STARKIDS: G-BA empfiehlt Kassenversorgung für rund eine Million Heranwachsende
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 06:44 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat sich dafür ausgesprochen, zentrale Bestandteile des Programms STARKIDS in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen zu überführen. Das e-health-gestützte Versorgungskonzept richtet sich an Kinder und Jugendliche mit Adipositas.
Wie aus entsprechenden Berichten hervorgeht, könnten bundesweit rund eine Million Heranwachsende von einer solchen Ausweitung des Angebots profitieren.
Der Schwerpunkt der ausgesprochenen Empfehlung liegt auf strukturierten Schulungen, die direkt in den Praxen von Kinder- und Jugendärzten verankert werden sollen. Ob und in welcher Form das Konzept letztlich verbindlich als reguläre Kassenleistung für gesetzlich Versicherte zur Verfügung steht, hängt nun von nachfolgenden Beschlüssen des G-BA ab.
Studienergebnisse zur Kombination aus e-Health und Praxisbesuchen
Die Empfehlung stützt sich auf wissenschaftliche Daten der STARKIDS-Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Europe publiziert wurden. Die Untersuchung belegt, dass die Kombination aus digitalen Angeboten und regulären Arztterminen tragfähig ist.
An der Studie nahmen insgesamt 559 Kinder und Jugendliche teil. Davon wurden 343 Teilnehmende innerhalb des STARKIDS-Programms betreut, während eine Kontrollgruppe aus 216 jungen Patientinnen und Patienten eine optimierte Regelversorgung erhielt.
Der Innovationsausschuss beim G-BA hat empfohlen, strukturierte Adipositas-Schulungen in Kinder- und Jugendarztpraxen in die Regelversorgung zu überführen. Wer seine Praxis früh vorbereitet, kann Abläufe und Abrechnung rechtzeitig aufstellen. Unser kostenloser Leitfaden zeigt die wichtigsten Schritte. Praxis-Leitfaden jetzt anfordern
Die wissenschaftliche Koordination des Projekts lag beim Universitätsklinikum Tübingen. Die Studienleitung übernahmen Prof. Junne aus Magdeburg und Prof. Ehehalt aus Stuttgart.
Bei der Auswertung der Gewichtsverläufe zeigten sich messbare Effekte: Nach 12 Monaten verzeichneten 33 Prozent der Teilnehmenden in der STARKIDS-Gruppe eine klinisch relevante Verbesserung des Verlaufs, verglichen mit 22 Prozent in der Kontrollgruppe.
Nach 18 Monaten betrug der Anteil in der Interventionsgruppe 29 Prozent gegenüber 27 Prozent in der Vergleichsgruppe, womit der Unterschied zu diesem späteren Messzeitpunkt statistisch nicht signifikant ausfiel.
Wirtschaftliche Perspektiven und regionales Potenzial
Neben den klinischen Verläufen untersuchten die Forschenden auch die ökonomischen Folgen einer flächendeckenden Einführung. Eine Modellrechnung ergab, dass binnen 10 Jahren mit einem gesellschaftlichen Nutzen von knapp 2 Euro je investiertem Euro gerechnet werden könne. Hierbei handelt es sich um eine modellierte Einschätzung und nicht um eine gemessene Größe.
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Mitinitiator Prof. Junne bezifferte das Versorgungspotenzial am Beispiel von Sachsen-Anhalt auf bis zu 20.000 betroffene Kinder und Jugendliche. Durch die Übernahme der Praxisschulungen und digitalen Module in die reguläre Versorgung soll eine kontinuierliche Betreuung von jungen Adipositas-Patienten im ambulanten Sektor ermöglicht werden. Über das weitere Vorgehen und die Ausgestaltung der Richtlinien müssen nun die Gremien des G-BA befinden.
