Statine, Zuckerstoffwechsel

Statine und Zuckerstoffwechsel: Stanford-Studie misst 8 Prozent mehr Insulinresistenz

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei gesunden Erwachsenen stiegen unter Atorvastatin Insulinresistenz und -ausschüttung; Berechnungen zeigen zugleich kardiovaskulären Nutzen.
Ein steriler Labortisch mit Glasfläschchen und einer Zentrifuge in einer hellen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Cholesterinsenkende Medikamente aus der Gruppe der Statine gehören zu den am häufigsten verordneten Wirkstoffen in der Prävention und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Gleichzeitig werfen wissenschaftliche Untersuchungen Fragen zu ihren metabolischen Effekten auf.

Eine im Fachjournal Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology veröffentlichte Untersuchung der Stanford University analysierte die direkten Auswirkungen einer Statintherapie auf den Zuckerstoffwechsel von Personen ohne Vorerkrankungen.

Stanford-Studie untersucht metabolische Reaktionen

In der Stanford-Studie erhielten 75 Erwachsene ohne bestehende Diabetes- oder Herzerkrankung täglich 40 mg Atorvastatin über einen Zeitraum von zehn Wochen. Insgesamt 71 probanden schlossen die Untersuchung ab. Das mediane Alter der Teilnehmenden lag bei 61 Jahren, der Frauenanteil betrug 37 Prozent und der mediane Body-Mass-Index (BMI) belief sich auf 27,8.

Die Ergebnisse zeigten einen medianen Anstieg der Insulinresistenz um 8 Prozent sowie eine Zunahme der Insulinsekretion um 9 Prozent. Diese metabolischen Veränderungen traten unabhängig von Gewichtsveränderungen auf und wiesen keinen statistischen Zusammenhang mit dem Ausmaß der LDL-Cholesterinsenkung auf.

Bei 46 Prozent der Probanden stiegen Resistenz und Sekretion gemeinsam an, während bei 14 Prozent die Insulinresistenz zunahm, die Sekretion hingegen abfiel. Die Autoren wiesen darauf hin, dass es sich um eine kleine Untersuchung ohne separate Kontrollgruppe handelte.

Umfassendere Analysen größerer Studien zeigen insgesamt einen geringfügigen Anstieg neuer Diabetesdiagnosen unter Statinen, der insbesondere bei Patienten mit bereits vorbestehend erhöhten Blutzuckerwerten relevant ist.

Auch eine indische Pilotstudie an 24 Personen mit Typ-2-Diabetes dokumentierte messbare metabolische Verschiebungen unter einer dreimonatigen Behandlung mit 10 mg Atorvastatin zur Nacht. Dabei stiegen die Blutketone von 0,16 auf 0,26 mmol/L, der Nüchternblutzucker von 133,8 auf 143,3 mg/dL und der postprandiale Blutzucker von 193,0 auf 211,0 mg/dL an.

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Nutzen-Risiko-Verhältnis und Risikofaktoren

Trotz der dokumentierten Einflüsse auf den Glukosestoffwechsel betonen Modellrechnungen der Stanford-Forscher den übergeordneten kardiovaskulären Nutzen der Therapie. Bei einer Gruppe von 10.000 Personen mit einem fünf- bis zehnprozentigen kardiovaskulären Risiko über fünf Jahre führt die Behandlung rechnerisch zu etwa 100 zusätzlichen Typ-2-Diabetes-Fällen, verhindert im selben Zeitraum jedoch rund 500 kardiovaskuläre Ereignisse.

Ein erhöhtes Diabetesrisiko tritt insbesondere bei intensiver Statinbehandlung mit hohen Dosen von Wirkstoffen wie Atorvastatin oder Rosuvastatin auf. Als wesentliche Risikofaktoren gelten vorbestehender Prädiabetes, Adipositas, hohe Triglyceridwerte, arterielle Hypertonie, familiäre Vorbelastung sowie das metabolische Syndrom. Ein eigenmächtiges Absetzen der Medikation wird in der Fachliteratur ausdrücklich nicht empfohlen.

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Adhärenz und kardiovaskuläre Ergebnisse

Wie bedeutsam eine kontinuierliche Einnahme für das kardiovaskuläre Gesamtrisiko bleibt, verdeutlichte eine multizentrische Beobachtungsstudie aus italienischen Nefrocenter-Diabeteszentren an 1.959 Patienten mit Typ-2-Diabetes, Adipositas und moderater Dyslipidämie.

Bei vollständiger Therapietreue sanken das Gesamtcholesterin um 23,5 Prozent, das LDL-Cholesterin um 35,7 Prozent sowie die Triglyceride um 37,1 Prozent, während das HDL-Cholesterin um 29,7 Prozent stieg.

Das berechnete Zehn-Jahres-Herz-Kreislauf-Risiko bei Männern sank bei guter Adhärenz von ausgangs 22,74 Prozent auf 11,05 Prozent nach zwölf Monaten, stieg bei Nicht-Adhärenz hingegen auf 35,11 Prozent.

Als Hauptgründe für mangelnde Therapietreue ermittelten die Forscher unter anderem Ängste vor Nebenwirkungen und negative Einflüsse durch soziale Medien. Beobachtungsdaten weisen zudem darauf hin, dass ein früher Beginn einer Statintherapie nach einer Typ-2-Diabetes-Diagnose mit einem geringeren Risiko für vaskuläre Demenz einhergeht.

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