Statin-Nebenwirkungen, Forscher

Statin-Nebenwirkungen: Forscher erklären Muskelschäden durch Calcium-Lecks

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 18:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Forschung identifiziert zwei Mechanismen für Muskelbeschwerden durch Statine und ebnet den Weg für nebenwirkungsärmere Therapien.

Statine: Neue Studien erklären Ursachen von Muskelschmerzen
Nahaufnahme von menschlichen Muskelfasern unter dem Mikroskop, die Zellschäden und Entzündungen zeigen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Neue Studien aus Juni und Juli 2026 erklären jetzt, warum.

Energieproduktion gerät ins Stocken

Eine Studie der McMaster University in Science Advances (Juli 2026) identifizierte einen Mechanismus unabhängig von der cholesterinsenkenden Wirkung. Statine stören die Prenylierung in Muskelzellen – ein Prozess, der für die mitochondriale Energieproduktion essenziell ist.

Die gestörte Energieversorgung löst eine Immunreaktion aus, die Muskelgewebe schädigt. In Zell- und Mausmodellen verhinderte eine gezielte Blockade dieser Immunantwort die Muskelschäden. Das ebnet den Weg für begleitende Therapien, die Nebenwirkungen minimieren, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen.

Calcium-Lecks in den Muskelzellen

Forscher der Columbia University und der University of Rochester fanden einen weiteren Erklärungsansatz. Ihre Arbeit im Journal of Clinical Investigation zeigt: Statine können den Ryanodin-Rezeptor 1 (RyR1) öffnen.

Dieser Kanal für Calcium-Ionen wird zum Leck. Die ausströmenden Ionen stören die Muskelfunktion und provozieren Schäden. Patienten mit bestimmten genetischen Mutationen am RyR1-Rezeptor sind besonders anfällig. In Tierversuchen stoppte der Wirkstoff Rycal das Austreten von Calcium und schützte die Muskelzellen.

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Risikorechner für die Praxis

Die Universität Oxford stellte im Juni 2026 in The Lancet Digital Health den Risikorechner „STRATIFY-StatinMD“ vor. Das Tool analysiert Daten von rund 5,6 Millionen Patienten aus England.

Das Ergebnis: Über 98 Prozent der Kandidaten für eine Statin-Therapie haben nur ein geringes Risiko für schwere Muskelstörungen. Dennoch nehmen derzeit über 60 Prozent der Berechtigten keine Statine ein – oft aus Sorge vor Nebenwirkungen. Der Rechner könnte Ärzten helfen, Sicherheit und Nutzen besser zu vermitteln.

Warum Statine so wichtig bleiben

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Über 60 % der Berechtigten nehmen keine Statine – aus Angst vor Nebenwirkungen. Dabei zeigt ein neuer Risikorechner: Bei über 98 % ist das Risiko für schwere Muskelschäden gering. Erfahren Sie, wie Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Bedenken sprechen können. Mehr zum Risikorechner erfahren

Eine Langzeituntersuchung des NCD-RisC-Netzwerks in The Lancet zeigt: Das kardiovaskuläre Risiko bei adipösen Menschen über 40 sank in wohlhabenden Ländern zwischen 1990 und 2024 deutlich. Hauptgrund: der verstärkte Einsatz von Blutdrucksenkern und Statinen.

Gleichzeitig steigt der finanzielle Druck. Für die Gesetzliche Krankenversicherung wird 2026 ein Defizit von über 15 Milliarden Euro erwartet. Bessere Verträglichkeit von Statinen könnte die Therapietreue erhöhen und kostspielige Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte verhindern. Die primäre Prävention durch Medikamente bleibt ein zentraler Pfeiler der Kardiologie.

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