Stille, Atherosklerose

Stille Atherosklerose: Schon jeder 13. Erwachsene unter 30 zeigt Anzeichen

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 20:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Untersuchung in Dänemark und Spanien fand bei 57,1 Prozent der Teilnehmenden Plaques; ein allgemeines Screening unter 30 Jahren folgt daraus nicht.

REACT-Studie: Stille Gefäßplaques auch bei jungen Erwachsenen
Ein steriler, modern gestalteter medizinischer Untersuchungsraum mit einem unscharfen Bildgebungsgerät. Illustration mit AI erstellt.

Gefäßveränderungen entwickeln sich oft über Jahrzehnte unbemerkt, bevor erste Symptome einer Herz-Kreislauf-Erkrankung auftreten. Eine internationale Bildgebungsuntersuchung liefert nun detaillierte Einblicke in das frühe Auftreten dieser Prozesse bei scheinbar gesunden Menschen.

Die sogenannte REACT-Studie, die am 29. August 2026 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, analysierte das Vorkommen stiller Atherosklerose bei Erwachsenen ohne bekannte Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Frühe Gefäßablagerungen bereits bei jüngeren Erwachsenen

Für die Forschungsarbeit untersuchten die Wissenschaftler 16.808 Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren in Dänemark und Spanien. Über alle Altersgruppen hinweg wiesen 57,1 % der Teilnehmenden Gefäßplaques auf. In der Gruppe der 60- bis 70-Jährigen fand sich Plaque sogar bei rund 9 von 10 Teilnehmenden.

Bemerkenswert sind insbesondere die Resultate in den jüngeren Kohorten: Bei den 18- bis 29-Jährigen stellten die Untersucher bereits bei 8,7 % der Männer und 6,7 % der Frauen Anzeichen einer Atherosklerose fest. Dies entspricht einem Anteil von rund 1 von 13 Personen in dieser Altersspanne.

Bei den jüngeren Betroffenen beschränkten sich die Ablagerungen meist auf eine einzelne Region, wobei sie besonders häufig in den Hals- oder Beinarterien lokalisiert waren. Eine isolierte koronare Atherosklerose zeigte sich über die untersuchten Altersgruppen hinweg bei höchstens 9,3 % der Männer und 5,0 % der Frauen.

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Geschlechtsspezifische Unterschiede und Grenzen gängiger Risikoscores

Die Auswertungen verdeutlichen zudem geschlechtsspezifische Verläufe bei der Plaquebildung. Demnach entwickelten Männer Gefäßablagerungen tendenziell 5 bis 10 Jahre früher als Frauen. Bei weiblichen Teilnehmenden stieg die Häufigkeit von Plaques hingegen besonders stark im Lebensabschnitt zwischen 40 und 60 Jahren an.

Gleichzeitig weist die Untersuchung auf diagnostische Lücken etablierter Vorsorgeinstrumente hin. Die in der Praxis üblichen Risikoscores erkannten laut der Studie nur einen kleinen Teil der bereits von Gefäßveränderungen betroffenen Personen.

Die Studienautoren betonen jedoch, dass die ermittelten Werte spezifisch für die untersuchte Population in Dänemark und Spanien gelten und nicht als allgemeine Prävalenz für andere Regionen wie etwa die USA verstanden werden können.

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Kein breites Screening empfohlen – Folgephase ab 2027

Trotz des Nachweises früher Ablagerungen leitet sich aus den Ergebnissen kein allgemeines Screening für Personen unter 30 Jahren ab. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sollen zunächst klären, ob eine solche Früherkennung die präventive Versorgung tatsächlich messbar verbessert.

Hierfür ist bereits eine Anschlussuntersuchung vorgesehen: In der geplanten Folgephase REACT-PROTECT soll im Zeitraum von 2027 bis 2032 getestet werden, ob eine bildgebungsgeleitete Früherkennung das Auftreten schwerer Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle wirksam verhindern kann.

Bis belastbare Daten hierzu vorliegen, bleibt der therapeutische Nutzen von Reihenuntersuchungen bei jungen Asymptomatischen Gegenstand der kardiologischen Forschung.

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