Still-Mythen: Zehn verbreitete Ratschläge halten der Wissenschaft nicht stand
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 07:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rund um das Thema Stillen kursieren zahlreiche Ratschläge und Annahmen, die junge Mütter oft verunsichern oder unter Druck setzen. Wie Berichte von Medien wie der Deutschen Presse-Agentur aufzeigen, halten viele dieser Empfehlungen einer wissenschaftlichen Überprüfung jedoch nicht stand.
Kathrin Herold vom Deutschen Hebammenverband und Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ) haben dazu zehn weit verbreitete Still-Mythen fachlich eingeordnet.
Ernährungsvorgaben und Genussmittel in der Stillzeit
Ein häufiger Mythos betrifft die mütterliche Ernährung. Jakob Maske vom BVKJ stellt klar, dass ein pauschaler Verzicht auf blähende Lebensmittel wie Zwiebeln und Kohl während der Stillzeit nicht erforderlich ist. Die bei der Verdauung der Mutter entstehenden Gase gehen nicht in die Muttermilch über.
Auch die Annahme, säurehaltige Lebensmittel meiden zu müssen, ist wissenschaftlich nicht haltbar: Nach Angaben des BIÖG beziehungsweise von kindergesundheit-info.de ist die Vermeidung von Zitrusfrüchten als Prophylaxe gegen ein Wundwerden des Kindes nicht wissenschaftlich belegt.
Klare Grenzen gelten hingegen beim Konsum von Genuss- und Suchtmitteln: Sowohl der Deutsche Hebammenverband als auch der BVKJ betonen, dass Alkohol, Zigaretten und Drogen während der gesamten Stillzeit strikt tabu sind.
Milchmenge, Schmerzen und Flüssigkeitsbedarf
Große Unsicherheit herrscht oft bei der Frage nach der Milchproduktion. Nach Einschätzung des Hebammenverbands und des BVKJ ist eine tatsächlich unzureichende Milchbildung selten. Häufig liege die Ursache vielmehr in einem zu seltenen Anlegen des Säuglings. Häufiges Trinken, im Fachjargon als Clusterfeeding bezeichnet, regt die Milchbildung auf natürliche Weise an und steigert die Milchmenge.
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Schmerzen beim Nähren des Kindes sollten keinesfalls als normal hingenommen werden: Die Verbände weisen darauf hin, dass starke Schmerzen beim Stillen ein Warnzeichen sind, das abgeklärt werden muss.
Zudem benötigen voll gestillte Säuglinge kein zusätzliches Wasser. Die Gabe von zusätzlichem Wasser würde die noch unreifen Nieren des Babys überfordern, da Muttermilch bereits den gesamten Flüssigkeitsbedarf deckt.
Erkrankungen, körperliche Voraussetzungen und Alternativen
Sollte die Mutter an Infekten wie einer Grippe, Corona oder einer Magen-Darm-Erkrankung leiden, ist das Weiterstillen nach Angaben des Hebammenverbands und des BVKJ weiterhin möglich. Viren werden nicht über die Muttermilch übertragen, sodass das Kind durch die Milch sogar wichtige Abwehrstoffe erhalten kann. Eine Ausnahme von dieser Regelung bilden schwerwiegende Behandlungen wie etwa eine Krebstherapie.
Auch anatomische Voraussetzungen stehen dem Stillen nur selten im Weg. Das Stillen mit Brustimplantaten ist in den meisten Fällen möglich; entscheidend hierfür sind vor allem die Lage der Implantate und die gewählte Schnittführung bei der Operation.
Starke Schmerzen beim Stillen oder die Sorge, zu wenig Milch zu haben, sind für viele Mütter belastend — dabei ist eine echte Unterversorgung selten und häufiges Anlegen der natürliche Weg. Der Leitfaden zeigt Warnzeichen, die abgeklärt werden müssen, und wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten. Checkliste für entspanntes Stillen sichern
Gleichzeitig stellen die Experten klar, dass Stillen keine zwingende Voraussetzung dafür ist, eine gute Mutter zu sein. Industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrung (Premilch) stellt eine gute Alternative dar und unterliegt innerhalb der Europäischen Union den strengsten behördlichen Kontrollen.
Hinsichtlich der Stilldauer existieren zudem keine starren Zeitfenster: Der Hebammenverband und der BVKJ unterstreichen, dass auch ein langes Stillen psychisch völlig unbedenklich ist. Das Stillen kann grundsätzlich so lange fortgeführt werden, wie Mutter und Kind es gemeinsam möchten.
