Stent, Bypass

Stent oder Bypass: IRIS-MAIN findet keinen Unterschied bei der Zehn-Jahres-Mortalität

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei 5.379 asiatischen Patienten zeigte sich langfristig kein signifikanter Mortalitätsunterschied; Herzinfarkte und Folgeeingriffe waren nach Stents häufiger.
Ein moderner, steriler Krankenhausflur in einer klinischen Umgebung ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Die Frage nach dem optimalen Therapieverfahren bei Verengungen der ungeschützten linken Hauptkoronararterie zählt zu den zentralen Debatten der interventionellen Kardiologie und Herzchirurgie.

Am 3. November 2026 stellte ein Forschungsteam des südkoreanischen Asan Medical Center, dem unter anderem Prof. Park Duk-Woo, Park Seung-Jung, Kang Do-yoon und Wi Seong-bong angehören, auf dem Kongress Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) 2026 in San Diego die Ergebnisse der groß angelegten IRIS-MAIN-Studie vor.

Die Auswertung, die zeitgleich im Fachjournal The Lancet mit einem Impact Factor von 109,0 publiziert wurde, analysiert die Langzeitergebnisse von Stent-Implantationen im direkten Vergleich zur Bypass-Operation.

Bereits 1998 hatte Park Seung-Jung am Asan Medical Center weltweit die erste Implantation eines Stents in der linken Hauptkoronararterie vorgenommen. Die neue Registerstudie umfasst nun Daten von 5.379 Patienten aus 46 Kliniken in fünf asiatischen Ländern – darunter Südkorea, Indien, Japan, Indonesien und Malaysia –, die zwischen 2003 und 2024 rekrutiert wurden.

Zehn-Jahres-Mortalität ohne statistisch signifikanten Unterschied

Im Fokus der Untersuchung stand die Gesamtmortalität über einen Zehn-Jahres-Zeitraum. Nach Angaben des Asan Medical Center lag die kumulative Sterblichkeitsrate nach zehn Jahren bei 24,0 Prozent in der Stent-Gruppe gegenüber 22,9 Prozent in der Bypass-Gruppe. Es zeigte sich dabei kein statistisch signifikanter Unterschied.

Auch ein Rückblick des American College of Cardiology (ACC) bestätigte, dass das IRIS-MAIN-Register bei asiatischen Patienten mit ungeschützter linker Hauptkoronararterie keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Langzeit-Gesamtmortalität nach perkutaner Koronarintervention im Vergleich zum Bypass nachweist.

Eine Aufschlüsselung der Mortalität nach Zeitperioden durch das Asan Medical Center verdeutlicht den Verlauf über die Jahre:
- In der Phase unter einem Jahr betrug die Sterblichkeit 3,2 Prozent bei Stents gegenüber 3,4 Prozent bei Bypässen.
- Im Zeitraum von einem bis fünf Jahren beliefen sich die Werte auf 9,2 Prozent bei Stents und 8,4 Prozent bei Bypässen.
- Zwischen fünf und zehn Jahren lag die Quote bei 14,3 Prozent nach Stent-Behandlung gegenüber 12,5 Prozent nach einer Bypass-Operation.

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Die Wahl zwischen Stent und Bypass bei ungeschützter linker Hauptkoronararterie bleibt eine Einzelfallentscheidung — die Zehn-Jahres-Mortalität unterscheidet sich in den neuen Registerdaten nicht signifikant, wohl aber das Komplikationsprofil. Der Leitfaden führt Sie in drei Schritten durch die relevanten Endpunkte. Kostenlosen Praxisleitfaden jetzt anfordern

Differenziertes Bild bei spezifischen Komplikationen

Während die Gesamtmortalität auf lange Sicht vergleichbar blieb, zeigten sich bei den spezifischen Endpunkten deutliche Abweichungen zwischen beiden Verfahren. Bei Patienten mit Stent traten periprozedurale Myokardinfarkte mit 1,8 Prozent häufiger auf als in der Bypass-Gruppe mit 0,4 Prozent.

Auch spontane Herzinfarkte wurden nach Stent-Eingriffen mit 4,6 Prozent registriert, verglichen mit 1,9 Prozent nach Bypässen. Eine erneute Intervention am Zielgefäß war bei 11,8 Prozent der Stent-Patienten erforderlich, während dies nach einer Bypass-Operation nur bei 4,6 Prozent der Fall war.

Umgekehrt wies die Stent-Gruppe ein geringeres Schlaganfallrisiko auf: Hier lag die Rate bei 3,0 Prozent gegenüber 6,2 Prozent bei den operierten Patienten.

Methodische Einordnung und Vergleich mit bestehenden Daten

Das Forschungsteam des Asan Medical Center weist darauf hin, dass es sich bei IRIS-MAIN um eine Beobachtungsstudie ohne Randomisierung handelt und die Ergebnisse teilweise von westlichen Studien abweichen.

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Nach einer Stent-Implantation am Hauptstamm ist die erneute Intervention am Zielgefäß deutlich häufiger als nach Bypass — dafür ist das Schlaganfallrisiko niedriger. Wer diese Abwägung strukturiert dokumentieren will, findet im Leitfaden die Vergleichszahlen und eine Entscheidungshilfe nach Komplikationsprofil. Entscheidungshilfe jetzt herunterladen

Frühere Untersuchungen zeigten unterschiedliche Tendenzen: Eine internationale Studie aus dem Jahr 2019 mit 1.905 Patienten aus 17 Ländern bezifferte die Mortalitätsraten auf 13,0 Prozent für Stents und 9,9 Prozent für Bypässe. Eine frühere Erhebung des Asan Medical Center mit 600 Patienten aus 13 südkoreanischen Kliniken ermittelte Werte von 14,5 Prozent gegenüber 13,8 Prozent.

Eine im April 2026 in The Lancet veröffentlichte europäische Untersuchung wies wiederum Mortalitätsraten von 23 Prozent für Stents und 25 Prozent für Bypass-Operationen aus. Die aktuellen Auswertungen liefern damit weitere Grundlagen für künftige Behandlungsentscheidungen bei KHK-Patienten im asiatischen Raum.

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