Statine ab 70: STAREE-Studie belegt 30 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Risiko
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die präventive Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei hochbetagten Menschen ohne Vorerkrankungen war in der Medizin lange von Unsicherheiten geprägt.
Neue klinische Daten aus Australien liefern nun eindeutige Belege für den Nutzen einer lipidsenkenden Therapie im Alter: Die von der Monash University geleitete STAREE-Studie zeigt, dass Statine das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle bei älteren Personen ohne vorangegangene Herz-Kreislauf-Erkrankung deutlich verringern können.
Die Resultate der Untersuchung wurden im New England Journal of Medicine publiziert und auf dem Kongress 2026 der European Society of Cardiology vorgestellt.
Signifikante Risikoreduktion bei über 70-Jährigen
Die randomisierte und placebokontrollierte Studie untersuchte 9.971 Erwachsene im Alter ab 70 Jahren, was knapp 10.000 Probanden entspricht. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 74,7 Jahren, während die mediane Nachbeobachtungszeit 5,9 Jahre betrug. Untersucht wurden ansonsten gesunde Menschen, die zuvor weder an einer Herzerkrankung noch an Diabetes oder Demenz litten.
Im Rahmen des Studienprotokolls erhielt etwa die Hälfte der Teilnehmenden täglich 40 mg Atorvastatin, während die andere Gruppe mit einem Placebo behandelt wurde. Nach sechs Jahren zeigte sich in der Statin-Gruppe eine signifikante Schutzwirkung: Das relative Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Vorfälle – darunter Herzinfarkte, Schlaganfälle sowie größere kardiovaskuläre Eingriffe – sank durch die Einnahme des Wirkstoffs um 30 %.
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Erkenntnisse zu Sicherheit und Demenzrisiko
Neben den vaskulären Effekten analysierte die Forschungsarbeit auch den Einfluss der Medikation auf funktionelle Einschränkungen und kognitive Funktionen. Beim behinderungsfreien Überleben zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen der Behandlungs- und der Kontrollgruppe. Die Statintherapie führte weder zu einem Rückgang von Demenz oder Behinderungen, noch ergaben sich Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für derartige Beeinträchtigungen.
Hinsichtlich der Verträglichkeit erwies sich das Präparat in der untersuchten Altersgruppe als sicher. Schwere unerwünschte Ereignisse blieben selten und traten mit jeweils 2,7 % in der Verum- wie auch in der Placebogruppe exakt gleich häufig auf.
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Relevanz für die präventive Versorgungspraxis
Die Ergebnisse besitzen eine hohe Bedeutung für die medikamentöse Primärprävention in alternden Gesellschaften, da Statine zu den am häufigsten verordneten Medikamenten weltweit gehören.
Daten des britischen Gesundheitsdienstes NHS verdeutlichen die Dimension der Verschreibungspraxis: Im Zeitraum 2023/24 erreichten hausärztliche Verordnungen von Statinen oder Ezetimib allein in England rund 5,3 Mio. Menschen.
Die Resultate der Monash University schließen eine Evidenzlücke für die Frage, ob eine Neueinstellung bei beschwerdefreien Senioren über 70 Jahren einen messbaren Nutzen für die Gefäßgesundheit erbringt.
