Steam-Untersuchung: Bundesnetzagentur prüft DSA-Verstöße
12.06.2026 - 21:31:59 | boerse-global.de
Im Fokus stehen unzureichende Maßnahmen gegen illegale Inhalte.
Die Bundesnetznetzagentur hat am heutigen Freitag ein formelles Untersuchungsverfahren gegen Steam eröffnet. Als zuständige Digital Services Coordinator (DSC) prüft die Behörde, ob der von Valve Corporation betriebene Dienst seine Sorgfaltspflichten nach dem Digital Services Act (DSA) verletzt hat.
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Spiel mit rassistischer Gewalt löste Ermittlungen aus
Auslöser der Untersuchung war ein Spiel mit dem Titel Plantation Simulator, das offenbar Sklaverei simulierte und rassistische Gewalt darstellte. Zwar zog der Entwickler den Titel nach öffentlichen Protesten zurück und modifizierte ihn. Doch die Bundesnetzagentur bemängelt: Steam habe keinerlei Hinweise darauf gegeben, den Inhalt trotz eingegangener Beschwerden geprüft oder eine Entscheidung getroffen zu haben.
Die Behörde konzentriert sich nun auf die Frage, ob die Melde- und Beschwerdemechanismen von Steam den Anforderungen des DSA genügen. Es gehe darum, strukturelle Mängel im Umgang mit Meldungen über illegale oder schädliche Inhalte zu identifizieren, so die Regulierungsbehörde. Informationen der französischen Aufsichtsbehörde Arcom hätten die Einleitung des Falls unterstützt. Sollte sich der Verdacht systemischer Mängel bestätigen, drohen Steam Anordnungen oder empfindliche Geldstrafen.
Kartellrechtsklage in den Niederlanden
Parallel zu den deutschen Ermittlungen bekommt Valve juristischen Gegenwind aus den Niederlanden. Die Stiftung Consumer Competition Claims (CCC) hat dort ein Vorverfahren eingeleitet. Der Vorwurf: Missbrauch von Marktmacht.
Die Stiftung schätzt den Marktanteil von Steam auf rund 85 Prozent. Diese Dominanz erlaube es der Plattform, Entwicklern und Kunden unfaire Bedingungen zu diktieren. Zu den zentralen Vorwürfen gehören sogenannte Meistbegünstigungsklauseln (MFN-Klauseln) – sie verbieten Entwicklern, ihre Spiele auf anderen Plattformen günstiger anzubieten. Auch die verpflichtende Nutzung des Steam-Wallets steht in der Kritik.
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Die Folgen für die Verbraucher sind laut CCC massiv: Rund zwei Millionen niederländische Steam-Nutzer hätten überhöhte Preise gezahlt. Der Gesamtschaden seit 2013 belaufe sich auf über 220 Millionen Euro – das entspricht im Schnitt mehr als 130 Euro Mehrkosten pro Konto.
Internationale Klagewelle gegen Valves Geschäftsmodell
Der niederländische Vorstoß reiht sich in eine wachsende Zahl kartellrechtlicher Verfahren gegen Valve ein. Die Liste der juristischen Fronten ist lang:
- Großbritannien: Eine Sammelklage über umgerechnet rund 760 Millionen Euro wurde im Januar 2026 zugelassen.
- USA: Ein Kartellverfahren zu Steams Preispolitik läuft seit 2024.
- Europäische Union: Die EU-Kommission verhängte zwischen 2021 und 2023 bereits Strafen gegen Valve wegen Geo-Blocking – also der Behinderung grenzüberschreitender Verkäufe.
Valve hat die Vorwürfe wettbewerbswidrigen Verhaltens in der Vergangenheit stets zurückgewiesen. Das Unternehmen kann nun zu den Vorwürfen der Bundesnetzagentur Stellung nehmen. Die Behörde will klären, ob die internen Prozesse der Plattform den aktuellen europäischen Standards für digitale Sicherheit entsprechen.
