SSD-Knappheit: Ingenieur rüstet MacBook Pro auf 8TB auf
06.07.2026 - 15:43:51 | boerse-global.de
Angetrieben durch den unstillbaren Hunger der KI-Industrie nach Rechenleistung, greifen Unternehmen und technikaffine Nutzer zu immer radikaleren Mitteln.
Hardware-Modifikationen als letzter Ausweg
Die hohen Aufpreise, die Hersteller für Speicher-Upgrades verlangen, treiben einige Nutzer zu extremen Eigeninitiativen. Anfang Juli gelang es einem Ingenieur, ein M4 Max MacBook Pro auf eine 8TB SSD aufzurüsten. Die dafür benötigten NAND-Flash-Komponenten kosteten umgerechnet rund 730 Euro – ein Bruchteil der fast 2.700 Euro, die Apple für ein vergleichbares Upgrade verlangt.
Der Haken: Die Modifikation erforderte rund zwölf Stunden Arbeit mit Spezialgerät. Eine Heißluft-Lötstation und ein Mikroskop für die Präzisionslötarbeiten waren unerlässlich. Techniker betonen, dass der Eingriff mehrere Jahre Erfahrung im fortgeschrittenen Löten voraussetzt. Das Risiko ist enorm, denn die Komponenten sind tief in die System-on-a-Chip (SoC)-Architektur integriert.
Lieferengpässe bis 2028 erwartet
Die Ursache für diese horrenden Preise ist ein massives Angebotsdefizit in der gesamten Speicherindustrie. Analysten von Nomura Securities berichteten Anfang Juli, dass die vor allem durch KI getriebene Nachfrage ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Zwar fürchten manche Investoren eine Überversorgung, doch die Experten halten diese Sorgen für übertrieben.
Der Speicherhersteller Micron warnt, dass sich das Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Produktion bei DRAM und NAND-Flash vor 2028 nicht wesentlich entspannen wird. Die Folgen sind bereits in regionalen Märkten sichtbar: In Vietnam haben sich die Preise für DDR5-RAM seit 2024 vervier- bis verfünffacht. Südkoreanische Investitionen zur Produktionssteigerung werden zudem erst in fünf bis zehn Jahren vollständig wirken.
Steigende Kosten treiben Preise nach oben
Die finanzielle Wucht der Krise hat die großen Hardware-Hersteller voll erfasst. Apples DRAM-Beschaffungskosten haben sich zuletzt vervierfacht. Hintergrund sind globale Preissteigerungen von 90 Prozent im ersten Quartal 2026 und weiteren 60 Prozent im zweiten Quartal. Als Reaktion erhöhte der Konzern am 25. Juni die Preise für 14 Produktlinien.
Um die Kosten in den Griff zu bekommen, verhandelt Apple Berichten zufolge mit chinesischen Speicherherstellern wie ChangXin Memory Technologies (CXMT) und Yangtze Memory Technologies (YMTC). Es geht um Komponenten für Geräte, die für den chinesischen Markt bestimmt sind – darunter das kommende iPhone 18 und verschiedene Mac-Modelle. Allerdings erschweren US-Handelsbeschränkungen mögliche Vereinbarungen.
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Chinesische Hersteller drängen in den Weltmarkt
Andere große Hersteller setzen bereits auf chinesische Speicherkomponenten in ihren globalen Produktlinien. Lenovo verschifft das ThinkBook 14 G9 mit einer YMTC 512GB NVMe PCIe 4.0 SSD in internationale Märkte, einschließlich der USA. Es ist das erste Mal, dass YMTC-NAND in einem außerhalb Chinas verkauften Laptop identifiziert wurde.
Technische Tests der Laufwerke zeigen Lesegeschwindigkeiten von rund 3.950 MB/s und Schreibgeschwindigkeiten von 2.514 MB/s. Diese Werte gelten für professionelle Büro-Laptops als unterdurchschnittlich. Doch die Integration spiegelt eine strategische Notwendigkeit wider: Hersteller suchen händeringend nach stabilen Lieferketten inmitten der NAND-Flash-Knappheit.
Design-Trends zwischen Modularität und Sparzwang
Trotz des Trends zu integrierten Komponenten zeigen einige aktuelle Hardware-Designs eine leichte Rückkehr zur Modularität – wenn auch mit erheblichen Einschränkungen. Teardowns des M4 Mac mini Anfang Juli offenbarten ein austauschbares Speichermodul.
Reparatur-Enthusiasten gelang es, ein 256GB-Basismodul mit Software-Tools auf 512GB aufzurüsten. Allerdings bleibt der Speichercontroller im SoC integriert, und die Module verwenden ein proprietäres Format. Das schränkt Upgrade-Möglichkeiten von Drittanbietern weiterhin stark ein.
Streit um Garantie und fragwürdige Qualität
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Im Einzelhandel geraten selbst etablierte Marken unter Druck. Anfang Juli wurde rechtliche Schritte gegen Samsung wegen Garantieansprüchen bei der 4TB 990 Pro SSD eingeleitet. Der Hersteller soll sich geweigert haben, die Garantie für ein defektes Laufwerk zu übernehmen, dessen Wert massiv gestiegen ist. Die SSD kostet aktuell über 820 Euro, ursprünglich lag der Preis bei etwa 300 Euro.
Gleichzeitig deuten durchgesickerte Spezifikationen einer neuen „Vanilla“-Version der Samsung 990 SSD darauf hin, dass der Konzern auf günstigere QLC-NAND-Speicherzellen setzt und DRAM-Caches entfernt. Das würde die Produktionskosten senken – aber auch die Lebensdauer der Laufwerke verkürzen.
