Stevia und Diabetes: Adelaide-Forscher untersuchen fünf Süßungsmittel
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 04:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deKalorienarme Süßungsmittel stehen zunehmend im Zentrum ernährungswissenschaftlicher Untersuchungen. Forscher der Adelaide University um den außerordentlichen Professor Tongzhi Wu widmen sich in ihren Analysen fünf häufig genutzten kalorienarmen Süßstoffen, darunter auch Stevia.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die Frage, wie diese Stoffe die körpereigene Blutzuckerregulation beeinflussen und wie sie sich auf das Risiko für Diabetes auswirken.
Stoffwechselwirkung und Personalisierung im Blick
Die wissenschaftliche Arbeit an der Adelaide University konzentriert sich vor allem auf die Reaktionen von Darm, Pankreas, Nieren sowie des Darmmikrobioms.
Ein zentrales Zwischenfazit der Forscher lautet, dass natürliche Süßungsmittel wie Stevia nicht automatisch als sicherer eingestuft werden können als synthetische Alternativen. Grund dafür seien gravierende Unterschiede in der jeweiligen chemischen Struktur und in den nachgelagerten Prozessen der Stoffwechselverarbeitung.
Zudem gelten die tatsächlichen Langzeitfolgen künstlicher Süßstoffe laut Bericht nach wie vor als unbekannt. Aus Sicht der Wissenschaftler sei daher eine personalisierte Ernährung erforderlich, was insbesondere für ältere Erwachsene gelte, die ohnehin ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes tragen.
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Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Ernährungswissenschaftlerin Kristen Beck eine Orientierung an unverarbeiteter Vollwertkost. Dazu zählen Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milchprodukte sowie Vollkornerzeugnisse.
Behördliche Bewertung und Sicherheitsgrenzen
Auf regulatorischer Ebene prüft die Behörde Food Standards Australia New Zealand (FSANZ) weiterhin die Anwendungssicherheit von Steviolglykosiden. In dem veröffentlichten Dokument Notification Circular 413-26 gab die Behörde unter anderem Updates zu zwei Verfahren bekannt, darunter der Antrag A1325. Dieser betrifft den Einsatz von Steviolglykosiden als Lebensmittelzusatz in auf der Herdplatte gebackenen Mehlprodukten. Die lebensmitteltechnologische Auswertung ergab dabei Konsistenz mit der vorgesehenen technologischen Funktion als Intensivsüßstoff.
Hinsichtlich der toxikologischen Sicherheit hatte FSANZ bereits im Jahr 2008 einen Wert für die akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI) von 0 bis 4 mg/kg Körpergewicht pro Tag als Stevioläquivalente festgelegt. Neuere Toxizitätsprüfungen und systematische Literaturrecherchen ergaben für die Behörde keinen Anlass, diesen Grenzwert zu modifizieren.
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Daten zur Exposition belegen zudem, dass die geschätzte chronische Aufnahme über alle berechneten Szenarien hinweg unter 50 % des festgelegten ADI für alle untersuchten Bevölkerungsgruppen in Australien und Neuseeland liegt.
Laborbefunde zu fermentierten Extrakten
Neben Fragen der Stoffwechselregulation liefert die Grundlagenforschung weitere Erkenntnisse über Inhaltsstoffe der Steviapflanze. Eine im Fachjournal International Journal of Molecular Sciences veröffentlichten Studie befasste sich mit fermentiertem Extrakt aus Steviablättern (FSLE), der unter Einsatz des Stammes Lactobacillus plantarum SN13T gewonnen wurde.
In experimentellen Laborversuchen zeigte sich, dass dieser fermentierte Extrakt Pankreaskarzinomzellen stärker zerstörte als herkömmlicher, unfermentierter Extrakt. Gleichzeitig führte die Behandlung zu einer nur minimalen Schädigung gesunder menschlicher Nierenzellen des Typs HEK-293.
Als maßgeblicher Wirkstoff dieser Reaktion wurde der Methylester der Chlorogensäure (CAME) identifiziert. Im Zuge des Fermentationsprozesses sank der ursprüngliche Gehalt an Chlorogensäure um das Sechsfache.
Wie die an der Untersuchung beteiligte Studienautorin Narandalai Danshiitsoodol von der Universität Hiroshima darlegte, überleben derzeit weniger als 10 % der Patienten mit einem Pankreaskarzinom einen Zeitraum von fünf Jahren nach der Diagnosestellung, weshalb das therapeutische Potenzial pflanzlicher Derivate weiterhin intensiv erforscht wird.
