Stablecoin-Regulierung, US-Behörden

Stablecoin-Regulierung: US-Behörden verfehlen Frist um ein Jahr

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

US-Aufsichtsbehörden lassen Stichtag für Stablecoin-Regularien verstreichen. Markt wächst trotz Unsicherheit auf 315 Milliarden Dollar.

GENIUS Act: US-Behörden verpassen Frist für Stablecoin-Regeln
Digitale Darstellung eines Stablecoins, umgeben von Rechtsdokumenten und Datenströmen, Symbol für Regulierung im Kryptomarkt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Am 18. Juli 2026, genau ein Jahr nach der Unterzeichnung des GENIUS-Gesetzes, hätten die Federal Reserve, das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) und die FDIC die Umsetzungsregeln für Stablecoins finalisieren müssen. Passiert ist: nichts. Während die fehlenden Vorschriften vorerst für Unsicherheit sorgen, bleibt der gesetzliche Zeitplan für die Marktteilnehmer in Kraft – die großen Emittenten steuern unverändert auf eine bundesstaatliche Aufsicht zu.

Stillstand im Gesetzgebungsprozess

Der GENIUS Act, der im Sommer 2025 mit breiter Mehrheit durch den Senat (68-30) und das Repräsentantenhaus (308-122) ging, schreibt strenge Regeln vor: Stablecoin-Emittenten müssen 1:1-Reserven in bar oder kurzfristigen Staatsanleihen halten. Zinszahlungen auf Stablecoins sind verboten, große Technologiekonzerne werden ausgeschlossen. Trotz der verpassten Frist soll das Gesetz am 18. Januar 2027 in Kraft treten – oder 120 Tage nach Veröffentlichung der finalen Regeln, je nachdem, was früher eintritt.

Mehrere Vorschläge befinden sich noch in der Konsultationsphase. Das OCC legte im Februar 2026 Entwürfe zu Kapital- und Liquiditätsanforderungen vor, die FDIC veröffentlichte im April einen Rahmen. Doch zwischen der Federal Reserve und dem OCC gibt es grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die Zusammensetzung der Reserven – konkret, ob Commercial Paper oder ausschließlich Staatsanleihen zulässig sind. Auch das Finanzministerium hat die Regeln für die Zertifizierung staatlicher Aufsichtsbehörden noch nicht finalisiert.

Tether unter Druck

Die fehlenden Vorschriften treffen vor allem Tether, den Emittenten von USDT, der 59 Prozent des Stablecoin-Marktes kontrolliert. Nach dem GENIUS Act droht Stablecoins, die nicht den US-Reserve- und Offenlegungsstandards entsprechen, ab dem 18. Juli 2028 ein Zwangsdelisting von US-Plattformen.

Marktbeobachter schätzen, dass rund 25 Prozent der aktuellen Tether-Reserven in Vermögenswerten stecken, die unter dem neuen Gesetz möglicherweise nicht qualifizieren – darunter Edelmetalle, Bitcoin und verschiedene Kreditprodukte. Um den US-Markt zu bedienen, brachte Tether im Januar 2026 USAT auf den Markt, in Partnerschaft mit Anchorage Digital. Doch Rechtsexperten sind uneins über den Zeitplan für ausländische Emittenten: Während einige von einer zweijährigen Schonfrist ausgehen, argumentieren andere, dass Durchsetzungsmaßnahmen wie Einfrier- oder Beschlagnahmebefehle bereits nach Inkrafttreten des Gesetzes Anfang 2027 möglich wären.

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Institutionelle Übernahme und Zahlungsintegration

Trotz des regulatorischen Rückstands erreichte der Stablecoin-Markt Mitte 2026 eine Marktkapitalisierung von rund 315 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die institutionelle Akzeptanz beschleunigt sich: Circle erhielt am 10. Juli 2026 eine nationale Treuhandbanklizenz vom OCC. Andere Finanzinstitute wie Ripple, Fidelity und BitGo bekamen bereits im Winter 2025 bedingte Treuhandlizenzen.

Auch der Einsatz dieser digitalen Assets im Zahlungsverkehr wächst. Branchendaten aus dem Frühjahr 2026 zeigen, dass das jährliche Stablecoin-Zahlungsvolumen 390 Milliarden Dollar erreichte – angetrieben durch einen Anstieg von 733 Prozent bei B2B-Transaktionen. Zu den jüngsten Produkteinführungen gehören SoFiUSD von SoFi (Mai 2026) und MGUSD von MoneyGram (Juni 2026). Visa startete am 16. Juli 2026 eine eigene Enterprise-Plattform für Stablecoins, nachdem ein Pilotprojekt zur Abwicklung im Frühjahr eine annualisierte Rate von sieben Milliarden Dollar erreicht hatte.

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Internationale Spannungen und Marktverschiebungen

Die Dominanz dollar-gedeckter Stablecoins, die 99 Prozent der weltweiten Emission ausmachen, sorgt international für Konflikte. In Europa äußerte die EZB Bedenken, dass Stablecoin-Adoption Retail-Einlagen aus dem Bankensystem abziehen könnte – mit möglichen Folgen für die Kreditvergabe. Ein digitaler Euro wird nicht vor 2029 erwartet, aber ein Konsortium von 37 Banken beantragt derzeit eine Genehmigung für einen euro-gedeckten Stablecoin in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Der Einfluss dollar-basierter digitaler Zahlungen wird zudem zum geopolitischen Thema. Die US-Regierung kündigte an, ab dem 22. Juli 2026 einen Zoll von 25 Prozent auf brasilianische Waren zu erheben – als Reaktion auf Wettbewerbsnachteile durch Brasiliens Pix-Zahlungssystem. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Dollar-Stablecoins inzwischen rund 90 Prozent des brasilianischen Kryptowährungs-Transaktionsvolumens ausmachen – obwohl eine nationale Verordnung ab dem 1. Oktober 2026 Stablecoins für grenzüberschreitende Zahlungen verbieten wird.

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