Statine im Alter: 30% weniger Herzinfarkte bei über 70-Jährigen
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 12:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die präventive Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im fortgeschrittenen Lebensalter steht im Fokus neuer klinischer Analysen. Aktuelle Daten aus groß angelegten Studien liefern detaillierte Erkenntnisse darüber, wie eine Therapie mit Cholesterinsenkern bei über 70-Jährigen wirkt.
Insbesondere die Ergebnisse der australischen STAREE-Studie sowie ergänzende Untersuchungen aus Europa präzisieren das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiken einer Statintherapie in dieser Altersgruppe.
Deutliche Senkung des kardiovaskulären Risikos durch Atorvastatin
In der im September 2026 im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlichten STAREE-Studie wurde untersucht, welchen Effekt das Statin Atorvastatin auf die Gesundheit von Senioren ohne Vorerkrankungen hat.
An der Untersuchung nahmen knapp 10.000 selbstständig lebende Personen im Alter von über 70 Jahren teil. Ein wesentliches Kriterium für die Teilnahme war das Fehlen bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Demenz zu Beginn der Studie.
Die Teilnehmer wurden über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet, wobei die aktive Behandlungsphase mit 40 mg Atorvastatin täglich knapp sechs Jahre umfasste. Die Auswertung ergab, dass die medikamentöse Behandlung das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse signifikant reduzierte.
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Während in der Placebogruppe 8,3 % der Teilnehmer ein solches Ereignis erlitten, lag dieser Wert in der Atorvastatin-Gruppe bei 6,0 %. Dies entspricht einer Risikosenkung von 30 %.
Hinsichtlich anderer Alterserscheinungen lieferte die STAREE-Studie jedoch neutrale Ergebnisse. Die Forscher stellten fest, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen der Statin- und der Placebogruppe gab, was die Entwicklung von Demenz oder die Erhaltung der körperlichen Funktionen betraf.
Zusammenhang zwischen Statinen und Demenzrisiko bei Diabetes
Weitere Erkenntnisse zur Rolle von Statinen im Alter lieferte eine dänische Kohortenstudie, deren Ergebnisse ebenfalls im September 2026 im Rahmen des ESC-Kongresses sowie in der Fachzeitschrift Lancet Regional Health – Europe vorgestellt wurden. Diese Beobachtungsstudie umfasste Daten von 132.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes.
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Die Analyse deutet darauf hin, dass Statine einen positiven Einfluss auf das Demenzrisiko bei Diabetikern haben könnten. Laut der Studie senkte eine frühzeitig begonnene Statintherapie das Demenzrisiko innerhalb von zehn Jahren um 15 %.
Wurde die Therapie erst zu einem späteren Zeitpunkt eingeleitet, betrug die Reduktion des Risikos noch 10 %. Die Autoren betonten jedoch, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die einen statistischen Zusammenhang aufzeige, aber keinen endgültigen Beweis für eine Kausalität liefere.
Keine Vorteile durch das Absetzen der Therapie im hohen Alter
Ergänzt wird das aktuelle Forschungsbild durch eine Untersuchung aus Frankreich. Diese befasste sich mit der Frage, ob das Absetzen von Statinen bei über 75-Jährigen ohne bestehende Gefäßerkrankungen sinnvoll ist. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Beenden der Medikation in dieser Altersgruppe keine Vorteile bringt.
Zusammenfassend bestätigen die vorliegenden Daten aus dem September 2026 den Nutzen einer kontinuierlichen Cholesterinsenkung zur Vermeidung schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse im Alter.
Während die kardiovaskulären Vorteile insbesondere bei der Primärprävention deutlich belegt wurden, bleibt der Einfluss auf kognitive Funktionen ein Thema für weitere differenzierte Untersuchungen, insbesondere bei spezifischen Risikogruppen wie Patienten mit Typ-2-Diabetes.
