Stimmklonung kostet Hongkonger 10 Millionen Dollar
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 17:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Polizei in der indischen Metropole Hyderabad hat eine offizielle Warnung vor einer neuen Form des Social Engineering herausgegeben. Kriminelle Akteure nutzen demnach verstärkt Plattformen wie Instagram und den Nachrichtendienst Telegram, um Opfer mit sogenannten „Rent Boyfriend“-Angeboten zu täuschen. Bei dieser Masche setzen die Täter auf künstliche Intelligenz (KI), um realistische Fotos für gefälschte Profile zu erstellen.
Nach Angaben der Sicherheitsbehörden locken die Betrüger ihre Zielpersonen mit dem Versprechen bezahlter Begleitung. Im weiteren Verlauf fordern sie Vorauszahlungen für die Dienste. Sobald eine Kommunikation etabliert ist, gehen die Täter häufig zu Erpressungsversuchen über. Diese Entwicklung markiert eine neue Stufe der digitalen Kriminalität, bei der technologische Fortschritte im Bereich der Bildgenerierung gezielt zur Manipulation eingesetzt werden.
Globale Zunahme von KI-gestütztem Identitätsdiebstahl
Das Phänomen der KI-gestützten Täuschung beschränkt sich nicht nur auf soziale Netzwerke. In Hongkong wurde kürzlich ein Fall bekannt, bei dem ein Mann 10 Millionen Hongkong-Dollar (etwa 1,27 Millionen US-Dollar) verlor. Betrüger nutzten hier eine KI-basierte Stimmklonung über den Messengerdienst WhatsApp, um die Stimme seines Vaters zu imitieren. Unter dem Vorwand einer dringenden finanziellen Notlage wurde das Opfer zu mehreren Überweisungen bewegt. Die Polizei rät in diesem Zusammenhang zur Vereinbarung von Codewörtern innerhalb der Familie und zu unabhängigen Verifikationsschritten.
Auch in Malaysia berichten Behörden von ähnlichen Vorfällen. Eine 31-jährige Angestellte überwies insgesamt 970.000 Malaysische Ringgit auf Konten von Betrügern, nachdem diese sich über WhatsApp als ihr Firmenmanager ausgegeben hatten. Die Täter hatten zuvor das Mobiltelefon des Managers gehackt, um die gefälschten Anweisungen glaubwürdig erscheinen zu lassen.
Industrielle Strukturen und hohe finanzielle Schäden
Die Dimensionen dieser Betrugsoperationen nehmen laut Einschätzung von US-Behörden industrielle Ausmaße an. Zeugenaussagen zufolge betreiben chinesisch-stämmige kriminelle Gruppen großflächige Zentren für Online-Betrug in Ländern wie Burma, Kambodscha und Laos. Für das Jahr 2025 bezifferten US-Stellen die Verluste amerikanischer Bürger durch derartige Maschen auf 12,5 Milliarden US-Dollar, was einer Verdreifachung gegenüber dem Jahr 2023 entspricht. Als Reaktion wurden bereits Visabeschränkungen verhängt und eine Kontaktgruppe aus 13 Ländern gebildet.
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In Deutschland konnten Ermittlungsbehörden im Juli einen Erfolg gegen die Infrastruktur solcher Netzwerke erzielen. Über 200 Server der Phishing-as-a-Service-Plattform „Kratos“ (auch bekannt als SneakyLog) wurden beschlagnahmt. Die Plattform ermöglichte es Abonnenten, monatlich rund 15.000 Phishing-Kampagnen gegen Microsoft-365-Nutzer durchzuführen. Dabei wurden Sitzungscookies gestohlen, um die Multifaktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen.
Spezialisierte Angriffe auf Fachkräfte und Institutionen
Neben Breitbandangriffen beobachten Experten auch hochgradig personalisierte Kampagnen. Die nordkoreanische Gruppe „Famous Chollima“ führt derzeit eine sogenannte „ClickFake“-Kampagne durch, die sich gezielt gegen Experten im Web3-Sektor richtet. Über LinkedIn, Telegram und Discord werden vermeintliche Jobangebote verbreitet, die Schadsoftware wie „PylangGhost“ auf die Rechner der Opfer schleusen, um Daten aus Krypto-Wallets zu entwenden.
In Singapur warnt die Polizei zudem vor Phishing-Versuchen via iMessage. Dabei geben sich die Absender als Behörden- oder Gerichtsmitarbeiter aus und behaupten, es lägen Verkehrsverstöße oder unbezahlte Parkgebühren vor. Links in den Nachrichten führen auf gefälschte Regierungsseiten, deren Ziel der Diebstahl von Bankdaten ist.
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Ermittlungserfolge und Herausforderungen der Strafverfolgung
Trotz der zunehmenden Komplexität verzeichnen lokale Behörden regelmäßig Festnahmen. Die Cybercrime-Polizei in Hyderabad gab bekannt, dass im Juli 49 Personen aus 15 Bundesstaaten im Zusammenhang mit 25 Betrugsfällen verhaftet wurden. Dabei konnten rund 98,89 Lakh Rupien gesichert werden, während sich der Gesamtschaden in diesen Fällen auf 13,87 Crore Rupien belief. In Bangkok verhaftete die Polizei zudem vier vietnamesische Staatsangehörige, die als angebliche Telekom-Mitarbeiter ein Opfer um 200.000 Baht betrogen hatten.
Dennoch bleibt die Strafverfolgung schwierig. In der malaysischen Region Kelantan beklagt die Polizei eine Anklagequote von unter 10 Prozent bei Wirtschaftskriminalität, was auf die hohe Komplexität der grenzüberschreitenden digitalen Spuren zurückzuführen ist. Experten und Behörden weltweit betonen daher die Bedeutung von Prävention und technischer Verifikation als primären Schutz gegen die fortschreitenden Methoden des Social Engineering.
