Stammzellen: Dresdner Start-up macht Nabelschnurzellen industriell nutzbar
10.06.2026 - 12:36:50 | boerse-global.de
Das Ziel: standardisierte, lagerfähige Zellprodukte, die ohne individuelle Aufbereitung direkt einsetzbar sind.
Von der Nabelschnur zur Standardtherapie
Mesenchymale Stammzellen (MSCs) gelten als Hoffnungsträger der Regenerationsmedizin. Das Dresdner Start-up MDTB-Cells setzt genau hier an: Es will die Zellen aus Nabelschnurgewebe industriell nutzbar machen. Statt individueller Aufbereitung für jeden Patienten setzt das Unternehmen auf sogenannte Off-the-Shelf-Produkte – fertige Zelltherapien von der Stange.
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International gibt es bereits Vorbilder. Das US-Unternehmen Mesoblast hat mit Ryoncil eine Zulassung für die Behandlung der steroidrefraktären akuten Graft-versus-Host-Krankheit (GvHD) bei Kindern. Weitere Produkte gegen chronische Rückenschmerzen und Herzinsuffizienz sind in der Pipeline. Beide Firmen setzen auf skalierbare Verfahren, um die Verfügbarkeit komplexer Zelltherapien zu erhöhen.
Dresdner Biobank massiv ausgebaut
Parallel zu den Zellprodukten wächst die Forschungsinfrastruktur in Sachsen. Die Biobank des Universitätsklinikums Dresden stockt ihre Bestände deutlich auf – besonders bei pädiatrischen Proben. Bisher stammen nur drei Prozent der rund 220.000 Proben von Kindern und Jugendlichen. Langfristig soll der Anteil auf zehn Prozent steigen, bei einer Gesamtkapazität von bis zu fünf Millionen Proben.
Der Ausbau hängt mit dem Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) zusammen, das seit 2024 existiert. Die bei minus 180 Grad gelagerten Materialien dienen der Erforschung postinfektiöser Krankheiten. Ein aktuelles Beispiel: das Projekt PEDNET-LC zu Langzeitfolgen von Covid-19 bei Kindern.
Hannover: Herzmuskelzellen günstiger produzieren
Neben Nabelschnurzellen rücken induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) in den Fokus. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) arbeitet im Projekt iNDUCARE daran, autologe Herzmuskelzellen schneller und billiger herzustellen. Das Vorhaben startet im September 2026 und wird mit acht Millionen Euro von der EU gefördert.
Die Forscher wollen die Produktion von Zwei-Liter-Maßstäben auf effizientere 300-Milliliter-Bioreaktoren umstellen. Ziel: eine fünf- bis siebenfach höhere Zellausbeute und eine Reduktion der Herstellungszeit von zwölf auf sieben Monate. Die Kosten sollen um rund 70 Prozent sinken – ein entscheidender Schritt für patienteneigene Zelltherapien.
Neue Hoffnung bei Lungenkrebs
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Wissenschaftler der Universität Gießen und des Max-Planck-Instituts in Bad Nauheim haben einen neuen metabolischen Mechanismus bei Lungenkrebs entdeckt. Laut einer Studie in Cell Metabolism spielt der Stoffwechsel-Schalter Itaconat eine zentrale Rolle. Fehlt die Substanz, verwandeln sich Immunzellen in einen tumorfördernden Zustand. In Versuchen ließ sich durch eine künstliche Erhöhung der Konzentration der antitumorale Zustand wiederherstellen.
Finanzielle Hürden für die Hochschulmedizin
Trotz aller Fortschritte: Die Hochschulmedizin kämpft mit strukturellen Problemen. Auf dem Medizinischen Fakultätentag in Dresden wiesen Vertreter auf wachsende Finanzierungslücken hin. Steigende Personalkosten bei stagnierenden Landeszuschüssen erschweren die langfristige Planung. Hinzu kommt die zunehmende Auseinandersetzung mit populistischen Tendenzen im wissenschaftlichen Diskurs.
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