Steuerreform beschlossen: Paare verlieren bis 1.045 Euro pro Jahr
Veröffentlicht am: 12.07.2026 um 12:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Juli weitreichende Gesetze verabschiedet. Die Reformen im Steuer- und Sozialsystem belasten vor allem mittlere und höhere Einkommen – während die Grundsicherung verschärft wird.
Nettoeinkommen: Wer verliert, wer gewinnt
Die geplante Steuerreform entlastet Arbeitnehmer nur auf den ersten Blick. Steigende Sozialabgaben fressen die Effekte vielerorts auf. Modellrechnungen von Frank Hechtner von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) zeigen klare Verlierer.
Ein Single mit 3.000 Euro brutto verliert jährlich gerade mal 9 Euro. Bei 6.000 Euro brutto sind es bereits 242 Euro Minus pro Jahr, bei 9.000 Euro sogar 904 Euro. Besonders hart trifft es Paare mit zwei Kindern und einem gemeinsamen Brutto von 7.000 Euro: Hier stehen 1.045 Euro weniger pro Jahr auf dem Konto.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisiert, dass die Reform die kalte Progression nicht vollständig ausgleicht. Immerhin steigt der Grundfreibetrag bis 2028 auf 12.900 Euro, das Kindergeld auf 272 Euro. Der Spitzensteuersatz greift künftig ab 70.600 Euro. Für Spitzenverdiener gibt es eine Reichensteuer: 45 Prozent ab 250.000 Euro, 47 Prozent ab 280.000 Euro.
Kranken- und Rentenversicherung: Die Beitragsexplosion
Die sinkenden Nettolöhne haben einen klaren Hauptgrund: höhere Sozialabgaben. Ab 2027 steigt die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung um 300 Euro monatlich, in der Pflegeversicherung um 937,50 Euro.
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Ab 2028 kommt eine umstrittene Neuerung: Mitversicherte Ehepartner ohne eigenes Einkommen kosten dann einen Zuschlag von 2,5 Prozent auf das Einkommen des Hauptversicherten. Schätzungsweise 2,46 Millionen Haushalte sind betroffen. Ausnahmen gibt es für Rentner, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderung und Eltern von Kindern unter 12 Jahren.
Die Rentenversicherung wird ebenfalls teurer. Bis 2028 steigt der Beitragssatz auf 19,9 Prozent. Hinzu kommt ab 2028 eine Kapitalrente mit 0,5 Prozent. Und das Renteneintrittsalter? Es soll künftig an die Lebenserwartung gekoppelt werden.
Grundsicherung: Schluss mit dem Bürgergeld
Seit dem 1. Juli 2026 gilt die neue Grundsicherung für Arbeitsuchende. Das alte Bürgergeld ist Geschichte. Die Reform bringt schärfere Regeln und härtere Sanktionen.
Die bisherige Karenzzeit für Vermögen von 40.000 Euro fällt weg. Stattdessen gilt ein gestaffeltes Schonvermögen. Der Kooperationsplan zwischen Jobcenter und Empfängern ist jetzt verbindlich. Bei Pflichtverletzungen drohen Kürzungen der Regelsätze um 30 Prozent – bei Alleinstehenden rund 169 Euro pro Monat.
Auch bei den Wohnkosten wird nachgeschärft: Kommunale Träger legen Quadratmeterhöchstmieten fest. Während einer einjährigen Karenzzeit übernimmt der Staat nur noch Kosten bis zum 1,5-fachen der Angemessenheitsgrenze. Überschreitungen führen frühzeitig zur Aufforderung, die Kosten zu senken. Nach sechs Monaten gibt es nur noch die als angemessen geltenden Beträge.
Kommt jetzt die Mehrwertsteuer-Erhöhung?
Die beschlossenen Maßnahmen könnten erst der Anfang sein. Das Finanzministerium schließt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 22 Prozent bis 2029 nicht aus. Im Gegenzug sollen Lebensmittel steuerfrei werden.
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Die Wirtschaftsweise Veron Grimm hält eine solche Option für relevant, warnt aber vor den Belastungen für Geringverdiener. Es wäre die erste Anhebung des Regelsatzes seit 19 Jahren – damals stieg die Steuer von 16 auf 19 Prozent.
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