Statine, Teilnehmenden

Statine: Nur 35,9 Prozent der 1.959 Teilnehmenden hielten die Therapie ein

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 14:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach zwölf Monaten nahmen nur 35,9 Prozent der Studienteilnehmenden Statine vollständig ein; Nutzen und Risiken im Alter bleiben umstritten.
Ein minimalistischer, heller Untersuchungsraum mit einem Holztisch und einem Stuhl vor einer grauen Wand bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen beleuchten die Hintergründe einer unzureichenden Therapietreue bei der Einnahme von Statinen. Parallel dazu weisen Fachleute auf die Risiken einer potenziellen Übermedikation bei älteren Patientinnen und Patienten hin. Beide Aspekte zeigen, wie anspruchsvoll das langfristige Therapiemanagement bei lipidsenkenden Behandlungen in der Praxis ist.

Einflussfaktoren auf die Einnahmetreue bei kardiovaskulären Risiken

In einer retrospektiven Beobachtungsstudie des Nefrocenter Research unter der Leitung von Strollo und Kollegen, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Diabetes Therapy (2026), wurden Behandlungsdaten aus den Jahren 2023 bis 2025 ausgewertet.

Untersucht wurden 1.959 Personen mit Typ-2-Diabetes, metabolischem Syndrom, einem Body-Mass-Index von über 30 kg/m² sowie moderater Dyslipidämie. Den Betroffenen waren entweder 20 mg Simvastatin täglich oder jeweils 10 mg Atorvastatin beziehungsweise Rosuvastatin täglich verordnet worden.

Nach einer Behandlungsdauer von zwölf Monaten hielten sich lediglich 35,9 Prozent der Teilnehmenden vollständig an die verordnete Therapie. Weitere 50,4 Prozent nahmen die Medikamente nur teilweise ein, während 13,7 Prozent die Einnahme gänzlich unterließen.

Die Studiendaten belegen den therapeutischen Nutzen einer lückenlosen Einnahme: Bei voller Therapietreue sanken das Gesamtcholesterin statistisch signifikant um 23,5 Prozent, das LDL-Cholesterin um 35,7 Prozent und die Triglyzeride um 37,1 Prozent, während das HDL-Cholesterin um 29,7 Prozent stieg.

Als Faktoren für eine mangelnde Adhärenz identifizierten die Forschenden Polypharmazie, Muskelschmerzen, ein niedrigeres Bildungs- und Einkommensniveau sowie Arbeitslosigkeit und Alleinleben. Zudem spielten Informationsquellen und Einstellungen eine wesentliche Rolle: Ein negativer Einfluss durch soziale Medien zeigte sich bei 53 Prozent der teilweise und 69 Prozent der nicht adhärenten Patienten.

Sorgen vor Nebenwirkungen bestanden bei 57 Prozent beziehungsweise 65 Prozent, während 66 Prozent beziehungsweise 78 Prozent ein fehlendes Risikobewusstsein aufwiesen. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen die Ergebnisse jedoch keine Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge zu.

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Abwägung von Nutzen und Risiken im höheren Lebensalter

Gleichzeitig fordern Fachleitlinien eine kritische Bestandsaufnahme bei älteren Patienten. Laut den Empfehlungen der Plattform deprescribing.com sollte eine gezielte Dosisreduktion oder das Absetzen von Statinen erwogen werden, sobald Belastungen oder Nebenwirkungen den Nutzen der Therapie übersteigen. Dies gelte insbesondere für die Primärprävention sowie bei Statin-assoziierten Muskelschmerzen.

Ein dokumentiertes Fallbeispiel veranschaulicht diesen Ansatz: Eine 87-jährige Patientin, die Atorvastatin in einer Dosierung von 40 mg täglich seit 15 Jahren zur Primärprävention einnahm, wies einen LDL-Wert von 2 mmol/L sowie Muskelbeschwerden auf. Nach einer strukturierten Überprüfung entschieden Arzt und Patientin gemeinsam, das Präparat abzusetzen.

Fachärzte wie Dr. Amir Khan mahnen vor diesem Hintergrund regelmäßige Kontrollen an, insbesondere bei Verordnungen von Statinen, Ramipril und Metformin. Körpergewicht sowie Nieren- und Leberfunktion veränderten sich über die Jahre, wodurch medikamentenbedingte Symptome mitunter fälschlicherweise als neue Erkrankungen gedeutet würden.

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Demnach nehmen laut Berichten über 8 Millionen Menschen mindestens fünf Medikamente ein. In Irland erhalten sechs von zehn Personen ab einem Alter von 65 Jahren mindestens fünf Präparate, zwei von zehn sogar zehn oder mehr.

Das Irish Health Review Board weist darauf hin, dass Nebenwirkungen zu ernsten Problemen wie Stürzen, Magenblutungen oder Nierenfunktionsstörungen führen können. Betroffene sollten Präparate jedoch keinesfalls eigenmächtig absetzen. Pharmazeuten in Hausarztpraxen gelten als besonders geeignet, solche Medikationsüberprüfungen vorzunehmen.

Kontroverse Evidenzlage bei über 75-Jährigen

Die klinische Datenlage zum Absetzen im Seniorenalter bleibt Gegenstand fachlicher Diskussionen. Eine französische Studie mit 1.160 Erwachsenen ab 75 Jahren verglich Personen, die Statine absetzten, mit solchen, die die Einnahme fortführten. Nach drei Jahren lag die Sterblichkeit in beiden Gruppen nahezu gleichauf bei 7,2 Prozent gegenüber 7,9 Prozent, wenngleich das LDL-Cholesterin in der Absetzgruppe um 50 Prozent anstieg.

Kritiker bemängeln jedoch das Design dieser Untersuchung. Nach Einschätzung von Professor Storey sind die Nachbeobachtungszeit von drei Jahren sowie die Kohorte von 1.160 Personen zu gering dimensioniert, um verlässliche Aussagen über Mortalitätseffekte zu treffen; hierfür seien Zehntausende Teilnehmende nötig.

Zudem fehlten in der Auswertung Angaben zur Lebensqualität, zur gleichzeitigen Einnahme weiterer Medikamente sowie zu Begleitsymptomen wie Muskelschmerzen oder kognitiven Einschränkungen.

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