Statine, Herzinfarkte

Statine: 30% weniger Herzinfarkte bei über 70-Jährigen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die STAREE-Studie zeigt bei gesunden Menschen ab 70 Jahren weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse, aber keinen Demenzvorteil.

STAREE-Studie: Statine senken Herzrisiken bei gesunden Älteren
Medikamentenblister auf einer hölzernen Oberfläche bei natürlichem Lichteinfall als Symbol für medizinische Prävention. Illustration mit AI erstellt.

Klinische Untersuchungen zur präventiven Wirkung von Statinen konzentrierten sich in der Vergangenheit überwiegend auf Patienten unter 75 Jahren mit bestehenden Risikofaktoren wie Diabetes oder einer ausgeprägten Hypercholesterinämie.

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere die großangelegte STAREE-Studie der australischen Monash University, liefern nun eine fundierte Datenbasis für die Behandlung gesunder Erwachsener im höheren Lebensalter.

Die im Spätsommer 2026 beim ESC-Kongress in München präsentierten und im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die medikamentöse Prävention auch bei über 70-Jährigen ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen signifikante Vorteile bietet.

Ergebnisse der STAREE-Untersuchung zur Herzgesundheit

An der STAREE-Studie (STAtins for Reducing Events in the Elderly) nahmen insgesamt 9.971 Personen im Alter von mindestens 70 Jahren teil. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 74,7 Jahren, wobei der Frauenanteil 52 Prozent betrug.

Ein wesentliches Kriterium für die Teilnahme war das Fehlen von kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes oder Demenz zu Studienbeginn. Die Teilnehmer erhielten in einem randomisierten Verfahren entweder täglich 40 mg Atorvastatin oder ein Placebo.

Nach einem medianen Beobachtungszeitraum von 5,9 Jahren zeigte sich eine deutliche Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse. Das Risiko für Vorfälle wie den kardiovaskulären Tod, nicht tödliche Myokardinfarkte, Schlaganfälle oder Koronarrevaskularisationen sank in der Statin-Gruppe um 30 Prozent (HR 0,70).

Besonders prägnant war der Rückgang bei Myokardinfarkten und Koronarrevaskularisationen, die jeweils um 43 Prozent abnahmen. Die statistische Auswertung ergab eine „Number Needed to Treat“ (NNT) von etwa 37 über einen Zeitraum von sechs Jahren, was den klinischen Nutzen der Therapie unterstreicht.

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Einfluss auf Demenzrisiko und Mortalität

Während die kardiovaskulären Vorteile der Statin-Therapie in der STAREE-Studie klar belegt wurden, ergab die Untersuchung keine signifikante Reduktion hinsichtlich einer Demenzentwicklung oder der Gesamtmortalität. Die Sicherheit der Behandlung wurde hingegen positiv bewertet: Schwere unerwünschte Ereignisse traten mit jeweils 2,7 Prozent in beiden Vergleichsgruppen gleichermaßen auf, was auf eine minimale Nebenlast hindeutet.

Ergänzend dazu lieferte eine dänische Registerstudie, die ebenfalls im Jahr 2026 beim ESC-Kongress vorgestellt wurde, spezifische Einblicke für Patienten mit Typ-2-Diabetes. Die Untersuchung von 132.585 Personen, die zwischen 2006 und 2019 diagnostiziert wurden, zeigte einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt des Statin-Beginns und dem späteren Demenzrisiko.

Ein früher Therapiestart innerhalb eines Jahres nach der Diabetes-Diagnose war mit einem um 15 Prozent geringeren relativen Demenzrisiko über das folgende Jahrzehnt verbunden. Der Studienleiter Dr. Tummas Ternhamar vom Universitätsklinikum Kopenhagen wies jedoch darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die keinen direkten Kausalitätsnachweis erlaube.

Neue regulatorische Zulassungen und Leitlinien-Updates

Parallel zu den neuen Studiendaten hat sich die regulatorische Landschaft in Europa erweitert. Die EU-Kommission erteilte im Jahr 2026 die Marktzulassung für die Präparate Ubeslo und Evlarco des niederländischen Entwicklers NewAmsterdam Pharma. Diese enthalten den Wirkstoff Obicetrapib, eine neuartige orale Therapie zur Senkung des LDL-Cholesterins bei primärer Hypercholesterinämie.

Die Produktion der Tabletten erfolgt am Standort Dresden durch das Unternehmen Menarini von Heyden. Der Unternehmenschef Michael Davidson bezeichnete die Zulassung als weltweit ersten Schritt für diese Therapieform, während Menarini-Chefin Elcin Barker Ergun den Fortschritt für Patienten mit zusätzlichem Bedarf an LDL-C-Senkung hervorhob.

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Bereits im Jahr 2025 wurden die ESC-Leitlinien zum Management von Dyslipidämien aktualisiert. Diese basieren auf zwölf klinischen Studien und Metaanalysen seit 2019. Zentrales Element bleibt die Senkung des LDL-Cholesterins.

Zur Einschätzung des 10-Jahres-Risikos bei älteren Patienten zwischen 40 und 89 Jahren wird die Anwendung der Risikoscores SCORE2 und SCORE2-OP empfohlen, um eine realistischere Therapieentscheidung zu ermöglichen.

Früherkennung von Gefäßveränderungen im klinischen Alltag

Die Relevanz einer frühzeitigen Risikobewertung wird zudem durch die REACT-Studie untermauert, die im Jahr 2026 im New England Journal of Medicine erschien. In der Untersuchung von über 16.000 beschwerdefreien Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren wiesen 57,1 Prozent bereits atherosklerotische Plaques auf.

In der Altersgruppe der 60- bis 70-Jährigen waren sogar rund neun von zehn Personen betroffen. Da Plaques in den Hals- oder Beinarterien oft parallel zu Veränderungen in den Herzkranzgefäßen auftreten, bleibt die Diskussion über den Nutzen eines bildgebungsbasierten Screenings bei beschwerdefreien Patienten ein zentraler Aspekt der künftigen Präventionsstrategien.

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