Stablecoin-Markt: 290 Milliarden Euro – neue US-EU-Kontrolle
04.06.2026 - 04:31:29 | boerse-global.deDie Finanzaufsicht des US-Bundesstaats New York und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) haben eine formelle Kooperationsvereinbarung zur Überwachung internationaler Stablecoin-Aktivitäten unterzeichnet. Das 22-seitige Memorandum of Understanding (MoU) soll den Austausch vertraulicher Informationen ermöglichen und die Marktintegrität auf beiden Seiten des Atlantiks stärken.
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Rahmen für grenzüberschreitende Kontrolle
Die Vereinbarung schafft einen nicht bindenden Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen New Yorks wichtigster Krypto-Aufsichtsbehörde und dem EU-Bankenregulator. Konkret werden die NYDFS und die EBA künftig Aufsichtsdaten austauschen – darunter Informationen über Umlaufmengen, die Anzahl der Token-Inhaber sowie Ergebnisse verschiedener Prüfungen.
EBA-Exekutivdirektor François-Louis Michaud bezeichnete das Abkommen als bedeutenden Meilenstein für die internationale Regulierungsangleichung. Auch NYDFS-Interimsdirektorin Kaitlin Asrow betonte die Notwendigkeit globaler Zusammenarbeit, um die Komplexität des digitalen Asset-Marktes zu bewältigen. Die Partnerschaft zielt gezielt auf Emittenten ab, die sowohl in den USA als auch in der EU tätig sind. Branchenanalysten rechnen mit steigenden Compliance-Kosten für Unternehmen – ein Nachteil, der vor allem kleinere Anbieter treffen dürfte.
Krisenkoordination und Marktrisiken
Ein zentraler Bestandteil der neuen Partnerschaft ist die Einrichtung von Kanälen für die Krisenkoordination. Die Regulierungsbehörden wollen Informationen in Zeiten schwerwiegender operativer oder finanzieller Schwierigkeiten austauschen, um systemische Risiken einzudämmen. Dieser Fokus auf Stabilität kommt nicht von ungefähr: Der globale Stablecoin-Markt wächst rasant und erreichte Anfang Juni eine Bewertung von rund 314 Milliarden US-Dollar – umgerechnet etwa 290 Milliarden Euro.
EZB-Direktorin Isabel Schnabel warnte jüngst vor den Gefahren des Sektors. Stablecoins blieben anfällig für „Run-Risiken", so Schnabel. Zudem könnten diese digitalen Assets die europäische Währungssouveränität gefährden, wenn sie nicht angemessen reguliert würden. Der Markt wird weiterhin von großen Token wie Tether (USDT) und Circle (USDC) dominiert, die häufig für Krypto-basierte Kartenzahlungen genutzt werden.
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Regulatorische Entwicklung und Unternehmensstimmung
Die Kooperation baut auf bestehenden Rechtsrahmen in beiden Regionen auf. Die EBA stützt sich dabei auf ihre Befugnisse aus Artikel 126 der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets), die seit 2024 die Stablecoin-Aufsicht in der EU regelt. Die NYDFS wiederum beaufsichtigt Stablecoin-Emissionen bereits seit 2018 und setzt spezifische Anforderungen an Reserven, Transparenz und die Rückgabefähigkeit der Token durch.
Trotz dieser regulatorischen Bemühungen bleibt Unsicherheit das größte Hindernis für die Akzeptanz in der Wirtschaft. Eine Studie von PYMNTS zeigt: 77 Prozent der Finanzvorstände sehen regulatorische Unklarheiten als Haupthindernis für die Einführung von Kryptozahlungen. Nur 13 Prozent der befragten Unternehmen nutzen derzeit Stablecoins, während 58 Prozent der Führungskräfte das Thema in ihren Organisationen noch nicht einmal diskutiert haben.
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