Stille Atherosklerose: REACT-Studie findet Gefäßplaques bei 57,1 Prozent
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deGefäßveränderungen entwickeln sich oft über Jahrzehnte unbemerkt, bevor erste Symptome auftreten. Eine im August 2026 im Fachjournal New England Journal of Medicine vorgestellte Untersuchung verdeutlicht das Ausmaß dieser subklinischen Prozesse.
Im Rahmen der in Spanien und Dänemark in Kooperation mit dem CNIC durchgeführten REACT-Studie untersuchten Fachleute 16.808 Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren ohne bekannte kardiovaskuläre Vorerkrankungen. Mittels 3D-Gefäßultraschall der Karotis- und Femoralarterien sowie koronarer CT-Angiographie wiesen die Forscher bei 57,1 Prozent der Teilnehmenden eine stille Atherosklerose nach.
Frühe Manifestation bei jungen Erwachsenen
Die Daten der REACT-Studie belegen, dass Gefäßablagerungen bereits in jungen Altersgruppen vorkommen. So wiesen 8 Prozent der 18- bis 35-Jährigen eine stille Atherosklerose auf.
In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen hatte etwa eine von 13 Personen Plaque in mindestens einem Gefäßgebiet, aufgeschlüsselt nach Geschlecht waren dies 8,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen. Bei den 60- bis 70-Jährigen betraf dies bereits etwa neun von zehn Untersuchten.
Zudem zeigte sich eine geschlechtsspezifische Verschiebung: Männer entwickelten Gefäßplaques im Schnitt fünf bis zehn Jahre früher als Frauen. Bei Frauen wiederum beobachteten die Studienautoren den stärksten Anstieg der Plaquebildung zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Für die Rekrutierung trugen lokale Zentren bei; so band das Hospital Universitario Infanta Leonor in Madrid innerhalb von fünf Monaten 450 Teilnehmende in die REACT-Studie ein.
Grenzen etablierter Risikomodelle und neue Screening-Ansätze
Ein zentrales Ergebnis der REACT-Studie ist die begrenzte Aussagekraft herkömmlicher Prognosewerkzeuge: Standard-Risikoscores identifizierten lediglich einen kleinen Teil der Personen mit bereits vorhandener stiller Plaque. Als mögliche künftige Lösung für eine breitere Früherkennung wird tragbare Ultraschalltechnologie diskutiert, wofür weitere klinische Studien als notwendig erachtet werden.
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Parallel dazu untersuchen Forschungsteams den Einsatz künstlicher Intelligenz. Das Modell Aitheroscope analysiert Netzhautbilder zur Gefäßbeurteilung.
In einer im European Heart Journal – Digital Health publizierten Untersuchung an 931 Personen ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung, von denen 50,8 Prozent eine subklinische Atherosklerose im Ultraschall aufwiesen, erreichte das Modell eine AUC von 0,86. Bei der Kombination von Retinographie und wenigen klinischen Variablen lagen die Sensitivität bei 93,4 Prozent und der negative Vorhersagewert bei 90,6 Prozent.
Zu den weiteren Schritten für dieses Verfahren zählen externe Validierungen, regulatorische Prozesse sowie die Integration in bestehende Versorgungspfade.
Gefäßrisiken bei Diabetes mellitus
Besondere Gefäßrisiken zeigen sich bei Stoffwechselerkrankungen. Eine zwischen November 2022 und Februar 2023 am Mulago National Referral Hospital in Kampala durchgeführte Studie untersuchte 100 normotensive Typ-2-Diabetiker mit einem Frauenanteil von 62 Prozent, einem mittleren Alter von 52,4 Jahren, einer medianen Diabetesdauer von 10,0 Jahren und einem medianen HbA1c von 9,9 Prozent. Dabei wiesen 61 Prozent eine abnorme Carotis-Intima-Media-Dicke von mehr als 0,9 Millimetern auf. Karotis-Plaques fanden sich bei 5 Prozent der Probanden, während keine hämodynamisch relevante Stenose vorlag.
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Als unabhängige Prädiktoren ermittelte die Studie eine adjustierte Prävalenzratio von 1,17 für ein Alter über 45 Jahre, 1,20 für ein hohes LDL, 1,16 für einen HbA1c-Wert über 8 Prozent sowie 1,11 für eine Diabetesdauer von mehr als 9 Jahren. Die Intima-Media-Dicke korrelierte positiv mit dem Alter (r=0,88) und dem HbA1c-Wert (r=0,84) sowie negativ mit dem HDL-Wert (r=-0,87).
Zusätzlich belegt eine Ende Oktober 2026 in Cardiovascular Diabetology veröffentlichte 30-Jahres-Analyse der DCCT/EDIC-Kohorte mit 1.311 Teilnehmenden, dass vier etablierte Risikorechner das Risiko bei Typ-1-Diabetes unzureichend abbilden.
Im EDIC-Intervall der Jahre 20 bis 30 lag das beobachtete Zehn-Jahres-KHK-Risiko 1,43-mal höher als der Framingham Risk Score, 2,69-mal höher als der ASCVD Risk Estimator Plus und 2,40-mal höher als AHA PREVENT vorhersagten.
Die Steno Type 1 Risk Engine hingegen überschätzte das Risiko mit einem Verhältnis von beobachteten zu vorhergesagten Werten zwischen 0,61 und 0,87. Über alle Modelle hinweg lag die C-Statistik zwischen 0,54 und 0,64, wobei Koronarkalziumwerte ab 100 Agatston auch bei niedrig oder moderat eingestuften Personen einem Hochrisikoprofil entsprachen. Mit Ausnahme des Steno-Modells unterschätzten alle Rechenmodelle das Risiko bei Frauen.
