Stablecoin-Konsortium: 21 Banken gründen gemeinsames Unternehmen
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anfang September 2026 haben 21 führende internationale Finanzinstitute die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zur Ausgabe von Stablecoins bekannt gegeben. Dem Konsortium gehören unter anderem die Deutsche Bank, die Bank of America, Citi, Goldman Sachs, Santander, UBS sowie die japanische MUFG an.
Ziel der Allianz ist die Einführung eines auf US-Dollar basierenden Stablecoins in der ersten Jahreshälfte 2027, gefolgt von Varianten in Euro und weiteren G7-Währungen.
Strategische Neuausrichtung im digitalen Zahlungsverkehr
Mit diesem Schritt reagieren die beteiligten Institute auf den wachsenden Markt für digitale Assets und die fortschreitende Regulierung. Das neue Unternehmen strebt eine vollständige Konformität mit dem europäischen MiCA-Regelwerk sowie dem US-amerikanischen GENIUS Act an.
Letzterer wurde bereits im Juli 2025 erlassen und tritt am 18. Januar 2027 offiziell in Kraft. Branchenbeobachter werten das Startfenster in der ersten Jahreshälfte 2027 als direkte Reaktion auf diesen regulatorischen Meilenstein.
Die Banken verfolgen dabei eine duale Strategie: Während tokenisierte Einlagen primär defensiv zur Optimierung interner Prozesse genutzt werden, dienen die geplanten Stablecoins als offensive Instrumente im öffentlichen Zahlungsverkehr.
Interessanterweise ist das US-Finanzinstitut JPMorgan nicht an dem Vorhaben beteiligt. Die Bank prüft zwar laut Berichten eigene Stablecoin-Optionen, setzt jedoch weiterhin auf den JPM Coin, der als tokenisierte Einlage klassifiziert bleibt.
Infrastruktur und Wettbewerb im Ökosystem
Parallel zur Initiative der Großbanken intensivieren auch andere Finanzdienstleister ihre Aktivitäten im Bereich der Stablecoin-Infrastruktur. Visa und der Zahlungsdienstleister Nium haben im Rahmen der BLOOM-Initiative in Singapur einen Pilottest für ein Sieben-Tage-Settlement gestartet. Dabei werden regulierte Stablecoins in US-Dollar und Euro genutzt, um Transaktionen auch an Wochenenden und Feiertagen abzuwickeln.
Zudem hat Nium Ende August eine Lösung eingeführt, die es Unternehmen ermöglicht, USDC-Bestände für grenzüberschreitende Auszahlungen in 190 Ländern zu nutzen. In Skandinavien und Südeuropa hat Revolut mit der Einführung des EURR bereits im August eigene Akzente als Emittent gesetzt.
Während Großbanken den Zahlungsverkehr digitalisieren, rücken Finanzexperten bereits die nächsten Profiteure der technologischen Transformation in den Fokus. Dieser kostenlose Report analysiert, welche drei Unternehmen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz im Finanzsektor massiv profitieren könnten. 3 aussichtsreiche KI-Werte jetzt entdecken
Auch Kooperationen zwischen Krypto-Plattformen und etablierten Zahlungsnetzwerken nehmen zu: Dunamu, der Betreiber der Börse Upbit, und Visa haben eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung von Zahlungsmodellen rund um Stablecoins und globale Überweisungen vereinbart.
Steigende Adoption durch globale Unternehmen
Die Bedeutung von Stablecoins zeigt sich zunehmend in der realwirtschaftlichen Anwendung. Unternehmen wie Meta, SpaceX und Scale AI nutzen bereits Token wie USDC und USDT für ihre Zahlungsströme.
Meta setzt USDC beispielsweise für Zahlungen an Ersteller von Inhalten in den Philippinen und Argentinien ein und plant, dieses Modell bis Ende 2026 auf über 160 Länder auszuweiten. SpaceX nutzt die Technologie für Zahlungen im Rahmen seines Starlink-Dienstes.
Der Markt für diese digitalen Währungen erreichte Ende August 2026 eine Gesamtkapitalisierung von 308 Milliarden US-Dollar. Dabei entfallen 183,41 Milliarden US-Dollar auf USDT und 74,05 Milliarden US-Dollar auf USDC.
Wer die aktuelle Dynamik im Finanzsektor verstehen will, sollte auch die Rolle von KI-Technologien als Wachstumstreiber nicht unterschätzen. Erfahren Sie in diesem Spezial-Report, welche drei KI-Aktien laut Experten ein außergewöhnliches Potenzial für das Jahr 2026 aufweisen. Kostenlosen KI-Wachstumsreport hier anfordern
Effizienzgewinne bei grenzüberschreitenden Zahlungen
Ein wesentlicher Treiber für das Engagement der 21 Banken ist der Markt für grenzüberschreitende Zahlungen, dessen Volumen auf 208 Billionen US-Dollar geschätzt wird. Insbesondere im Bereich der Remittances – dem Geldtransfer von Migranten in ihre Heimatländer – besteht hoher Kostendruck.
Im Jahr 2024 beliefen sich diese Zahlungen in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf 685 Milliarden US-Dollar. Während die durchschnittlichen Kosten für einen Transfer von 200 US-Dollar im Herbst 2025 bei 6,36 Prozent lagen, riefen Banken im Schnitt Gebühren von 14,99 Prozent auf.
Lösungen auf Basis von Stablecoins versprechen hier deutliche Kostensenkungen. Pilotprojekte demonstrierten bereits im Frühjahr 2026, dass Abwicklungen innerhalb von weniger als drei Sekunden möglich sind, wobei die Kosten im Vergleich zu etablierten Blockchain-Netzwerken wie Ethereum um bis zu 87 Prozent niedriger ausfallen können. Das neue Bankenkonsortium positioniert sich mit seinem Vorhaben somit direkt gegen spezialisierte Anbieter wie Bakkt oder OpenPayd, die ebenfalls auf 24/7-Stablecoin-Infrastrukturen für den internationalen Handel setzen.
