Stablecoins, BIZ-Chef

Stablecoins: BIZ-Chef warnt vor mangelnder Glaubwürdigkeit

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BIZ-Generalmanager Hernández de Cos sieht Stablecoins für Massenzahlungen kritisch und verweist auf Risiken durch Regulierung und Systemintegration.

BIZ-Chef kritisiert Stablecoins und favorisiert tokenisierte Einlagen
Ein minimalistisches, modernes Bankgebäude mit klaren architektonischen Linien und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Rahmen des Jackson-Hole-Symposiums am 28. August 2026 äußerte sich Pablo Hernández de Cos, der General Manager der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), kritisch zur Rolle von Stablecoins im Finanzsystem. Er erklärte, dass diese digitalen Vermögenswerte nicht über die notwendige Glaubwürdigkeit verfügten, um Zahlungen in großem Maßstab abzuwickeln.

Stattdessen sprach er sich deutlich für die Bevorzugung von tokenisierten Einlagen aus, um die Stabilität und Effizienz des Geldwesens zu gewährleisten.

Strukturelle Mängel und regulatorische Risiken

Die Kritik des BIZ-Chefs stützte sich maßgeblich auf das Fehlen grundlegender Geldeigenschaften bei Stablecoins. Hernández de Cos betonte, dass es diesen Instrumenten an Einheitlichkeit, Interoperabilität und Integrität fehle.

Zudem würden entscheidende Merkmale wie die Par-Rückzahlbarkeit und die Elastizität nicht in ausreichendem Maße erfüllt. Diese Einschätzung knüpft an frühere Warnungen der BIZ an; bereits im Juni hatte die Institution vor Instrumenten gewarnt, die anfällig für plötzliche Kapitalabzüge (Bank Runs) seien.

Ein weiteres Risiko sieht der General Manager in der sogenannten digitalen Dollarisierung. Da die Kritik primär auf Fragen des Vertrauens und der Systemintegration basiere und nicht allein auf dem Preisgefüge, sei dies insbesondere für Regionen wie Südostasien relevant.

Dort nutzen rund 700 Millionen Menschen Stablecoins verstärkt für grenzüberschreitende Überweisungen. Parallel dazu verdeutlichte eine Studie des Financial Stability Institute (FSI) vom 27. August 2026 die bestehende regulatorische Fragmentierung.

Unterschiedliche Regelwerke in den USA, der EU, Großbritannien, Hongkong und Singapur schafften Herausforderungen für den internationalen Zahlungsverkehr und förderten die regulatorische Arbitrage. Die EU-Verordnung MiCA wurde dabei als Beispiel für regionale Regulierungsbemühungen angeführt.

Auswirkungen auf das Bankensystem und den Staatsanleihenmarkt

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Die Zusammensetzung der Reserven von Stablecoins beeinflusst laut Hernández de Cos unmittelbar die Refinanzierungskosten von Banken sowie die Nachfrage nach Staatsanleihen (T-Bills) und die Reserven der Zentralbanken.

Zwar sei eine Koexistenz der Systeme möglich, doch sieht die BIZ Stablecoins künftig eher in spezialisierten Nischenrollen. Das globale Stablecoin-Angebot beläuft sich derzeit auf 308 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei dominiert Tether den Markt mit einem Anteil von rund 60 Prozent.

Trotz des hohen jährlichen Transaktionsvolumens von insgesamt 62 Billionen US-Dollar machen reale Zahlungen für Waren und Dienstleistungen lediglich 7 Prozent dieses Wertes aus. Dennoch bewegen sich traditionelle Finanzinstitute weiter in diesen Sektor.

Mehr als zwölf Großbanken, darunter die Bank of America und die Citi, planen trotz der BIZ-Kritik die Emission eigener Stablecoins. Die rechtliche Grundlage hierfür bietet in den USA der GENIUS Act, der seit dem 18. Juli 2025 in Kraft ist.

Dynamik bei privaten Emittenten und Zahlungsdienstleistern

Auch im privaten Sektor zeigt sich eine hohe Entwicklungsgeschwindigkeit. Das Angebot des Stablecoins RLUSD überstieg am 30. August 2026 auf dem XRP Ledger die Marke von 1 Milliarde US-Dollar. Das Gesamtangebot von RLUSD wird mit 2,37 Milliarden US-Dollar beziffert, wovon 1,33 Milliarden US-Dollar (56,1 Prozent) auf das Ethereum-Netzwerk entfallen.

Insbesondere auf Ethereum verzeichnete das Angebot innerhalb von 30 Tagen ein Wachstum von 93 Prozent. Während auf Ethereum der durchschnittliche Halter Vermögenswerte in Höhe von 106.000 US-Dollar hält, liegt dieser Wert auf dem XRP Ledger bei 15.000 US-Dollar.

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Zusätzlich treiben Unternehmen wie Visa die Integration voran. Der Zahlungsdienstleister schloss Ende August innerhalb von nur 48 Stunden zwei Partnerschaften in Südkorea mit der Dunamu-Gruppe und der Shinhan Financial Group ab. Der Fokus liegt hierbei auf dem Aufbau einer Stablecoin-Infrastruktur.

Visa verzeichnete bereits im März 2026 eine Run-Rate für Stablecoin-Abwicklungen von etwa 7 Milliarden US-Dollar. Parallel dazu expandierte Ondo Finance durch die Bereitstellung von USDY auf dem Tempo-Netzwerk, wobei es sich um einen tokenisierten Treasury-Fonds mit einem Vermögen von 2,14 Milliarden US-Dollar handelt.

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