Stanford-Test uRARE-seq: 683 Urinproben zeigen hohe Trefferquote
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 11:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein an der Stanford University entwickeltes Testverfahren namens uRARE-seq setzt auf zellfreie Ribonukleinsäure (cfRNA) im Urin, um lokalisierten Blasenkrebs mit hoher Genauigkeit nachzuweisen.
Laut einer im Oktober 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichten Untersuchung an 683 Urinproben von Krebspatienten und Kontrollgruppen erzielt das Liquid-Biopsy-Verfahren eine Sensitivität von 95 Prozent bei einer Spezifität von 90 Prozent. Damit übertrifft die Methodik bestehende Urin-Tumor-DNA-Tests bei der Erkennung von Tumorgewebe.
Höhere Sensitivität gegenüber Zytologie und DNA-Analysen
Die Forschungsgruppe aus Stanford und dem Palo Alto VA in Kalifornien untersuchte die funktionale Liquid Biopsy an insgesamt 683 Urinproben von 515 Personen, um ihren Einsatz bei der Steuerung der Erstlinientherapie mit Bacillus Calmette-Guérin (BCG) zu prüfen. Dabei zeigte sich der cfRNA-Ansatz herkömmlichen diagnostischen Methoden deutlich überlegen.
In einer Vortest-Kohorte von 93 Patienten erreichte das cfRNA-Verfahren eine Sensitivität von 96 Prozent, während die klassische Urinzytologie lediglich auf 34 Prozent kam. Eine zweite Vortest-Kohorte mit 85 Patienten bestätigte das Bild: Hier erzielte cfRNA eine Sensitivität von 99 Prozent im Vergleich zu 85 Prozent bei einem DNA-basierten Test.
In einer Kontrollgruppe mit nicht-kanzerösen Mutationen lag die Spezifität der cfRNA-Analyse bei etwa 90 Prozent. Ein methodischer Vorteil von uRARE-seq besteht darin, dass der Test unbeeinflusst von sogenannten Feld-Effekt-Mutationen bleibt. Zudem erfasst das System Tumor-Transkripte bei Blasen-, Prostata- und Nierenkrebs.
Die Urinzytologie erkennt Blasenkrebs nur in rund einem Drittel der Fälle — ein an der Stanford University entwickeltes cfRNA-Verfahren erreicht in der zitierten Untersuchung 96 Prozent Sensitivität und bleibt unbeeinflusst von Feld-Effekt-Mutationen. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie cfRNA-Diagnostik in Diagnostik und BCG-Steuerung einordnen. Praxisleitfaden cfRNA-Diagnostik jetzt anfordern
Steuerung der BCG-Therapie und Rezidivüberwachung
Über die reine Früherkennung hinaus liefert das Verfahren wichtige Anhaltspunkte für die Wahl und Überwachung von Therapien. Bei 114 Vortest-Patienten erreichte der Test einen AUC-Wert von 0,93 bei der Vorhersage, wie Betroffene auf eine BCG- im Vergleich zu einer Chemotherapie ansprechen. Das Testergebnis ist dabei stark mit dem Rezidivrisiko verknüpft.
Vergleichende Analysen im Vortest-Urin ergaben funktionelle Unterschiede: Bei Patienten mit vollständigem Ansprechen auf eine BCG-Behandlung waren T-Zell- und Immunsignaturen angereichert. Urinproben von Patienten ohne Ansprechen wiesen hingegen eine höhere Expression von Proliferationsgenen auf.
Zudem eignet sich uRARE-seq zur sensitiven Erfassung minimaler Resterkrankungen (Minimal Residual Disease) nach chirurgischen Eingriffen. Der Test kann differenzieren, ob eine vollständige molekulare Remission infolge einer Operation oder nach einer intravesikalen BCG-Therapie eingetreten ist.
Nach der BCG-Therapie bleibt oft unklar, ob eine minimale Resterkrankung persistiert — in einer NMIBC-Gruppe waren hochgradige Rezidive vor der Gabe stets cfRNA-positiv und blieben es danach zu 92 Prozent. Der Leitfaden erklärt, wie Sie Rezidiv-Überwachung und molekulare Remission nach der OP strukturiert nachverfolgen. Rezidiv-Überwachung nach NMIBC-OP: Leitfaden sichern
Bei einer Gruppe von 36 Patienten mit intermediärem oder hochriskantem nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs (NMIBC) waren 58 Prozent vor der BCG-Gabe cfRNA-negativ, nach der Behandlung jedoch keiner mehr. Hochgradige Rezidive stellten sich vor Beginn der BCG-Behandlung stets als cfRNA-positiv dar und blieben es nach der Therapie zu 92 Prozent.
Als nächster Schritt im Forschungsprozess sind groß angelegte prospektive Studien vorgesehen, um die klinische Anwendung von uRARE-seq weiter abzusichern.
