Stille Atherosklerose: 57 Prozent von 17.000 Erwachsenen betroffen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMediziner beobachten eine zunehmende Häufung von kardiovaskulären Komplikationen bei Personen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren. Dabei weisen Fachleute darauf hin, dass unauffällige Ergebnisse bei gängigen Routine-Untersuchungen trügerisch sein können. Um plötzliche kardiale Notfälle zu verhindern, rückt daher eine differenzierte, an individuellen Risikofaktoren orientierte Diagnostik in den Mittelpunkt.
Grenzen klassischer Routine-Checks und verborgene Risiken
Ein gewöhnlicher Routine-Check umfasst zumeist Blutdruckmessungen, Laborwerte für Blutfette und Blutzucker sowie ein Ruhe-EKG. Wie Lin Jinyan vom Gesundheitszentrum des Nanfang-Krankenhauses der Southern Medical University darlegte, können solche Standarduntersuchungen verborgene kardiale Risiken jedoch nicht zuverlässig ausschließen.
Nach Einschätzung von Ba Shining, ICU-Chefarzt am Dritten Krankenhaus der Peking-Universität, sollten Personen ab dem 40. Lebensjahr gezielte Maßnahmen gegen den plötzlichen Herztod ergreifen. Die Mehrheit dieser Notfälle resultiere aus der Ruptur vaskulärer Plaques, die zu Thrombusbildung und akuten Myokardinfarkten führe.
Dass Gefäßveränderungen bereits in jüngeren Lebensphasen einsetzen, untermauert eine Untersuchung an 17.000 Erwachsenen aus Dänemark und Spanien: Bei 57 Prozent der Untersuchten im Alter von 18 bis 70 Jahren wurde eine stille Atherosklerose festgestellt, darunter 63 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen.
Bei den 30-Jährigen wiesen bereits 35 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen Gefäßablagerungen auf. Klassische Indikatoren wie Cholesterinwerte oder Familienanamnese erwiesen sich insbesondere bei jungen Menschen nicht durchgehend als zuverlässige Vorhersagefaktoren.
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Schlüsseluntersuchungen und frühe Warnsignale
Um Gefährdungen rechtzeitig zu erkennen, benennt die medizinische Fachpraxis vier zentrale diagnostische Verfahren:
- Koronar-CTA: Indiziert bei Hypertonie, Diabetes, Hyperlipidämie, langjährigem Rauchen sowie plötzlichen Herztodesfällen direkter Angehöriger vor dem 50. Lebensjahr, ebenso bei anhaltendem Brustdruck trotz unauffälligem EKG.
- 24-Stunden-Langzeit-EKG: Empfohlen bei unklaren Synkopen, wiederkehrenden Palpitationen oder familiärer Vorbelastung.
- Herzultraschall: Zur Abklärung bei Belastungsdyspnoe oder bekannten familiären Herzerkrankungen.
- Belastungs-EKG: Vorgesehen bei Schmerzen unter körperlicher Anstrengung sowie im Vorfeld neu aufgenommener, regelmäßiger Sportaktivitäten.
Wang Xia, Kardiologie-Leiterin am Guangdong-Krankenhaus für Traditionelle Chinesische Medizin, hob hervor, dass mehr als etwa die Hälfte der Betroffenen bereits eine bis vier Wochen vor einem plötzlichen Herztod spezifische Warnsignale zeigte. Dazu zählen Brustschmerzen, Engegefühl, Herzklopfen, Pulsraten unter 50 Schlägen pro Minute, Synkopen, ungewöhnliche Erschöpfung sowie gastrointestinale Symptome und starkes Schwitzen.
Risikoadaptierte Vorsorge über Lebensdekaden hinweg
Dr. Anjan Siotia, Kardiologie-Direktor am BM Birla Heart Hospital Kolkata, betonte, dass Gefäßrisiken oft Jahrzehnte vor dem Auftreten erster Symptome entstehen. In den 30er-Jahren sei die Feststellung von Basiswerten für Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin ratsam.
Im vierten Lebensjahrzehnt sollten Risikofaktoren kombiniert analysiert werden; das Erreichen des 40. Lebensjahres allein rechtfertige noch kein apparatives Screening ohne Risikoprofil. Ab dem 50. Lebensjahr empfiehlt Dr. Siotia bei multiplen Faktoren vertiefende Tests wie Koronar-Kalzium-Scores oder Echokardiogramme, da ein einmaliger Normalbefund keinen dauerhaften Schutz garantiert.
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Erhöhte Aufmerksamkeit gilt auch jüngeren Altersgruppen: Kardiologe Prof. Dr. Nevrez Koylan wies darauf hin, dass rund 20 Prozent der Herzinfarkte Personen unter 40 Jahren betreffen. Neben genetischer Disposition treiben Adipositas, Hypertonie, Diabetes, Drogen sowie Substanzen wie Anabolika und Energy-Drinks das Risiko.
Ein Rauchstopp vor dem 40. Lebensjahr senke das Risiko für frühzeitige kardiovaskuläre Todesfälle um rund 90 Prozent. Neben dem Verzicht auf Nikotin raten Mediziner zu ausreichendem Schlaf von sieben bis acht Stunden täglich sowie zu regelmäßiger körperlicher Bewegung.
