome während der Pubertät verlieren.

Die genauen Ursachen gelten wissenschaftlich als nicht vollständig geklärt. Experten verweisen auf Veränderungen im Gehirn und genetische Faktoren. Laut Ronny Boey beruht das Stottern auf einer gestörten Signalübertragung zwischen dem Gehirn und den Sprechmuskeln.

Wenn ein Elternteil stottert, liege die Wahrscheinlichkeit für das Kind um das Drei- bis Fünffache höher. Zudem könnten Emotionen wie Aufregung, Stress oder Müdigkeit die Symptome verstärken, während auch das Hormon Testosteron den Schweregrad beeinflussen könne.

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Erworbenes Stottern und Herausforderungen im Alltag

Während Stottern überwiegend im Kindesalter auftritt, kann die Sprechstörung auch im späteren Leben plötzlich auftreten, beispielsweise infolge neurologischer Ereignisse. Die Betroffene Jennifer Springer stottert seit einem Schlaganfall vor drei Jahren. Sie berichtet über körperliche Begleiterscheinungen wie starke Anspannungen im Schulter-, Nacken- und Kieferbereich.

Unter dem Namen „Stotter-Otter“ berichtet sie auf Instagram über ihre Erfahrungen und verfasste ein Buch. Sie studiert Lehramt für Deutsch und Erdkunde, absolviert ein Praxissemester an einer Gesamtschule in Köln und nimmt parallel an der Bonner Stotter-Therapie teil.

Springer schildert wiederkehrende Vorurteile im sozialen Umfeld, etwa die unzutreffende Annahme anderer Personen, stotternde Menschen seien weniger intelligent.

Therapiemöglichkeiten und die Bedeutung von Selbsthilfegruppen

Stottern gilt nicht als vollständig heilbar, jedoch lassen sich die Symptome durch logopädische Therapien und gezielte Sprechtechniken lindern. Fachleute und Organisationen wie Versta betonen für den Alltag einfache Verhaltensregeln im Gespräch: Geduldiges Zuhören, das Halten von Blickkontakt sowie der Verzicht darauf, Sätze voreilig zu vervollständigen. Betroffene sollten sich die eigene Redezeit einfordern.

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Viele Betroffene erleben nach einem Schlaganfall nicht nur das Stottern selbst, sondern auch Unwissen und Vorurteile im Umfeld — etwa die falsche Annahme, sie seien weniger leistungsfähig. Diese Checkliste für Gesprächsregeln hilft Ihnen, solche Situationen vorzubereiten und im Gespräch Haltung zu zeigen. Checkliste für Gesprächsregeln sichern

Einen weiteren zentralen Pfeiler der Bewältigung bilden Selbsthilfegruppen, wie etwa in Münster oder in Gießen, wo sich die Gruppe regelmäßig in der Friedrichstraße trifft. Die Logopädin Dorothea Beckmann bestätigt den hohen Nutzen dieser Angebote; sie selbst habe ihre Redeflussstörung unter anderem durch zwei Stottertherapien, Psychotherapie, Gesangsunterricht und die Anbindung an die Selbsthilfeszene bewältigen können.

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