Statine, Nieren

Statine und Nieren: Rosuvastatin erhöht Proteinurie-Risiko

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 10:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen Vorteile von Statinen für das Herz, aber auch mögliche Nieren- und Wechselwirkungsrisiken sowie offene Fragen im Alter.

Statine im Fokus: Nutzen, Nierenrisiken und problematische Kombinationen
Moderne medizinische Laborausstattung mit Glasvögeln und sterilen Geräten in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Forschung liefert derzeit differenzierte Erkenntnisse über die Wirkung von Statinen auf die kardiovaskuläre und renale Gesundheit. Während die lipidsenkenden Medikamente als Standardtherapie zur Reduktion von Herzinfarkten und Schlaganfällen gelten, rücken potenzielle Nebenwirkungen auf die Nierenfunktion sowie komplexe Wechselwirkungen mit Blutdruckmedikamenten stärker in den Fokus wissenschaftlicher Analysen.

Differenzierte Auswirkungen auf die Nierenfunktion

Untersuchungen, die unter anderem im Journal of the American Society of Nephrology thematisiert wurden, vergleichen die Wirkung verschiedener Statine auf die Nierengesundheit von über 900.000 Erwachsenen. Dabei zeigten Nutzer von Rosuvastatin im Vergleich zu Atorvastatin häufiger Anzeichen von Hämaturie und Proteinurie.

In einigen Fällen wurde sogar die Notwendigkeit einer Dialyse beobachtet. Den Analysen zufolge steige dieses Risiko proportional zur Dosierung des Medikaments. Fachleute empfehlen daher eine regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte bei Patienten, die eine entsprechende Therapie erhalten.

Parallel dazu zeigen Daten der FIND-CKD-Phase-III-Studie, die beim ERA-Kongress in Glasgow vorgestellt wurden, Fortschritte bei der Behandlung chronischer Nierenerkrankungen (CKD) ohne Diabetes-Hintergrund. Der Wirkstoff Finerenone konnte den jährlichen Abfall der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) im Vergleich zu einem Placebo signifikant verringern.

In einer weiteren Untersuchung aus Südkorea bei Patienten mit Typ-2-Diabetes führte der Einsatz von Finerenone über sechs Monate zu einer Reduktion der Albuminurie um 30,3 %. In Österreich gelten knapp 10 % der Bevölkerung als chronisch nierenkrank, wobei Leitlinien bei Risikofaktoren wie Hypertonie oder Diabetes ein jährliches Screening fordern.

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Prävention im Alter: Die Ergebnisse der STAREE-Untersuchung

Ein zentraler Bestandteil der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion ist die STAREE-Studie, deren Ergebnisse unter anderem im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurden. In dieser Untersuchung erhielten fast 10.000 Personen ab einem Alter von 70 Jahren ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen täglich 40 mg Atorvastatin oder ein Placebo.

Über einen Beobachtungszeitraum von median 5,9 Jahren sank das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse unter Atorvastatin von 8,3 % auf 6,0 %. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion von etwa 30 %.

Trotz dieser signifikanten Senkung des Risikos für einen ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall ergab die Studie keinen signifikanten Vorteil hinsichtlich des behinderungsfreien Überlebens oder der Vermeidung von Demenz und Tod. Die Rate schwerer Nebenwirkungen war mit jeweils 2,7 % in beiden Gruppen identisch.

Ergänzend dazu deutet eine dänische Beobachtungsstudie an über 132.000 Typ-2-Diabetikern darauf hin, dass ein früher Therapiestart mit Statinen nach der Diagnose mit einem um 15 % geringeren relativen Demenzrisiko verbunden sein könnte.

Riskante Kombinationen und klinische Empfehlungen

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung liegt auf potenziell schädlichen Verschreibungskaskaden. Wissenschaftler der University of Toronto identifizierten im British Medical Journal (BMJ) 24 solcher Kaskaden.

Besonders riskant sei demnach die Kombination von Statinen mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID) wie Ibuprofen, da dies das Risiko für Nierenschäden und Magenblutungen erhöht. Ältere Frauen seien von diesen Wechselwirkungen überproportional häufig betroffen.

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Zudem untersuchten Forscher der University of Alabama die Auswirkungen von Simvastatin auf die Muskulatur. In mittlerer Dosierung halbiere der Wirkstoff die Teilungsfähigkeit von Satellitenzellen, was die Muskelregeneration verlangsamen könne. Dr. Anna Thalacker-Mercer betonte die Notwendigkeit weiterer Studien zu diesem Effekt, insbesondere bei älteren Patienten.

Ein Review der University of Maryland im International Journal of Molecular Sciences weist zudem darauf hin, dass Statine bei anfälligen Personen eine Myasthenia gravis auslösen oder verschlimmern könnten, wobei die Evidenz bislang eine Assoziation, aber keinen kausalen Beweis zeigt.

Hinsichtlich der Blutdrucktherapie liefert eine Studie der Columbia-Universität neue Erkenntnisse zu Diuretika. Der Wirkstoff Chlorthalidon erhöhe das Risiko für eine Hypokaliämie im Vergleich zu Hydrochlorothiazid um das Dreifache (6,3 % vs. 1,9 %). Experten raten daher zu einer verstärkten Kontrolle des Kaliumspiegels und der Nierenfunktion bei der Anwendung dieser Präparate.

Mehr zum Thema bei Augsburger Allgemeine: „Bluthochdruck erhöht Risiko für Herz und Nieren“

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