Sterbeerlebnisse: 88 Prozent der Befragten empfanden Visionen als positiv
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Begleitung älterer und sterbender Menschen steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Beim dritten jährlichen bundesweiten Vernetzungstreffen der AltenPflegePastoral im Frankfurter Haus am Dom widmeten sich kirchliche Verbände den aktuellen Herausforderungen in der Praxis.
Die Fachtagung stand unter dem Leitmotiv Seelsorge und neue Realitäten. Organisiert wurde die Zusammenkunft vom Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland mit Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz.
Neue Strukturen durch zunehmende Ambulantisierung
Eröffnet wurde das bundesweite Treffen durch Claudia Stein, Referentin des Verbands katholischer Altenhilfe in Deutschland, sowie Julia Brümmer, Referentin der Deutschen Bischofskonferenz.
Als wesentlicher Hintergrund der Beratungen gilt die zunehmende Ambulantisierung der Pflege, durch die sich Versorgungs- und Betreuungsmodelle verlagern. Im Rahmen der Veranstaltung zogen die Beteiligten zudem nach 1,5 Jahren eine Bilanz zum Papier der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel „Mitsorgend bei den Menschen“.
Zu den Teilnehmenden zählten unter anderem Oliver Krah vom Caritasverband Fulda sowie Diakon Meins G.S. Coetsier aus dem Bistum Fulda. Aus der Praxis vor Ort wurde hervorgehoben, dass das Bistum Fulda und der dortige Diözesancaritasverband verstärkt auf flexible Strukturen im regionalen Sozialraum setzen, um Menschen auch außerhalb traditioneller stationärer Einrichtungen verlässlich zu erreichen.
Vorsorge und emotionale Belastung im Pflegealltag
Neben der pastoralen Begleitung rücken rechtliche und gesundheitliche Vorsorgeprozesse stärker in den Fokus der Praxis. Die Stiftung Liebenau bietet dazu gesundheitliche Versorgungsplanung im Bereich Pflege und Teilhabe an.
Hospizfachkräfte berichten immer wieder, dass Sterbende verstorbene Angehörige sehen und mit ihnen sprechen — meist beginnen solche Visionen drei bis vier Wochen vor dem Tod. Wie Sie darauf ruhig und fachlich reagieren, statt unsicher zu bleiben, zeigt dieser kostenlose Praxis-Leitfaden in klaren Schritten. Leitfaden Sterbevisionen jetzt anfordern
Als Ergebnis solcher Beratungsgespräche können Dokumente wie Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten oder Notfalldokumente entstehen. Die rechtliche Grundlage hierfür bildet Paragraf 132g des Fünften Buches Sozialgesetzbuch.
Demnach können Bewohner vollstationärer Pflegeeinrichtungen eine strukturierte Beratung für die letzte Lebensphase wahrnehmen, deren Kosten für gesetzlich Versicherte von den Krankenkassen getragen werden. Ein entsprechendes Angebot nutzte beispielsweise Agathe Schmid gemeinsam mit ihrer Tochter im Haus der Pflege St. Ulrika in Mengen.
Gleichzeitig verlangt die Sterbebegleitung den Pflegenden eine hohe persönliche Belastbarkeit ab. Im Alters- und Pflegeheim Länzerthus in Aarau fungieren Pflegefachfrauen wie Eveline Zowalla und Benite Krieziu für die betreuten Bewohnenden oft fast als erweiterte Familie. Verstirbt eine Person, stehen Fachkräfte vor der Aufgabe, ihre eigene Trauer zu bewältigen, ohne dabei die professionelle Arbeit zu gefährden.
Erfahrungen am Lebensende
In der Palliativ- und Hospizversorgung wird zudem immer wieder über besondere Phänomene am Lebensende berichtet. Hospizfachkräfte stellen fest, dass Sterbende wiederholt bereits verstorbene Angehörige sehen und mit ihnen sprechen. Nach Beobachtungen der Hospizkrankenschwester Julie McFadden beginnen derartige Visionen gewöhnlich etwa drei bis vier Wochen vor dem Tod und häufen sich in den finalen Tagen.
Wenn eine Bewohnerin stirbt, tragen Pflegende oft doppelte Last: eigene Trauer und der Anspruch, professionell weiterzuarbeiten. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Teams Trauer auffangen und zugleich die Vorsorgeberatung nach Paragraf 132g SGB V strukturiert umsetzen. Praxishilfe für Ihr Pflegeteam sichern
Diese Wahrnehmungen sind auch Gegenstand langjähriger wissenschaftlicher Untersuchungen. Der Hospizarzt Christopher Kerr aus Buffalo befragte in seiner 27-jährigen Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet mehr als 1.500 Patienten in ihrer letzten Lebensphase.
Laut Kerr handele es sich bei den erscheinenden Gestalten überwiegend um bereits verstorbene Personen, die den Patienten zu Lebzeiten Liebe oder Schutz gegeben hatten. Rund 88 Prozent der befragten Betroffenen beschrieben diese Erfahrungen als positiv.
