Stoffwechsel-Score, Blutmarker

Stoffwechsel-Score: Zehn Blutmarker sollen Erkrankungen um 14 Jahre verzögern

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Preventomed bietet ein privates Vorsorgeprofil an; Forschungsscores sind noch nicht als verlässliche Gesundheitsprognosen belegt.
Moderne, minimalistische Laborumgebung mit medizinischen Glasgefäßen auf einer sauberen Arbeitsfläche. Illustration mit AI erstellt.

Das Interesse an präventiver Diagnostik und individueller Gesundheitsvorsorge wächst stetig. Im Zentrum stehen zunehmend Laboranalysen, die über herkömmliche Routine-Check-ups hinausgehen und frühzeitig Risikofaktoren für altersbedingte Erkrankungen identifizieren sollen.

Seit dem 1. Oktober bietet Preventomed, eine Marke von „Ihr Labor“, ein solches Vorsorgepaket unter der Bezeichnung Longevity-Test an. Das Angebot ist unter anderem im Laboratorium Bruckneudorf verfügbar.

Umfang und Grenzen kommerzieller Langlebigkeitstests

Das Testprofil von Preventomed gliedert sich in sieben physiologische Bereiche: Herz, Gefäße, Entzündungsprozesse, Stoffwechsel, Leber, Niere sowie das oxidative Gleichgewicht. Dabei werden unter anderem Biomarker wie das hochempfindliche C-reaktive Protein (hsCRP) und Apolipoproteine analysiert. Nach der Blutabnahme liegt das Ergebnis nach zwei bis drei Arbeitstagen vor.

Der Test richtet sich an gesunde Erwachsene ab 18 Jahren und kostet 149 Euro. Da es sich um eine reine Privatleistung handelt, erfolgt keine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen. Neben dem Longevity-Profil führt der Anbieter zudem einen Cortisol-Test mit Tagesprofil zur Ermittlung der individuellen Stressbelastung.

Gleichzeitig definiert das Unternehmen die Grenzen des Verfahrens: Der Test kann weder das exakte biologische Alter ermitteln noch verlässliche Vorhersagen über die gesunde Lebensdauer treffen.

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Wissenschaftliche Scores und kardiometabolische Risiken

Auf wissenschaftlicher Ebene arbeiten Forschungseinrichtungen an noch detaillierteren metabolischen Signaturen. Forscher des Leiden University Medical Center (LUMC) und des Kölner Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns stellten auf der FAPESP Week Netherlands einen metabolischen Gesundheits-Score vor. Dieser basiert auf zehn Blutmarkern, die aus ursprünglich über 200 gemessenen Substanzen herausgefiltert wurden. Die Entwicklung stützt sich auf Blutproben von 44.000 Freiwilligen aus zwölf europäischen Studien mit 5.500 erfassten Todesfällen.

Nach Angaben des Forschers Joris Deelen entspricht ein Anstieg um einen Punkt auf dieser Skala im Durchschnitt einer Verzögerung der ersten kardiometabolischen Erkrankung – wie Typ-2-Diabetes, Schlaganfall oder Herzinfarkt – um 14 Jahre.

Ein höherer Score signalisiert dabei einen besseren Zustand. Die Auswertung ergab zudem, dass der Wert zu 40 Prozent genetisch und zu 60 Prozent durch Umwelt- und Lebensstilfaktoren bestimmt wird.

Rauchen stellte sich als größter negativer Faktor heraus, während körperliche Aktivität den Score positiv beeinflusst. Gezielte Lebensstil-Interventionen senkten Triglyceride und Nüchterninsulin allerdings nur bei Teilnehmern signifikant, deren Ausgangswert unter dem Durchschnitt lag.

Deelen verwies zudem darauf, dass rund 60 Prozent der Menschen über 65 Jahren mit zwei oder mehr chronischen Erkrankungen leben, wobei die gesunde Lebenserwartung in dieser Altersgruppe in Europa stark divergiert: Sie liegt in Rumänien bei rund vier Jahren und in den Niederlanden bei zehn Jahren.

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Die Rolle von Biomarkern in der ärztlichen Einschätzung

In der medizinischen Praxis gelten komplexe Scores zur Bestimmung des biologischen Alters bisher primär als Instrumente der Forschung. Bislang fehlen Nachweise darüber, dass eine gezielte Verbesserung solcher Score-Werte unmittelbar zu einem besseren Gesundheitszustand führt.

Eine 2025 im Fachjournal Nature Aging veröffentlichte Untersuchung an 39 Alterungs-Biomarkern und über 20.000 Personen zeigte zudem keine statistisch signifikante Korrelation zwischen der Vorhersagegenauigkeit des kalendarischen Alters und dem tatsächlichen Sterberisiko.

Während Modelle wie die Horvath-Uhr das Alter am genauesten abbildeten, wies der Algorithmus GrimAge2 die stärkste Verknüpfung mit Mortalität und gesunder Lebensspanne auf.

Mediziner verweisen bei der kardiovaskulären Risikobewertung weiterhin auf etablierte Basisdaten: Blutdruck, Blutzucker beziehungsweise der HbA1c-Wert, Cholesterinspiegel, Familienanamnese sowie Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Bewegung bilden das Fundament.

Weiterführende apparative Methoden wie Echokardiografie, Belastungstests oder CT-Koronarangiografien sollten hingegen gezielt anhand von Symptomen und individuellem Risikoprofil erfolgen.

Auch bei bildgebenden Verfahren mahnen Fachleute zur Einordnung: Eine systematische Übersichtsarbeit in European Radiology aus dem Jahr 2025 ergab bei Ganzkörper-MRT-Untersuchungen von 9.024 beschwerdefreien Teilnehmern eine bestätigte Krebsentdeckungsrate von rund 1,57 Prozent – Belege für ein verlängertes Überleben durch solche Screenings liegen bislang nicht vor.

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