Stiller, Herzinfarkt

Stiller Herzinfarkt: Risiko für kardialen Tod ist rund dreimal höher

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen, dass viele Infarkte ohne typische Schmerzen verlaufen und mit erhöhten Risiken für spätere Todesfälle verbunden sind.
Ein minimalistischer, ruhiger Untersuchungsraum in einer kardiologischen Klinik, der auf medizinische Präzision hindeutet. Illustration mit AI erstellt.

Stille Herzinfarkte verlaufen oft ohne die klassischen, dramatischen Schmerzen in der Brust und bleiben daher häufig unbemerkt. Mehrere Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich eingehend mit den Ursachen, den Risikofaktoren sowie der Notwendigkeit einer verbesserten Früherkennung und Aufklärung rund um diese Form des Myokardinfarkts.

Hohe Dunkelziffer und gravierende Spätfolgen

Wie Professor Antonio Bartorelli betont, bleibt beinahe die Hälfte aller Herzinfarkte unbemerkt. Da diese Ereignisse ohne dramatische Schmerzsymptome auftreten, erhalten viele Betroffene eine entsprechende Diagnose erst dann, wenn bereits ein erheblicher Schaden am Herzmuskel entstanden ist.

Angaben der Harvard-Universität zufolge erleidet derzeit die Hälfte der Herzinfarkt-Patienten einen stillen Infarkt, wobei Männer mittleren Alters häufiger betroffen sind.

Epidemiologische Erhebungen untermauern diese Zahlen. In der US-amerikanischen ARIC-Studie, die 9.498 Personen mittleren Alters über einen durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von neun Jahren begleitete, traten 386 symptomatische und 317 stille Herzinfarkte auf; demnach verliefen rund 45 Prozent aller Herzinfarkte still.

Zudem zeigte die ARIC-Studie, dass bei einem stillen Herzinfarkt das Risiko für einen kardialen Tod rund dreimal höher und das Risiko für einen Tod aus allen Ursachen um rund 34 Prozent höher liegt.

Eine Analyse der Rotterdam-Studie aus dem Jahr 2026 erfasste bei 12.303 Teilnehmenden 669 erkannte und 512 nicht erkannte Herzinfarkte. Noch deutlicher zeigt sich das Phänomen in finnischen Obduktionsdaten: Bei rund 42 Prozent der 3.122 am plötzlichen Herztod Verstorbenen fanden sich im Vorfeld Spuren eines stillen Infarkts.

Fachpublikationen wie JAMA Cardiology weisen darauf hin, dass stille Herzinfarkte langfristig genauso gefährlich sind wie erkannte Ereignisse. Für einen klinisch nachweisbaren Infarkt muss ein reduzierter Blutfluss über einen Zeitraum von 15 bis 30 Minuten vorliegen.

In einer weiteren Studie mit 2.000 Männern und Frauen im Alter von 45 bis 84 Jahren ohne vorherige Herz-Kreislauf-Probleme wiesen nach zehn Jahren 8 Prozent der Teilnehmenden eine Infarktnarbe im Herz-MRT auf, ohne den Infarkt bemerkt zu haben. Männer erlitten in dieser Gruppe fünfmal häufiger einen stillen Infarkt als Frauen.

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Diffuse Anzeichen und Risikofaktoren

Dass Betroffene einen Herzinfarkt nicht bemerken, liegt oft an der Art der Beschwerden. Dr. David Morrow vom Brigham and Women's Hospital erklärt, dass manche Betroffene durchaus Symptome verspüren, diese jedoch nicht als herzbedingt einordnen.

Zu den häufigsten Fehldeutungen zählen Verdauungsbeschwerden und Muskelschmerzen. Typische Anzeichen für einen stillen Verlauf sind unter anderem unerklärliche Schwäche, Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, Taubheitsgefühle in den Armen, Sodbrennen sowie Schmerzen im Rücken, Kiefer oder Nacken.

Bestimmte Vorerkrankungen verändern zudem die Schmerzwahrnehmung. Bei Diabetikern führt die Neuropathie häufig zu einem verminderten Schmerzempfinden, was ihr Risiko für unbemerkte Infarkte steigert.

Zu den allgemeinen Risikogruppen zählen ferner Menschen mit Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel, Übergewicht oder Bewegungsmangel, Raucher sowie Personen mit dauerhaftem Stress oder einer genetischen Veranlagung. Ebenso weisen Frauen – insbesondere nach der Menopause – und Menschen über 65 Jahre ein erhöhtes Risiko auf.

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Methoden der Diagnose und Prävention

Die Diagnose eines zurückliegenden stillen Herzinfarkts erfolgt meist über ein Elektrokardiogramm (EKG) anhand einer charakteristischen Signatur. Weitere diagnostische Verfahren umfassen die Echokardiografie, den Herz-Ultraschall, das Herz-MRT sowie den Nachweis von Troponin über Bluttests.

Zur Früherkennung tragen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen inklusive EKG bei. Regelmäßige sportliche Betätigung gilt zudem als wichtiger Schutzfaktor für das Herz-Kreislauf-System. Sollte dennoch ein Druckgefühl in der Brust auftreten, das länger als einige Minuten anhält, ist umgehend der Notruf 112 zu wählen.

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