Steuerverwaltung: Kontodaten-Übermittlung ab Ende September automatisiert
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Digitalisierung des Finanzsektors erreicht im Herbst einen neuen Meilenstein. Zum Ende des Monats September ist die Einführung der automatisierten digitalen Übermittlung von Kontodaten durch Finanzinstitute an die Steuerbehörden vorgesehen. Diese Entwicklung ist Teil eines umfassenden Wandels hin zu einer KI-gestützten und plattformbasierten Steuerverwaltung, die weltweit an Dynamik gewinnt.
KI-gestützte Automatisierung im Finanzwesen und Berichtswesen
Im Bereich der betrieblichen Buchhaltung und Berichterstattung setzen Dienstleister verstärkt auf agentische Künstliche Intelligenz (KI). Das Unternehmen Genpact hat in diesem Kontext die Agentic Record-to-Report Suite eingeführt. Diese umfasst Module für Journalbuchungen, Abstimmungen und Intercompany-Vorgänge.
Ziel der Suite ist es, den Arbeitsaufwand bei Spitzenbelastungen während des Abschlusses um bis zu 40 % zu senken. Der Anbieter gibt an, dass damit 99 % der Differenzen im Intercompany-Bereich gelöst werden können und die Erstpass-Abstimmungsquote bei über 95 % liegt.
Die Bedeutung dieses Geschäftsfeldes spiegelt sich in den Geschäftszahlen von Genpact wider: Im zweiten Quartal 2026 belief sich der Umsatz im Bereich Advanced Technology Solutions auf 363 Mio. USD, was einem Zuwachs von 24,1 % im Jahresvergleich entspricht.
Parallel dazu hat die Airwallex-Tochter T:0 eine KI-native Buchhaltungsplattform für US-Startups veröffentlicht, die nun die private Beta-Phase verlässt. Das System automatisiert neben der allgemeinen Buchhaltung auch die Umsatzrealisierung.
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Auch Expenzing erweitert sein Portfolio mit der FinCat AI Suite, die durch Funktionen wie den Autonomous APA AI Scrutinizer und Betrugskontroll-Agenten die Kreditorenbuchhaltung und das Spesenmanagement automatisieren soll.
Analysen von TAINA Technology verdeutlichen zudem, dass agentische KI zunehmend Steueroperationen wie die Validierung von Dokumenten übernimmt, wobei eine menschliche Aufsicht für komplexe Fälle weiterhin als notwendig erachtet wird.
Expansion der digitalen Rechnungsstellung in Europa und im Nahen Osten
Ein weiterer Schwerpunkt der digitalen Transformation ist die grenzüberschreitende E-Rechnungsstellung. Der Anbieter Charted hat sein ERP-natives system auf zahlreiche europäische Länder ausgeweitet, darunter Deutschland, Frankreich und die skandinavischen Staaten.
Besonders in Frankreich hat sich die regulatorische Lage verschärft: Seit dem 1. September 2026 ist der Empfang von E-Rechnungen dort verpflichtend. Italien, Rumänien und Polen sollen bis zum Ende des aktuellen Quartals folgen.
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Im Nahen Osten treiben die Vereinigten Arabischen Emirate die Einführung voran. DigiTax wurde vom dortigen Finanzministerium als Dienstleister für E-Rechnungen vorab genehmigt. Für Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Mio. AED wird die E-Rechnung ab dem 1. Januar 2027 verpflichtend, gefolgt von einer allgemeinen B2B-Pflicht ab Juli 2027.
Regulatorische Anpassungen und neue Meldepflichten weltweit
Regierungen weltweit passen ihre Gesetze an die digitalen Möglichkeiten an. In Schweden wurde ein Gesetzesentwurf veröffentlicht, der es Unternehmen mit eigenen Aktionärsregistern erlaubt, die Quellensteuer elektronisch zu melden. Gleichzeitig erhält die Steuerbehörde erweiterte Auskunftsrechte. In Italien sieht eine neue Konvention für die Jahre 2026 bis 2028 vor, dass bis zu 2 Mrd. Datensätze für vorausgefüllte Steuererklärungen genutzt werden.
In Großbritannien beginnt die Steuerbehörde HMRC im September 2026 mit der automatischen Anmeldung von Vermietern und Selbstständigen mit einem Einkommen von über 50.000 £ für das Programm Making Tax Digital. Branchenvertreter wie die ICAEW mahnen hierbei zur Vorsicht bei der automatisierten Eintreibung von Steuerschulden, die sich auf geschätzte 2 Mrd. £ belaufen, und empfehlen angemessene Kündigungsfristen.
Auch in Asien und Afrika schreitet die Integration voran. Die kenianische KRA hat das System eTIMS mit dem Finanzverwaltungssystem IFMIS integriert, um die Bearbeitung von Lieferantenansprüchen zu steuern, wobei Forderungen im Wert von 637,6 Mrd. Sh im System erfasst sind.
Südkorea plant unterdessen die Einführung einer Software zur Nachverfolgung von Kryptowährungen, um die für 2027 geplante Krypto-Steuer durchzusetzen, die Gewinne über 2,5 Mio. Won mit 20 % besteuert.
