Statine, Bordeaux-Studie

Statine ab 75: Bordeaux-Studie findet nach dem Absetzen keine höhere Sterblichkeit

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei älteren Menschen ohne Gefäßvorgeschichte blieb die Sterblichkeit nach dem Absetzen über drei Jahre vergleichbar.

Statine ab 75: Studie untersucht Folgen des Absetzens
Ein heller, sonnendurchfluteter Wohnraum mit Blick in einen ruhigen Garten, der eine Atmosphäre von Gelassenheit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die lipidsenkende Therapie mit Statinen gehört weltweit zu den am häufigsten verordneten medikamentösen Behandlungen. Während der Nutzen bei bestehenden Gefäßerkrankungen unbestritten ist, wird der Stellenwert in der reinen Primärprävention bei älteren Menschen in der Medizin intensiv diskutiert.

Eine Untersuchung des Universitätsklinikums Bordeaux (CHU Bordeaux) liefert wesentliche Erkenntnisse zur Frage, welche Folgen ein kontrolliertes Absetzen der Cholesterinsenker bei über 75-Jährigen ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen hat.

Keine erhöhte Sterblichkeit nach Beendigung der Therapie

Die im Fachjournal The Lancet Healthy Longevity veröffentlichte Untersuchung unter Leitung der Forscher Fabrice Bonnet und Jean-Philippe Joseph begleitete insgesamt 1180 Teilnehmer, die seit mindestens einem Jahr Statine einnahmen. Über einen Nachbeobachtungszeitraum von drei Jahren wurde verglichen, wie sich das Fortführen oder das Absetzen der Medikation auf die Gesundheit der Senioren auswirkte.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Beenden der Einnahme in dieser Altersgruppe nicht zu einer Verkürzung der Überlebenszeit führte:
* In der Gruppe, die die Statintherapie fortführte (604 Personen), wurden 48 Todesfälle verzeichnet, was einem Anteil von 7,9 Prozent entspricht.
* In der Absetzgruppe (484 Personen) starben 35 Teilnehmer, was einer Quote von 7,2 Prozent entspricht.

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Zudem ergaben die Auswertungen keine signifikanten Unterschiede beim Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Auch schwere unerwünschte Ereignisse oder damit verbundene Krankenhausaufenthalte stiegen nach dem Absetzen über die drei Jahre hinweg nicht an.

Cholesterinspiegel und Lebensqualität im Verlauf

Infolge des Absetzens stieg das LDL-Cholesterin bei den betroffenen Patienten wieder an. Eine messbare allgemeine Verbesserung der Lebensqualität konnte im Gesamtkollektiv nicht festgestellt werden. Allerdings berichteten einzelne Patienten nach dem Absetzen über subjektive Verbesserungen des Wohlbefindens, darunter ein Nachlassen von Muskelschmerzen sowie eine geringere Müdigkeit.

Zusätzliche Beobachtungen aus dem kardiologischen Umfeld spiegeln diese Abwägung wider: So verwies die European Society of Cardiology in einem Kommentar zu einer Atorvastatin-Studie bei älteren Erwachsenen ohne Vorerkrankungen darauf, dass unter Statinen zwar eine Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse um 30 Prozent beobachtet wurde, dies jedoch nicht zu einer signifikanten Verbesserung des behinderungsfreien Überlebens führte.

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Zugleich traten Muskelbeschwerden, Leberenzymveränderungen und diabetesbezogene Begleiterscheinungen in der Behandlungsgruppe häufiger auf, wenngleich schwere Nebenwirkungen selten blieben.

Keine pauschale Empfehlung: Primär- versus Sekundärprävention

Trotz der neutralen Sterblichkeitsdaten formulieren die Studienautoren des CHU Bordeaux kein Plädoyer für ein generelles Absetzen von Statinen ab dem 75. Lebensjahr. Entscheidend sei die strikte Unterscheidung des individuellen Risikoprofils.

Bei Personen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben (Sekundärprävention), bleibt der gefäßschützende Nutzen von Statinen nachweislich sehr solide. Ein eigenmächtiges Absetzen der Medikation gilt daher als riskant und sollte unterbleiben.

Für Senioren ohne derartige kardiovaskuläre Vorgeschichten empfehlen Mediziner vielmehr eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung, die im gemeinsamen Gespräch zwischen Hausarzt und Patient getroffen werden sollte.

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de | wissenschaft | 70312962 |