Sterbebegleitung: Begleitungen steigen bis Ende 2026 um 40 Prozent
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Pflegebranche steht vor einem Umbruch: Fachkräftemangel, steigende psychische Belastung und neue Versorgungskonzepte prägen die Branche. Regionale Initiativen setzen deshalb verstärkt auf Resilienz-Training, Spezialisierung und internationale Rekrutierung – während die Politik über die Finanzierung streitet.
Stressresistenz als neue Kernkompetenz
Die Feuerwehr Osnabrück trainierte Anfang August im „PAFARI“-Lehrgang, unter Atemschutz ruhig zu bleiben und den Luftverbrauch zu kontrollieren – Techniken, die sich direkt auf den Pflegealltag übertragen lassen. Dort müssen Fachkräfte unter Zeitdruck und emotionaler Belastung folgenschwere Entscheidungen treffen.
Auch die Sterbebegleitung rückt in den Fokus. In Braunschweig startete das Pilotprojekt „Gemeinsam begleiten. Bis zuletzt.“, das die stationäre Sterbebegleitung in Pflegeheimen optimieren soll. Prognosen erwarten bis Ende 2026 einen Anstieg der Begleitungen um 40 Prozent. In Bottrop bereitet ein mehrmonatiger Befähigungskursus ab Oktober Ehrenamtliche auf die ambulante Sterbebegleitung vor.
Hilfe für pflegende Angehörige
In Templin richtet sich die Seminarreihe „Hilfe beim Helfen“ ab September an Angehörige von Demenzkranken. Acht Termine vermitteln Wissen und Entlastungsmöglichkeiten – im Anschluss soll eine Selbsthilfegruppe entstehen. Organisiert werden solche Angebote meist von Krankenkassen und regionalen Bildungswerken.
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Internationale Rekrutierung und neue Spezialisierungen
Eine Schule für Gesundheitsberufe im Bergischen Land verzeichnete zuletzt einen Jahrgang mit Absolventen aus Ägypten, Brasilien und China. Von den 27 erfolgreichen Prüfungsteilnehmern bleibt ein Großteil beim Ausbildungsträger, andere planen ein Studium.
In Duisburg entsteht parallel eine Qualifizierung für Pflegefachkräfte, die sich auf Kinder und Jugendliche spezialisieren. Der Trend zur Spezialisierung soll die Versorgungsqualität auch in komplexen Pflegefeldern sichern.
Streit ums Pflegeneuordnungsgesetz
Die Diakonie im Kirchenkreis Kleve kritisiert den Entwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) scharf. Tarifliche Lohnsteigerungen könnten künftig nicht mehr vollständig refinanziert werden, zudem drohen Entlastungsbeträge für bestimmte Pflegegrade zu entfallen.
In der Politik werden Modifikationen diskutiert: Geplante Rentenkürzungen für pflegende Angehörige und Entlastungsgrenzen für Heimbewohner mit hohen Eigenanteilen stehen zur Debatte. Als Alternative gilt ein verpflichtender Ausgleich durch die private Pflegeversicherung – mit einem Volumen von über drei Milliarden Euro.
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Ein GKV-Rundschreiben vom 2. April präzisiert zudem: Fehlen vorgeschriebene Beratungsnachweise oder wird Verhinderungspflege genutzt, drohen Kürzungen des Pflegegeldes um bis zu 75 Prozent. Experten fordern frühzeitige Aufklärung über die Nachweispflichten.
Krankheitsbilder verändern sich
Die demografische Entwicklung verschiebt die Anforderungen an die Pflege. Eine schwedische Langzeitstudie zeigt: Bei den 60- bis 90-Jährigen sinken Herzinfarkt- und Schlaganfallraten deutlich, während Krebsdiagnosen zunehmen.
Die NAKO-Studie offenbart zudem Lücken in der Früherkennung: Bei 195.000 untersuchten Erwachsenen zeigten fast 20 Prozent auffällige Nierenwerte – die meisten wussten nichts davon. Fachleute fordern deshalb stärkere Screening-Verfahren und die Anpassung medizinischer Leitlinien, etwa bei der Prostatakrebs-Vorsorge, um chronische Erkrankungen früher zu erkennen und Kosten zu begrenzen.
