Stablecoins, Crossmint

Stablecoins: Crossmint erhält erste europäische Doppellizenz

04.07.2026 - 07:40:53 | boerse-global.de

Crossmint erhält erste doppelte EU-Lizenz für Stablecoins. Banken wie Standard Chartered steigen ein, während Behörden weltweit Regeln verschärfen.

Stablecoin-Regulierung: Neue Lizenzen und globale Partnerschaften
Stablecoins - Glühendes digitales Netzwerk verbindet abstrakte Finanzinstitute und Stablecoin-Symbole, repräsentiert integrierte Regulierungsinfrastruktur. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere bahnbrechende Entwicklungen in Europa, den USA und Asien deuten auf eine neue Ära für digitale Zahlungssysteme hin.

Doppelte Lizenz: Europas erster Full-Stack-Anbieter

Am 3. Juli 2026 gelang dem Unternehmen Crossmint ein Novum: Es erhielt als erster Stablecoin-Infrastrukturanbieter sowohl eine PSD2-Zahlungsinstitutslizenz der spanischen Bank als auch eine MiCA-CASP-Registrierung der CNMV. Dieser Doppelerfolg ermöglicht es dem Unternehmen, Stablecoins als Zahlungsmittel zu bewegen und zu verwahren – und das in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten mit einer einzigen regulierten Einheit.

Die Bedeutung? Bisher waren für solche Dienstleistungen oft mehrere Drittanbieter nötig. Crossmint bündelt nun Custodial-Wallets und Zahlungsabwicklung unter einem Dach. Das dürfte besonders für Fintechs und Unternehmen interessant sein, die auf der Suche nach einer schlanken, regulierten Lösung sind.

Parallel dazu wächst der regulierte Kryptomarkt rasant. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) nahm am selben Tag 37 neue MiCA-lizenzierte Firmen in ihr Register auf – darunter Standard Chartered (Luxemburg), FalconX (Malta) und Sygnum Europe. Insgesamt sind nun 280 Unternehmen gelistet. Der Schritt folgt auf das offizielle Ende der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026.

Banken steigen ein: Standard Chartered und Circle kooperieren

Nur einen Tag zuvor, am 2. Juli 2026, gaben Standard Chartered und Circle eine Partnerschaft bekannt, die institutionellen Kunden die direkte Ausgabe und Rücknahme von USDC über Bankkanäle ermöglicht. Standard Chartered ist damit die erste global systemrelevante Bank (G-SIB), die diesen Service mit einem einzigen Onboarding-Prozess anbietet – ein separates Circle-Konto wird überflüssig.

Gestartet wird das Angebot über die Niederlassung der Bank im Dubai International Financial Centre (DIFC). Die Transaktionen laufen über traditionelle Bankenschienen, während Circle die zugrunde liegenden Reserven verwaltet. Für Aufsichtsbehörden bietet diese Struktur einen klaren Vorteil: Sie erhalten verbesserte Einblicke in die Geldflüsse zwischen Fiat-Währungen und digitalen Assets.

USA und Großbritannien ziehen nach

Auch jenseits des Atlantiks tut sich einiges. In den USA müssen sechs Bundesbehörden bis zum 18. Juli 2026 die endgültigen Regeln des GENIUS Act verabschieden. Branchenexperten schätzen die jährlichen Compliance-Kosten auf rund 15 Millionen Euro pro Unternehmen. Das könnte vor allem für mittelgroße Emittenten mit kleineren Reservebasen zur Herausforderung werden. Analysten sehen hier eine potenzielle Wachstumsgrenze für staatsbeaufsichtigte Unternehmen unterhalb der 10-Milliarden-Euro-Schwelle.

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Der New Yorker Finanzdienstleistungsaufsicht (NYDFS) hat bereits am 9. Juni 2026 reagiert und eigene Regeln an den GENIUS Act angepasst. Vorgesehen sind unter anderem eine Konzentrationsgrenze für Verwahrer und formelle Risikomanagement-Anforderungen – bei gleichzeitiger Beibehaltung der 1:1-Besicherung und des Rückzahlungsrechts zum Nennwert. Zudem unterzeichnete die NYDFS am 2. Juni 2026 eine Absichtserklärung mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA), um die grenzüberschreitende Stablecoin-Aufsicht zu koordinieren.

In Großbritannien veröffentlichten die Bank of England und die Financial Conduct Authority (FCA) am 30. Juni 2026 einen gemeinsamen Fahrplan für systemische Stablecoins. Demnach wird die FCA ab dem 25. Oktober 2027 alle in Großbritannien emittierten qualifizierenden Stablecoins regulieren. Die Bank of England übernimmt zusätzlich die Aufsicht über Token, die als systemrelevant eingestuft werden.

Unternehmen entdecken Stablecoins für den Zahlungsverkehr

Die Akzeptanz von Stablecoins im Unternehmensumfeld wächst ebenfalls. Am 2. Juli 2026 gaben Kyriba und Merge eine Partnerschaft bekannt. Kyribas Treasury-Management-Plattform wird von mehr als 4.000 multinationalen Konzernen genutzt. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, grenzüberschreitende Zahlungen in Korridoren wie Indien, Brasilien und Großbritannien reibungsloser zu gestalten – durch die Integration regulierter Stablecoin-Abwicklung.

Asien: Hongkong baut Ökosystem aus

In Asien setzt Hongkong seinen Kurs fort. Unter einer Verordnung, die im August 2025 in Kraft trat, hat die Hongkonger Währungsbehörde (HKMA) im April 2026 die ersten beiden Lizenzen vergeben: an HSBC und Anchorpoint Financial – ein Joint Venture von Standard Chartered, HKT und Animoca Brands. Die Anforderungen sind streng: Emittenten müssen volle Reservebesicherung und ein Mindestkapital von umgerechnet rund 3 Millionen Euro (25 Millionen Hongkong-Dollar) vorweisen.

BIS warnt: Stablecoins sind noch kein vollwertiges Geld

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Während die ESMA 37 neue MiCA-lizenzierte Firmen registriert hat, drohen Unternehmen ohne klare Lizenzstrategie hohe Compliance-Kosten – bis zu 15 Mio. Euro jährlich laut GENIUS Act-Schätzung. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie mit einer einzigen regulierten Einheit in allen 27 EU-Staaten operieren. Compliance-Kosten senken – Report sichern

Trotz der Fortschritte bleibt Skepsis angebracht. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) veröffentlichte am 23. Juni 2026 einen Bericht, der vor verbleibenden Risiken warnt. Die Marktkapitalisierung von Stablecoins lag demnach im Mai 2026 bei rund 3,2 Billionen Euro.

Das BIS bemängelt, dass Stablecoins oft bei Elastizität, Interoperabilität und Integrität versagen. Um Risiken durch Pseudonymität und mögliche Spillover-Effekte ins traditionelle Finanzsystem zu minimieren, schlagen die Experten vor, Anti-Geldwäsche-Regeln direkt in die tokenisierte Infrastruktur einzubetten. Auch die britischen Aufsichtsbehörden warnen vor neuen Gefahren – etwa der Möglichkeit, dass KI-Agenten plötzliche Marktverschiebungen auslösen könnten. Sie fordern daher automatische Sicherheitsmechanismen in Stablecoin-Systemen.

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