Stevia-Extrakt, Wirkstoff

Stevia-Extrakt: Neuer Wirkstoff zeigt Toxizität gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 16:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hiroshima-Forscher identifizieren CAME als möglichen Wirkstoff im fermentierten Stevia-Extrakt; Tierversuche an Mäusen sind als Nächstes vorgesehen.

Stevia-Extrakt zeigt selektive Wirkung gegen Pankreaskrebszellen
Nahaufnahme einer Stevia rebaudiana Pflanze auf einem Feld in Indonesien bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Hiroshima liefern neue Erkenntnisse über das medizinische Potenzial von Stevia-Blatt-Extrakt. In Laborversuchen wurde die Wirkung von fermentiertem Stevia-Blatt-Extrakt (FSLE), der mithilfe des Bakteriums Lactobacillus plantarum SN13T gewonnen wurde, auf Krebszellen untersucht. Dabei zeigte sich, dass der Extrakt toxisch auf Pankreas-Krebszellen des Typs PANC-1 wirkt.

Gleichzeitig erwies sich die Substanz als unbedenklich für embryonale Nierenzellen des Typs HEK-293, bei denen keine toxischen Effekte festgestellt wurden.

Biochemische Wirkmechanismen und onkologische Relevanz

Als aktiver Bestandteil dieser selektiven Toxizität wurde der Methylester der Chlorogensäure (CAME) im fermentierten Stevia-Extrakt identifiziert. Im Zuge des Fermentationsprozesses sank der Gehalt an reiner Chlorogensäure im Vergleich zum Ausgangsmaterial um das Sechsfache.

Diese Entdeckung wird vor dem Hintergrund der schwierigen Behandlung von Pankreaskarzinomen als bedeutsam eingestuft, da die 5-Jahres-Überlebensrate bei dieser Krebsart derzeit bei unter 10 % liegt. Als nächster Schritt in der Erforschung dieser Wirkstoffe sind Tests an Mäusen geplant.

Die Pflanze Stevia rebaudiana Bertoni stammt ursprünglich aus Südamerika und fand bereits früh in Japan kommerzielle Verbreitung. Die Süßkraft der enthaltenen Steviolglykoside, insbesondere Steviosid und Rebaudiosid, liegt etwa um das 200- bis 400-fache über der von herkömmlichem Haushaltszucker. Dabei ist der Beitrag zur Kalorienzufuhr vernachlässigbar.

Wirtschaftliche Erschließung und industrielle Modelle

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Neben der medizinischen Forschung rückt die Kultivierung von Stevia verstärkt in den Fokus der ländlichen Entwicklung. In Indonesien wird die Pflanze bereits in Regionen wie Tawangmangu in Zentraljava sowie Ciwidey in Westjava angebaut.

Für Oktober 2026 ist in der Provinz Bengkulu der Start des Programms „Karya Bakti“ vorgesehen. Dieses Vorhaben wird vom indonesischen Ministerium für Dörfer und PDT unter Minister Yandri Susanto gemeinsam mit dem Kopassus-Kommandeur Generalleutnant TNI Djon Afriandi koordiniert.

Innerhalb dieses Programms ist Stevia als zentrale Kommodität vorgesehen. Die Umsetzung soll über ein sogenanntes „Inti-Plasma“-Modell erfolgen. In dieser Struktur stellt die Industrie die technologische Infrastruktur, das Saatgut sowie eine Abnahmegarantie zur Verfügung.

Als Aggregatoren auf lokaler Ebene fungieren dörfliche Genossenschaften (BUM Desa). Es wird in diesem Zusammenhang betont, dass die gewonnenen Süßstoffe als kalorienarme Alternative dienen, jedoch ausdrücklich nicht als Medikament zur Behandlung von Diabetes deklariert sind.

Prävention und regulatorische Rahmenbedingungen

Die Bedeutung von Zuckerersatzstoffen wird durch internationale Gesundheitsrichtlinien unterstrichen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, die Zufuhr von freiem Zucker auf weniger als 10 % der gesamten Energieaufnahme zu begrenzen.

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Eine weitere Senkung auf unter 5 % – was etwa 25 Gramm oder sechs Teelöffeln pro Tag entspricht – könne laut den Richtlinien zusätzlichen Nutzen bringen. In Deutschland liegt der tatsächliche Verzehr nach Einschätzung von Fachgesellschaften wie der DGE, DAG und DDG derzeit fast doppelt so hoch wie die empfohlene 10-Prozent-Marke.

Trotz des Potenzials als Süßungsmittel wird darauf hingewiesen, dass Stevia kein automatisches Mittel zur Gewichtsreduktion darstellt. Das Körpergewicht bleibe von Faktoren wie der Gesamternährung, körperlicher Aktivität und ausreichendem Schlaf abhängig.

Andere synthetische Süßstoffe werden ebenfalls kritisch beobachtet: Eine Studie der USC aus dem Jahr 2025 deutete darauf hin, dass Sucralose, welche eine 600-fache Süßkraft gegenüber Zucker aufweist, das Hungergefühl um etwa 17 % steigern kann.

Der Bedarf an Alternativen bleibt angesichts hoher Zuckergehalte in verarbeiteten Lebensmitteln bestehen; so enthalten Konfitüren häufig mehr als 55 Gramm Zucker pro 100 Gramm.

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